184.000 Euro gesammelt

Spendenaktion: Das war „Leser helfen“ 2021/22

Redaktion
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28. Januar 2022
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(Bild 1/3) ©Iris Rothe

Die 26. Spendenaktion der Mittelbadischen Presse ist am Ziel: 184.000 Euro kommen dem Epilepsiezentrum der Diakonie Kork zugute. Das Geld wird unter anderem dringend für ein neues Therapiepferd, einen mobilen Entspannungsraum und die Beratung der Betroffenen benötigt.

Die zweite „Leser helfen“-Benefizaktion unter Corona-Bedingungen ist zu Ende. Und zum zweiten Mal haben sich die Befürchtungen des Fördervereins nicht bewahrheitet. Zum Glück nicht! Trotz dieser Jahrhunderkrise, die seit zwei Jahren Ängste schürt und für Verunsicherung sorgt, die Solidarität wie Egoismus gleichermaßen befördert, trotz dieser Ausnahmesituation hat die mittlerweile 26. Spendenaktion der Mittelbadischen Presse ein hervorragendes Ergebnis zu verzeichnen: Am Ende der gut zweimonatigen traditionsreichen Benefizaktion standen 184.000 Euro auf dem Spendenzähler. In der 25-jährigen Geschichte von „Leser helfen“ ist diese stattliche Summe im oberen Drittel der Spendensummen seit 1997 anzusiedeln (siehe nebenstehende Box). Nur fünf Mal kam mehr Spendengeld zusammen als beim jüngsten Aufruf zugunsten der Kinder- und Jugendklinik des Epilepsiezentrums der Diakonie in Kehl-Kork.

„Diese Anteilnahme an unserer Arbeit und der offensichtliche Stellenwert unserer Einrichtung in der öffentlichen Wahrnehmung durch die Ortenauer bewegen mich sehr“, zeigte sich Thomas Bast, Chefarzt der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche, angetan von diesem Ergebnis. Und ergänzte: „Zusätzlich zur großen Freude über die finanzielle Unterstützung erfahren wir hierdurch einen wunderbaren Motivationsschub für unsere Arbeit in schwierigen Zeiten.“ 

2106 Einzelspenden sind Rekord

Gemeinsam mit Frank Stefan, dem Vorstandsvorsitzenden der Diakonie in Kork, nahm der Chefarzt den Scheck aus den Händen von Wolfgang Kollmer entgegen. Der Redaktionsleiter der Mittelbadischen Presse­ und Vorsitzender des Fördervereins „Leser helfen“ schloss sich dem Dank an die Leser an und lobte vor allem die Rekordzahl von exakt 2106 Einzelspenden. Neben einigen sehr großzügigen Spendensummen sei es auch die Vielzahl kleiner und kleinster Spenden gewesen, welche die Qualität von „Leser helfen“ ausmache. Diese breite Basis der Aktion sorge auch in Zeiten wie diesen für eine stabile Tragfähigkeit, so Kollmer.

Nutznießer dieser Hilfsbereitschaft sind nun die vielen kleinen und jungen Patienten in Kork. So werden jährlich etwa 900 Patienten stationär und 1400 ambulant in der Kinder- und Jugendklinik behandelt. Einerseits sind das Säuglinge, Kindergartenkinder und Schüler ohne andere Beeinträchtigungen als die Anfälle. Andererseits kommt Epilepsie aber auch häufig bei jungen Menschen mit zusätzlichen neurologischen und psychosozialen Problemen, wie geistiger Behinderung, vor. 

Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns. Die Übererregung der Nervenzellen kann zu Anfällen führen. „Unser zentrales Anliegen ist es, dass jedem Kind und Jugendlichen ein umfassendes Behandlungskonzept zugutekommt“, sagt Chefarzt Dr. Thomas Bast. Die Wahrscheinlichkeit, an Epilepsie zu erkranken, ist im Kindesalter am höchsten. „Gerade in die Kinderklinik kommen Eltern in einem emotionalen Ausnahmezustand. Ihr bisheriges Lebenskonzept ist zusammengestürzt“, beschreibt der Kinderneurologe. Aufgrund Corona würden Betroffene weitere Belastungen durch Isolation, zusätzliche Krankheitsrisiken oder Ängste erleiden. Das alles brauche verstärkt einen Ausgleich durch Therapieelemente, die positive Erfahrungen vermitteln.

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Mit den 184.000 Euro, die zusammengekommen sind, sollen vier Bereiche gestärkt werden, die allesamt nicht in die Regelfinanzierung fallen. So ist vorgesehen, ein neues Therapiepferd anzuschaffen, wenn die mit 21 Jahren betagte „Nina“ nicht mehr kann. In Kork wird die Hippotherapie durch eine zertifizierte Hippotherapeutin angeboten. Das Pferd wurde speziell für den Umgang mit epilepsiekranken Menschen ausgebildet. Die Kosten für den Kauf eines neuen Pferdes und dessen Ausbildung liegen allein schon bei 50.000 Euro.

