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So hilft das Freiburger Elternhaus den Geschwistern

Autor: 
Victoria Hof
Lesezeit 4 Minuten
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05. Dezember 2019

Bei Ausflügen, wie hier nach Sylt, können die Geschwister etwas auf Abstand gehen. ©Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg

Wenn Kinder die Diagnose Krebs erhalten, ist das ein Schock für die ganze Familie. Auch die Geschwister leiden mit. Das Freiburger Elternhaus organisiert eigens für sie viele Aktionen.

Gesunde Geschwister krebskranker Kinder haben es schwer. Während der oft langwierigen Behandlungszeit mit regelmäßigen Klinikaufenthalten ist die Anwesenheit von mindestens einem Elternteil erforderlich. Auch in den Pausen zwischen den Behandlungen oder während ambulanter Maßnahmen nimmt die Fürsorge um das erkrankte Kind viel Raum ein. Die Betreuung der Geschwister zu gewährleisten stellt eine große emotionale und organisatorische Herausforderung für die Eltern dar. Nicht selten werden die Geschwisterkinder von Großeltern, Nachbarn oder Freunden mitbetreut und müssen mit ihren eigenen Bedürfnissen zurückstecken. Sie spüren die Ängste um ihren kranken Bruder, ihre kranke Schwester und leiden darunter, genauso wie unter der gesamten veränderten Situation. Im Elternhaus, das vom Förderverein für krebskranke Kinder in Freiburg betrieben wird, gibt es deshalb zusätzlich im Rahmen der Geschwisterbetreuung weitere Angebote. 

Beim jährlichen Geschwistertag haben die Mädchen und Jungen die Möglichkeit, das Krankenhaus mit all dem kennenzulernen, wovon in der Familie so häufig die Rede ist. „Es ist wichtig, dass die Kinder informiert werden, dass sie wissen, wie der Krankenhausalltag abläuft und was das erkrankte Kind dort erlebt“, berichtet Sozialpädagogin und Kunsttherapeutin Anneka Haigis vom Elternhaus. Denn wenn Kinder informiert seien, fühlten sie sich sicherer und ernst genommen. „Es tut den Kindern gut, auch einmal einen Termin im Krankenhaus zu haben und zu sehen, dass sich Ärzte und Schwestern extra Zeit nehmen.“ 

Erinnerungen sammeln

Auf Station bekommen die Kinder eine Führung, sie sehen MRT- und Ultraschallgeräte sowie das Labor. Und wer ganz mutig ist, darf sich über einen „Fingerpiks“ auch einmal einen Tropfen Blut abnehmen lassen. „Wie kleine Schätze sammeln sie kleine Erinnerungen wie Verbände, Spritzen oder Pflaster“, erzählt Haigis. Ein Highlight sei meist die Besichtigung eines Krankenwagens. 

Während der Geschwistertag in der Klinik eher für Kinder zwischen fünf und zwölf  Jahren organisiert wird, findet alle zwei Jahre eine vom Förderverein organisierte Freizeit für Geschwister zwischen acht und 16 Jahren statt. Im Sommer vergangenen Jahres ist eine Gruppe mit dem Zug nach Sylt gereist, und auch für den nächsten Sommer ist wieder eine Sylt-Reise geplant. „Es ist toll zu sehen, wie die Kinder und Jugendlichen, die sich größtenteils vorher gar nicht kennen, in kürzester Zeit zusammenwachsen“, erzählt Haigis, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus der Geschwisterspielstube die Freizeiten begleitet.

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Alles anders

Auch Linus Hof (13) aus Offenburg war bei der Geschwisterfreizeit dabei. „Weil mein Bruder Leukämie hatte, war bei uns in der Familie zu der Zeit alles anders“, erinnert sich Linus. „Ich habe mir immer Sorgen gemacht und ich war oft allein.“ Schon auf der 12-stündigen Zugfahrt habe er sich mit den anderen Kindern angefreundet. „Es war schön, dass man nicht alles erklären musste, weil eh schon alle wussten, was los ist“, sagt er. 

Auch Haigis betont, wie wichtig es sei, dass Kinder und Jugendliche sich untereinander austauschen. „Die Gemeinsamkeit, ein schwer krankes Geschwisterkind zu haben, verbindet, oft auch ohne viele Worte“, so Haigis. Für die Kinder sei es wichtig, etwas Abstand von zu Hause zu bekommen und sich jenseits von festen Rollen innerhalb der Familie neu wahrzunehmen. Auch für Kinder, deren Bruder oder Schwester gestorben ist, finden Treffen statt. Während verwaiste Eltern zweimal pro Jahr im Café Weiterleben zusammenkommen, findet parallel dazu ein Angebot mit Kreativteil für die Geschwister statt, das Hilfestellung zur Trauerverarbeitung gibt. Bei diesen Treffen gilt: „Alles kann, aber nichts muss.“ 

Reden oder schweigen

Eine weitere feste Größe ist inzwischen das jährlich stattfindende Trauerwochenende für Jugendliche und junge Erwachsene in einem Haus bei Achern. „Über die Jahre ist die Gruppe fest zusammengewachsen“, erzählt Haigis. Das Programm sei individuell auf die Gruppe abgestimmt und beinhalte zum Beispiel einen ressourcenorientierten Spaziergang oder tiefgreifende Gespräche über den Tod, Gefühle und alltägliche Situationen. „Bei vielen dauert es Jahre, bis sie von sich und dem gestorbenen Bruder oder der Schwester erzählen können“, so Haigis. Wie immer bei der Arbeit mit Geschwisterkindern gelte auch hier: Alles ist okay, ob reden oder schweigen, lachen oder weinen, wütend oder auch endlich einmal unbeschwert sein.

Hintergrund

Neues Elternhaus

Der Förderverein für krebskranke Kinder in Freiburg plant in unmittelbarer Nähe zur neuen Kinderklinik ein neues Elternhaus. Dieses muss zu hundert Prozent aus Spenden finanziert werden. Die Benefizaktion „Leser helfen“ der Mittelbadischen Presse sammelt für das neue Elternhaus.

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