Hochschule Offenburg

Störungen ergeben die neue Ästhetik

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. Oktober 2015

Im Schnittpunkt von Wissenschaft und Kunst: Professor Daniel Fetzner (links) mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Ephraim Wegner in einer viralen Kunstinstallation. ©Ulrich Marx

Aha-Erlebnisse gibt es längst nicht nur in der wissenschaftlichen Forschung. Auch die künstlerische Bearbeitung kann ungeahnte und wertvolle Erkenntnisse zutage fördern. An dieser Vorgehensweise, wie man sie beispielsweise von Leonardo da Vinci kennt, orientiert sich die künstlerische Forschung.

Die Bewegung reicht in die 1960er-Jahre zurück«, sagt Daniel Fetzner. Über die »Art and Technology«-Szene in den USA entdeckte ein Teil der Kunstszene die Wissenschaft neu. Zuzeiten von Leonardo da Vinci sei das Forschen von Künstlern noch eine Selbstverständlichkeit gewesen, mit der Gründung von Universitäten und Akademien wurden die Disziplinen getrennt, erklärt der Professor für Gestaltung. Wenn er jetzt seine Studierenden mit der Methode vertraut macht, sind viele überrascht. »Das ist nicht einfach zu vermitteln«, sagt er. »Auch innerhalb der Kunst wird über den Ansatz der künstlerischen Forschung kontrovers diskutiert.«

»Aber die Methode findet langsam auch an unserer Medienfakultät ihren Platz«, freut sich Fetzner. Nicht zuletzt, weil es schon erste Beispiele gibt. Die sogenannte »virale Kunst« hatte bereits bei den beiden Werkschauen in diesem Jahr ihren Auftritt. »Parasit« hieß die erste Reaktionskette, in der aus Licht Töne, aus Tönen Bewegung und aus Bewegung ein weiterer Reiz wurde. Parasit, betont Fetzner, ist dabei nicht nur negativ gemeint: »Es ist zunächst eine Störung der Funktionsabläufe, die dann aber neue Wahrnehmungsweisen hervorbringt.« Ähnlich, wie wenn man einen großen Stein in den Fluss legt und sich dann das Wasser eine neue Bahn sucht.

- Anzeige -

Das zweite Projekt trug, mit Bezug auf den Umbau der Mensa, den Titel »Baustelle«. Und auf den ersten Blick sah es auch wie eine aus. Wer dem Bauarbeiter die Hand drückte, setzte einen alten Nadeldrucker, eine E-Gitarre, einen Mini-Brunnen und weitere Reaktionen in Gang. An den fünf Stationen entstand »eine Maschine, die keiner mehr richtig unter Kontrolle hat«. »Wir haben das gefilmt und können es jetzt besprechen«, sagt Fetzner. Im Vordergrund steht bei solchen Experimenten zunächst die Freude am Gelingen. »Die Studierenden sind stolz, wenn sich die Besucher dem Aufbau neugierig nähern und Fragen stellen.«

Längst im Alltag: Vor zehn Jahren hat Fetzner noch überwiegend im Hightech-Labor geforscht. »Virale Installationen« sind allerdings längst zum Beispiel in Form von Smartphones in den Alltag eingedrungen. »Mit diesen Geräten managen wir mittlerweile ganz selbstverständlich unsere Beziehung zur Welt«, erklärt der Professor. Und das in den unmöglichsten Situationen, die alles andere als störungsfrei sind. »Die Medienökologie ist eine Disziplin, die sich mit dem Rauschen in dieser Beziehung beschäftigt«, so Fetzner.
Am Ende der Reaktionskette »ahnen die Studierenden, was ihnen diese Aufgabe gebracht hat«, so Fetzner. Obwohl es für einige nicht leicht war, sich auf die Sache einzulassen.

Eine wichtige Erkenntnis haben sie hoffentlich mitgenommen: »Wir leben in einer hoch komplexen Welt, in der keiner mehr durchblickt, aber: An irgendeiner Stelle anfangen und konzentriert ohne Angst vor Fehlern loslegen.« Dieses Grundgefühl will die Veranstaltung vermitteln. Sozusagen das didaktische Moment.