„Snoezelen“ ist ein weiteres Therapie-Angebot, das mit dem Spendengeld unterstützt werden soll. „Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, mit geistiger Behinderung erleben ihre Umwelt oft als sehr chaotisch. Sie können den Umweltreizen, denen sie permanent ausgesetzt sind, nicht entfliehen, da sie diese nicht ordnen oder verstehen können. Sinnesreize wie Musik, Licht, Düfte werden selektiv durch die Entspannungsmethode Snoezelen angeboten und entfalten so eine beruhigende Wirkung“, erklärt Bast. Ein mobiler Snoezelen-Wagen würde diese vielfältigen Möglichkeiten eröffnen. 

Zum Dritten geht es um die Existenzsicherung der Epilepsieberatungsstelle der Diakonie Kork. Es ist die einzige Epilepsieberatungsstelle in Baden-Württemberg. Entsprechend groß ist auch der Andrang. Ausschließlich aus eigenen Mitteln und Spenden wird sie finanziert.

Dafür wird das Geld verwendet

Schließlich will die Epilepsieklinik ein digitales Informationssystem für Betroffene aufbauen, wozu auch ein Teil des Spendengeldes beitragen soll. Eltern würden den Aufenthalt dort als äußerst belastend erleben und befänden sich oft in einem Krisenzustand, so der Chefarzt. „Es sind immer wieder neue, unbekannte Situationen, in denen insbesondere von den Eltern vieles abverlangt wird. Sie müssen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen sowie mit Ärzten und Therapeuten kooperieren“, sagt Thomas Bast. Elementar wichtig sei es deshalb, dass sie die Krankheit Epilepsie, die besondere Form, an der ihr Kind leide, verstehen. Auch für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sei dieses Grundverständnis für die Bewältigung ihrer Erkrankung zentral. „Diese Informationen sollten ihnen anschaulich vermittelt werden“, so der Kinderneurologe. Dafür würden sich digitale Medien anbieten. Doch dieses Material gibt es noch nicht und soll mit einem Teil der Spenden produziert und angeschafft werden.

Interessant war bei der aktuellen Spendenaktion, dass viele „alte Bekannte“ – Gruppen, Vereine, Initiativen – coronabedingt nicht wie in den Jahren vor der Pandemie öffentliche Aktionen auf Weihnachtsmärkten oder Weihnachtsfeiern veranstalten konnten. Aber viele haben einen kreativen Weg gefunden, sich dennoch für „Leser helfen“ zu engagieren. Beispielhaft sei der SC Durbachtal mit seinem traditionellen Silvesterlauf genannt, der diesmal wieder nur individuell stattfinden konnte und dennoch 460 Teilnehmer zu verzeichnen hatte. Das Ergebnis: 2353 Euro!
 

Info

„Leser helfen“ 2022/23

Für die nächste Aktion jetzt bewerben

„Leser helfen“, die Benefizaktion der Mittelbadischen Presse, geht in die 27.  Runde. Ab sofort können Bewerbungen an untenstehende Mail-Adresse abgegeben werden. Unterstützt werden grundsätzlich nur Projekte, die Menschen zugutekommen, die sich nicht selbst helfen können. Für die Projekte müssen dabei alle öffentlichen Fördermöglichkeiten ausgeschöpft worden sein.

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins „Leser helfen“ sichtet anschließend die eingegangenen Bewerbungen und trifft eine Entscheidung.
Leser können uns aber auch ein Projekt vorschlagen, so dass wir mit dem Träger Kontakt aufnehmen können.

Hintergrund

Chefarzt PD Dr. Thomas Bast

„Diese Anteilnahme an unserer Arbeit bewegt mich sehr!“

Nach Abschluss der Aktion „Leser helfen“ wurde uns am 21. Januar durch Wolfgang Kollmer vom Verein „Leser helfen“ ein Scheck über die unfassbare Summe von 184 000 Euro übergeben. Ich bin überwältigt von der großen Spendenbereitschaft der Leserschaft der Mittelbadischen Presse. 

Diese Anteilnahme an unserer Arbeit und der offensichtliche Stellenwert unserer Einrichtung in der öffentlichen Wahrnehmung durch die Ortenauer bewegen mich sehr. Zusätzlich zur großen Freude über die finanzielle Unterstützung erfahren wir hierdurch einen wunderbaren Motivationsschub für unsere Arbeit in schwierigen Zeiten. Ich bin sehr dankbar, dass der ursprünglich erhoffte Betrag noch übertroffen wurde, da wir sehr viele Ideen für eine Verbesserung der Versorgung unserer kleinen und großen PatientInnen und deren Familien während der oft langen und nicht selten wiederholten stationären Aufenthalte haben. Leider reichen die verfügbaren Pflegesätze nur dafür aus, die allernotwendigste medizinische Versorgung zu gewährleisten. Aber wir alle wissen, dass es für eine gute Behandlung mehr braucht als Laborkontrollen, technische Untersuchungen und Medikamente. 

Es ist in Kork unser Anspruch, die PatientInnen und ihre Familien umfassend zu unterstützen. Und so sind wir sehr dankbar, dass wir mit Ihren Spenden, liebe Leserinnen und Leser, bestehende und auf Eigenleistung basierende besondere Angebote weiter aufrechterhalten und zusätzliche, mehr als sinnvolle Verbesserungen umsetzen können. 

Im Namen der Mitarbei­terInnen der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche am Epilepsiezentrum Kork und im Namen aller Kinder, Jugendlichen und Familien, die von Ihren großzügigen Spenden profitieren, bedanke ich mich von Herzen. 

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