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So werden Mütter auf ein selbständiges Leben vorbereitet

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 4 Minuten
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15. November 2017

Maren und ihre kleine Tochter Emily fühlen sich in der Trainingswohnung des Haus des Lebens in der Offenburger Nordweststadt sichtlich wohl. ©Iris Rothe

Im »Haus des Lebens« gibt es drei Wohnformen. Eine davon ist das »Trainingswohnen« in der Nordweststadt. Dort erlernen Mütter mit ihren Kindern einen weiteren Schritt in die Selbstständigkeit.

Das Haus des Lebens bietet jungen Müttern und Schwangeren, deren Persönlichkeitsentwicklung aufgrund ungünstiger Sozialentwicklung noch nicht abgeschlossen ist, vielfältige Hilfe. Eine davon ist das »Trainingswohnen«. Nach einem Aufenthalt im Haupthaus an der Weinstraße können die Frauen einen behüteten Schritt weiter wagen, in Richtung Selbstständigkeit und Selbstverantwortung für sich und ihr Kind. Dafür sind in der Nordweststadt acht Wohneinheiten für acht Frauen und ihre Kinder angemietet. 

Unter realen Bedingungen

Hier wird Alltag unter realen Bedingungen geübt und auch für viele zum ersten Mal gelebt. Das fängt beim Versorgen an und führt bis zum Organisieren einer beruflichen Zukunft. Bei unserem Besuch dort erwarten uns Maren (21) mit Emilie (11 Monate) und Carolin (22) mit Melody (zwei Jahre alt). Maren ist eben eingezogen, sie ist mit dem Einräumen ihrer zwei Zimmer beschäftigt. »Nee, ich hab’ noch nichts auf der Reihe«, lacht sie und füttert ihr Kindchen mit Banane. 

Anders strukturiert

Ganz anders hat Carolin bereits ihr Trainingsleben strukturiert. Ihre beiden Zimmer sind blitzblank und ordentlich aufgeräumt. An der Wand lehnt eine Gitarre, den Boden ziert der Spielteppich ihres ehemaligen Kinderzimmers. »Beides habe ich von daheim geholt«, erklärt sie. Als die Mutter mit ihrem Partner eine neue Wohnung bezog, war kein Platz mehr für Carolin. Da war sie bereits schwanger. 

Das Leben im Trainingswohnhaus ist aber auch der ordnungsliebenden Carolin nicht leichtgefallen. Doch Bianca Kranz, Fachbereichsleiterin, die fünf Mitarbeiter des Hauses, darunter Sozialpädagogin Monika Winterer, hatten Vertrauen, Geduld und praktische Hilfe parat. Zudem ist Carolin in die kleine Gemeinschaft dort eingebunden. Der Kontakt zum Stammhaus in Rammersweier besteht weiterhin.  »Ach so ja«, erinnert sich Carolin, »ich musste erst einmal das Kochen lernen«. Wie man einen Kohlrabi bearbeitet, war fremd für sie. »Ich war an Fertiggerichte gewöhnt«. 

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Rasch gelernt

Carolin muss rasch gelernt haben, sie gestaltet jeden Tag akribisch und pünktlich durch. Morgens ab 7 Uhr werden alle Kleinen, deren Mamas früh zur Arbeit oder Ausbildung starten, per Bus ins Kinderhaus gefahren. Carolin macht es anders. Nach dem Frühstück marschiert sie mit der kleinen Melody zum Bahnhof, von dort aus geht es mit dem öffentlichen Bus in die Kinderkrippe vom »Haus des Lebens«. 
Wieder daheim, macht sie Ordnung, hilft beim gemeinsamen Dienst in Küchen und Aufenthaltsräumen, kocht Mittagsessen. »Danach plane ich ganz genau durch, was wir zum Abendbrot brauchen.« Wichtig ist ihr, dass sie mit dem Haushaltsgeld klarkommt. Das heißt gut und günstig einzukaufen, doch »das Essen muss frisch und natürlich sein«. Gegen 14 Uhr holt sie ihre Kleine in Rammersweier ab. Und da staunen alle Erzieher immer noch: »Carolin läuft jeden Tag bei Wind und Wetter mit Melody zu Fuß in die Nordweststadt zurück«. Tja, meint Carolin mit feinem Lächeln, »wir beide sind doch nicht aus Zucker«. 

Papa-Besuch

Manchmal kommt auch der Papa des Mädchens. Dann sind Spielplatzbesuche angesagt. »Eine Motivation des Trainingswohnens ist auch, das Netzwerk der Familie wieder zu knüpfen«, so Monika Winterer. Die kluge Carolin hat auch schon Pläne für danach. 
Sie würde gerne einen Beruf erlernen im Bereich Tier- oder Naturschutz. Dann hofft sie, eine kleine, bezahlbare Wohnung zu finden. Natur und Tiere, das hört sich fast immer nach kindlichen Vorstellungen an. Doch Carolin, die auf dem ersten Bild als junge Mutter noch wie ein Kind aussieht, hat sich zur erwachsenen Frau entwickelt. Und das mit der Natur und den Tieren? »Ich möchte da helfen, wo es gebraucht wird, ich möchte etwas bewirken«, meint die nachdenkliche junge Frau.

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