Ungewöhnliches Projekt

So läuft die deutsch-französische Polizeiarbeit in Rust

Autor: 
Jürgen Ruf
Lesezeit 4 Minuten
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05. August 2018
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Der deutsche Polizist Oliver Gremm (r) und der französische Gendarm Patrick Aichholzer (l) vor dem Fahrgeschäft «Silverstar» des Europa-Parks. Beide sind Beamte des bundesweit ersten deutsch-französischen Polizeipostens. Die Polizeistation in Rust bei Freiburg ist mit Polizisten beider Länder besetzt. Und dient damit als eine Vorzeigewache. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv.

Der deutsche Polizist Oliver Gremm (r) und der französische Gendarm Patrick Aichholzer (l) vor dem Fahrgeschäft «Silverstar» des Europa-Parks. Beide sind Beamte des bundesweit ersten deutsch-französischen Polizeipostens. Die Polizeistation in Rust bei Freiburg ist mit Polizisten beider Länder besetzt. Und dient damit als eine Vorzeigewache. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv. ©Patrick Seeger/dpa

Französische Polizisten gehen in Deutschland Streife, nehmen Unfälle auf und jagen Kriminelle. Sie arbeiten an der Seite von deutschen Beamten. Rust bei Freiburg ist als Ort für das ungewöhnliche Projekt bewusst gewählt.

Der französische Gendarm Patrick Aichholzer und sein deutscher Kollege Oliver Gremm arbeiten Hand in Hand. Sie kontrollieren einen jungen Mann aus Frankreich, der mit dem Auto in Deutschland unterwegs ist. Gegenüber seinem Landsmann, dem Gendarm, gibt sich der Franzose auskunftswillig. Und räumt ein, Drogen dabei zu haben. Aichholzer und Gremm sind Beamte des bundesweit ersten deutsch-französischen Polizeipostens. Die Polizeistation in Rust bei Freiburg ist mit Polizisten beider Länder besetzt. Und dient damit als eine Vorzeigewache. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv.

Es ist ein überregional beachtetes Pilotprojekt, das Grenzen und Sprachbarrieren überwindet. Die Polizei in Deutschland kooperiert zwar schon seit Jahren mit der Polizei in Frankreich, etwa bei grenzüberschreitenden Einsätzen, Fahndungen oder gelegentlich bei gemeinsamen Streifen. Doch Rust ist eine Premiere: Neu ist, dass eine gewöhnliche Polizeistation in Deutschland regulär mit Beamten beider Länder besetzt ist. Franzosen sind hier fester Bestandteil deutscher Polizeiarbeit. Sie sind in weiten Teilen gleichberechtigt, obwohl sie in einer anderen Nation im Einsatz sind.

Voneinander lernen

»Es ist eine gute Zusammenarbeit. Wir lernen sehr viel voneinander«, sagt der 48 Jahre alte Aichholzer. Seit 30 Jahren ist der Mann aus Straßburg in seinem Heimatland Polizist. Dienst schiebt er diesen Sommer auf deutscher Seite. In der rund 4200 Einwohner zählenden badischen Gemeinde Rust bilden acht Polizisten aus Deutschland und zwei Beamte aus Frankreich die binationale Polizeistation.

An diesem Tag stehen Autokontrollen an. Ein Wagen mit fünf Insassen wird angehalten. Es ist ein Mietwagen aus den Niederlanden, besetzt mit Touristen. Die Eltern und ihre zwei Kinder kommen aus Kabul und sind afghanische Staatsbürger. Die Großmutter im Fond hat einen französischen Aufenthaltstitel und Dokumente in französischer Sprache. In Deutschland tun sich Fragen auf. Gendarm Aichholzer klärt das Problem innerhalb von Minuten. Er kann direkt Kontakt aufnehmen mit Frankreichs Behörden und hat Zugriff auf dortige Datenbanken.

Mit den Papieren, so das Fazit der Kontrolle, ist alles in Ordnung. Ohne Aichholzer und den französischen Schutzpolizisten Yohann Conesa, der ebenfalls in Rustarbeitet, hätte die deutsche Polizei einen großen Aufwand betreiben müssen, um an die notwendigen Informationen zu kommen. Und Sprachprobleme hätte es ebenfalls gegeben.

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Rust ein internationaler Ort

Rust passe zu dem Modell der binationalen Polizeiwache, sagt der Leiter des Postens, Martin Baumann. »Es ist ein internationaler Ort.« Die deutsch-französische Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt. Und mit Deutschlands größtem Freizeitpark, dem Europa-Park, befindet sich ein internationales Touristenziel mitten im Ort. Die Franzosen bilden nach den Deutschen hier die größte Gruppe. Rund ein Drittel der Menschen, die in Rust im Sommer unterwegs sind, komme aus Frankreich, sagt Baumann. Es sind Besucher oder Mitarbeiter des Vergnügungsparks, der gleich neben der Polizeiwache ist.

Es ist die Größe einer Kleinstadt, die jeden Morgen nach Rust fährt und abends wieder heim. Täglich kommen laut Baumann bis zu 45 000 Menschen und mehr als 10 000 Autos in das kleine Örtchen am Rhein. »Damit verbunden sind alle Phänomene einer solchen Stadt - vom einfachen Diebstahl bis hin zu schweren Verbrechen und Unfällen.«

Sind Franzosen betroffen, fühlten sie sich wohler, wenn ihnen vertraute Polizei vor Ort sei, sagt Polizeioberkommissar Gremm (48). Das erleichtere die Arbeit. »Zumal in einer gemeinsamen Sprache vieles einfacher geht.« Aichholzer und seine Kollegen aus Frankreich beherrschen aber auch die deutsche Sprache, damit die Kommunikation mit den Polizisten und Bürgern in Deutschland funktioniert.

Gemeinsame Wache als Versuch

Die deutsch-französische Polizeiwache ist nach Angaben des Innenministeriums zunächst ein Versuch. Sie ist zwar das ganze Jahr besetzt. Polizisten aus Frankreich sind jedoch nur in den Ferienmonaten Juli bis September dabei. Den Rest des Jahres bleiben deutsche Polizisten unter sich. Laufe der Test erfolgreich, kann er laut Ministerium in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Aichholzer und Gremm, die beiden Polizisten, wären dafür. »Es gibt zwischen der deutschen und der französischen Polizei große Unterschiede«, sagt Gremm zwar. Dies reiche von der Ausbildung über die Ausstattung bis hin zu juristischen Abweichungen. »Letztlich verbindet uns aber die gemeinsame Arbeit.« Die andere Nationalität spiele im täglichen Miteinander so gut wie keine Rolle.

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