Kommentare

Damit Sie Kommentare zu diesem Artikel lesen können, loggen Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten ein.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Attacke in Lahr
vor 51 Minuten
Wegen versuchten Totschlags, Beleidigung und Bedrohung muss sich ein 59-Jähriger vor dem Offenburger Landgericht verantworten. Er soll vergangenes Halloween vor einem Lahrer Bistro betrunken für Unruhe gesorgt und später mit einer Armbrust auf Polizisten geschossen haben.
365 Aussteller
vor 16 Stunden
Regelrecht »geflutet« wurde die 11. Berufsinformationsmesse (BIM) am Wochenende von den Besuchern. Trotz des verlockenden Wetters waren Tausende Jugendliche in den Offenburger Messehallen unterwegs, um sich über Berufe und Arbeitsmöglichkeiten zu informieren.
Autobahn gespert
vor 21 Stunden
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der A5 zwischen Achern und Appenweier sind am Freitagabend vier Menschen verletzt worden, darunter eine Schwangere. Die Autobahn musste gesperrt werden. 
Nikon-Spiegelreflexkamera zu gewinnen!
vor 22 Stunden
Fotografieren Sie gerne? Sind Sie als Gast auf der Landesgartenschau? Haben Sie Interesse an einer Niko-Spiegelreflexkamera? Dann machen Sie mit beim Fotowettbewerb der Mittelbadischen Presse. Von Mai bis September suchen wir Ihre schönsten Bilder der LGS 2018.
Gute Nachrichten für den Kreis
20.04.2018
Zehn Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben  beim Ortenau-Forum der Mittelbadischen Presse über die Breitbandversorgung im Landkreis diskutiert. Erstmals signalisierten Vertreter der Telekom Bereitschaft, sich an der Ausschreibung der Breitband Ortenau GmbH zu beteiligen.
Tag eins nach dem Gutachten
20.04.2018
Das Gutachten von Lohfert & Lohfert zur künftigen Struktur des Ortenau-Klinikums sorgt für Diskussionen in der Ortenau Die Mittelbadische Presse hat die Reaktionen in betroffenen Kommunen zusammengefasst.
Gütetermin
20.04.2018
Der Fall von Sonja Tesic landet vor der Kammer des Arbeitsgerichts. Beim Gütetermin gestern konnte sich die Klägerin, die wieder eingestellt werden möchte, nicht mit ihrer Arbeitgeberin einigen. Mediclin fühlt sich durch ein Musikvideo verunglimpft, das Tesic als Künstlerin veröffentlicht hatte.
Zeugen gesucht
20.04.2018
Ein 37-jähriger Mann beschäftigte die Polizei in Offenburg am Mittwochnachmittag gleich mehrfach. Zunächst suchte er in der Gaswerkstraße nach ungeöffneten Fahrzeugen, anschließend entblößte er sich gegenüber zwei Frauen in einer Tiefgarage.
Landgericht Offenburg
20.04.2018
Er hat an Halloween in einem Lahrer Bistro für Ärger gesorgt und später mit einer Armbrust auf Polizisten geschossen. Heute, Freitag, muss es sich vor Gericht verantworten.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
20.04.2018
Seit zehn Jahren besteht im Ortenaukreis die Selbsthilfegruppe Nahrungsmittelunverträglichkeiten in der Ortenau für Patienten mit Multi-Intoleranzen sowie Allergien oder Mastozytose. Marianne und Ricarda Bönisch haben sie gegründet - aus eigener Betroffenheit.
Achern scheint gerettet
19.04.2018
Die Beratungsgesellschaft Lohfert & Lohfert hat ihr Gutachten zur künftigen Struktur des Ortenau-Klinikums am Donnerstag dem Krankenhausausschuss vorgestellt. Die Berater sehen keine Alternative zu einer Reduzierung der Zahl der Klinikstandorte auf drei oder vier.
Räuberische Erpressung 
19.04.2018
Muss ein 40-Jähriger in die Psychatrie? Über diese Frage wird vor dem Landgericht Offenburg entschieden. Der Angeklagte soll letztes Jahr zwei Mal versucht haben, Bankfilialen zu überfallen und habe sich später selbst gestellt – weil er dringend Hilfe brauche.