Kehl

So haben sich die Badischen Stahlwerke im Krisenjahr geschlagen

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20. Januar 2023
Elektrobasierte Stahlproduktion bei den Badischen Stahlwerken. Das Unternehmen hält an seinen Plänen fest, 7000 Haushalte der Umgebung durch Abwärme zu heizen.

(Bild 1/2) Elektrobasierte Stahlproduktion bei den Badischen Stahlwerken. Das Unternehmen hält an seinen Plänen fest, 7000 Haushalte der Umgebung durch Abwärme zu heizen. ©Michael Bodeinfo@bode-fotografie.com

Die Badischen Stahlwerke in Kehl ziehen Bilanz für 2022: Trotz großer Herausforderungen ist das Familienunternehmen gut durchs Jahr gekommen. Doch wie ist der Blick voraus angesichts der Krisen?

Das vergangene Jahr war geprägt von Krisen. Deren Auswirkungen haben auch die Badischen Stahlwerke zu spüren bekommen. Dennoch sei das Familienunternehmen aus Kehl gut durch 2022 gekommen und blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft, wie das Unternehmen in einer ausführlichen Pressemitteilung informiert.

Die Badische Stahlwerke (BSW) GmbH mit Sitz in Kehl sind nach eigenen Angaben eines der größten und technologisch modernsten Elektrostahlwerke in Deutschland. Dort wird Betonstahl für die Bauindustrie ressourcenschonend nicht aus Eisenerz und Koks hergestellt, sondern aus Stahlschrott recycelt. Mit rund 850 Beschäftigten sei das Familienunternehmen einer der größten Arbeitgeber in der Region. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, eine temporäre Rohstoffknappheit, Niedrigwasser im Rhein und fehlende Schiffs- und Bahnkapazitäten hätten die BSW 2022 vor große Herausforderungen gestellt.

Weniger Schiffe

„Das Jahr 2022 mit seinen Krisen war für uns extrem fordernd“, sagt Markus Menges, Geschäftsführer der Badische Stahlwerke GmbH. Zu kämpfen hatte das Unternehmen laut Mitteilung nicht nur mit den rasant steigenden Energiepreisen. Da sowohl Russland als auch die Ukraine als Lieferanten von Stahlschrott ausfielen, kam es zu einer Knappheit dieses wertvollen Rohstoffs auf dem Weltmarkt – verbunden mit einem drastischen Preisanstieg. Hinzu kamen Probleme bei der Logistik: „Der Stahlschrott erreicht uns überwiegend auf dem Schiffsweg“, erklärt Menges. Manche Schiffsunternehmen seien aber in andere Bereiche wie den Getreide- oder den Kohle­transport abgewandert, „so dass wir große Anstrengungen unternehmen mussten, um bestehende Schiffskapazitäten zu halten und neue auf dem Markt zu finden“, sagt Menges.

Zusätzlich verschärft worden sei die Situation dann im Sommer durch das Niedrigwasser im Rhein. Zwischenzeitlich seien die BSW nicht in der Lage gewesen, den gekauften Stahlschrott aus den Lagern der Lieferanten in Richtung Kehl zu transportieren. In der Folge musste die Produktion gedrosselt werden: Im Vergleich zum Vorjahr haben die Badischen Stahlwerke 2022 laut Mitteilung etwa zehn Prozent weniger Stahl produziert, der Absatz sei sogar um etwa 20 Prozent zurückgegangen. Genauere Umsatzzahlen nannte das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht.

„Dennoch sind wir unterm Strich gut durchs Jahr 2022 gekommen“, zieht Menges Bilanz. „Wir haben Strategien entwickelt, um uns auf die veränderten Marktbedingungen einzustellen: So haben wir beispielsweise unsere Produktion optimiert und verstärkt an energiegünstigen Tagen gefertigt“. Gas-Bestände seien aufgebaut worden. Durch das Anpassen der Preise sei es zudem gelungen, die gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe in Teilen aufzufangen. Menges: „Insgesamt können wir daher trotz aller Widrigkeiten zufrieden sein.“

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Besonders stolz ist Menges darauf, dass die BSW 2022 die Zahl der Beschäftigten trotz allem stabil halten konnten und auch keine Kurzarbeit anmelden mussten. Eine gute Nachricht für die Belegschaft sei ebenfalls, dass mit Inkrafttreten des neuen Tarifvertrags zum 1. November 2022 alle Tariflöhne kräftig angehoben wurden.

Nachfrage sinkt

Die Aufgaben, so Menges, dürften 2023 nicht kleiner werden: „Ob und wann es zu einer Gasmangellage kommt, ist nicht absehbar. Unabhängig davon werden die Energiepreise trotz der Gas- und Strompreisbremse weiterhin hoch sein. Außerdem müssen wir uns auf eine konjunkturelle Delle einstellen, denn es kommt eine Rezession auf uns zu, die auch den Immobilienmarkt betrifft.“ Er rechnet damit, „dass die Nachfrage nach Bau- und Bewehrungsstahl in diesem Jahr zurückgeht“.

Dennoch blickt der Geschäftsführer vorsichtig optimistisch in die Zukunft, weil die BSW auf wirtschaftlich gesunden Füßen stünden. „Dass wir zudem in der Lage sind, auf Veränderungen von außen mit neuen Strategien schnell zu reagieren, haben wir im vergangenen Jahr bewiesen.“ Für 2023 habe sich das Unternehmen vorgenommen, bei der Produktion und beim Absatz wieder an die Größenordnungen der Jahre vor 2022 heranzukommen.

Bei allen Krisen wollen die BSW die Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick verlieren, wie es weiter heißt. Durch die ressourcenschonende Stahlproduktion aus Stahlschrott erzeuge das Elektrostahlwerk bereits heute rund 80 Prozent weniger CO₂ pro Tonne produziertem Stahl als klassische Stahlwerke mit Hochofen. Ziel ist es, bis 2045 klimaneutral zu sein. Voraussetzung dafür sei jedoch die ausreichende Verfügbarkeit von grünem Strom. Laut Menges „ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen für Ökostrom zu wettbewerbsfähigen Preisen zu ermöglichen“.

Ab diesem Jahr gehe außerdem ein BSW-Fernwärmeprojekt in die Umsetzung, das Haushalte in Kehl und Straßburg mit Abwärme aus der Stahlproduktion versorgen soll. „In den nächsten Jahren wird ein etwa fünf Kilometer langes Rohrnetz verlegt, das unter anderem den Rhein durchqueren soll“, so Menges. Dadurch könnten die Badischen Stahlwerke voraussichtlich ab 2027 etwa 7000 Haushalte mit Abwärme versorgen. So ließen sich künftig bis zu 20.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen, heißt es abschließend.

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