Serie „Wir sind systemrelevant“

Tablettenröhrchen sind bei Jaco in Kehl-Leutesheim der Renner

Autor: 
Michael Hass
Lesezeit 3 Minuten
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13. Mai 2020
In drei Schichten und auch samstags wird bei Jaco in Kehl-Leutesheim derzeit produziert, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Dazu gehören auch Messlöffel, Schachteln für Teststreifen oder Tablettendosen.	Fotos: Ulrich Marx

(Bild 1/2) In drei Schichten und auch samstags wird bei Jaco in Kehl-Leutesheim derzeit produziert, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Dazu gehören auch Messlöffel, Schachteln für Teststreifen oder Tablettendosen. Fotos: Ulrich Marx ©Ulrich Marx

Ortenauer Firmen, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. Teil 13: Jaco aus Kehl-Leutesheim produziert für die Pharma- und Lebensmittelindustrie.

Brausetablettenröhre, Messlöffel, Messbecher, Tablettendosen und Schachteln für Teststreifen sind derzeit gefragt. Bei Jaco in Leutesheim wird derzeit in drei Schichten und zusätzlich samstags produziert. Dass das Unternehmen mit 131 Mitarbeitern systemrelevant ist, war Geschäftsführerin Verena Multhaupt erst gar nicht bewusst. „Die örtliche Polizeibehörde hat uns als systemrelevant eingestuft.“ Somit können auch die elsässischen Mitarbeiter weiterhin in der Produktion arbeiten- „unter Sicherheitsauflagen“. Dazu gehören Handhygiene, Flächendesinfektionen, Abstandsregeln, Umgestaltung der Pausenräume, erhöhte Reinigungsintervalle und zudem arbeitet ein Teil der Belegschaft von zu Hause. 

Gefragte Produkte

Funktionen wurden auf verschiedene Büros aufgeteilt, damit im Falle einer Erkrankung, nicht die gesamte Abteilung handlungsunfähig wird und komplette Funktionen wegbrechen. „Besprechungen sind auf ein Minimum reduziert und finden, je nach Wetter, auch im Freien statt“, so die 38-Jährige, die nach ihrem BWL-Studium 2007 in die Geschäftsführung eingestiegen ist.

Neue Mitarbeiter oder Betriebsfremde, wie Monteure, müssen erst eine Selbstauskunft ausfüllen, bevor ihnen Zutritt zum Firmengebäude gewährt wird. „Zusätzlich haben wir an alle Mitarbeiter einen Mundschutz in Form von Halstüchern, die man über den Mund- und Nasenbereich ziehen kann, verteilt, damit das Risiko einer Ansteckung weiter reduziert wird. Das kam bei der Belegschaft gut an.“ Wer grippeähnliche Symptome hat, bleibt zu Hause.

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Die Produkte von Jaco sind gefragt. „In der Grippesaison ist die Nachfrage nach Vitaminpräparaten sowie Pharmazeutika ohnehin erhöht, die Corona-Krise bildet hier keine Ausnahme.“

Ein weiterer Effekt, der die Nachfrage nach oben treibt, ist die Unsicherheit in den Märkten. „Manche Kunden neigen, aufgrund der teils unsicheren Versorgungslage mit Rohstoffen, Verpackungsmaterialien, Logistikdienstleistungen, zu Hamsterkäufen.“ Im Moment erhält Jaco die Folien für das hochwertige „In Mould Labelling-Verfahren (IML)“ nicht mehr so zügig wie vor der Krise, „weil ein großer Folienhersteller in Norditalien sitzt und in den vergangenen Wochen nicht produzieren konnte“. Beim IML-Verfahren werden vorbedruckte Etiketten direkt in das Spritzgießwerkzeug eingelegt. Beim Einspritzen des Kunststoffs in das Werkzeug werden die Etiketten durch die Temperatur des Kunststoffs direkt mit diesem zu einer untrennbaren Einheit verbunden.

Ist die Medizin-Branche der Gewinner der Krise? „Es gibt ganz sicher Unternehmen, die momentan und auch langfristig finanziell davon profitieren werden.“ Für Verena Multhaupt stellt sich eher die Frage, ob das Gesundheitssystem künftig überdacht oder gar reformiert wird. „Das Gesundheitssystem in Deutschland darf nicht, wie ein Unternehmen, rein auf Gewinn ausgerichtet sein. Die Fehler, die hier gemacht wurden, werden nun teuer bezahlt.“

Der Zukunft von Jaco sieht Verena Multhaupt optimistisch entgegen. „Wenn wir so weiterarbeiten können, kommen wir als Unternehmen zunächst ganz gut durch die Krise.“ Aber sie hofft, dass die Logistikketten in Europa während der Krise reibungsfreier funktionieren. Mehr Sorgen bereitet ihr der Blick auf die Zeit nach der Krise. Im Moment würden Milliarden ausgeben, um diese Krise zu überwinden. „Mit Sicherheit wird danach wieder die Diskussion losgehen, wie die Finanzlöcher gestopft werden können. Ich fürchte, dass die Solidarität, die wir jetzt in der Krise verspüren, an dieser Frage wieder zerbrechen könnte.“
 

Info

Jaco - Dr. Jaeniche GmbH & Co. KG

◼ Geschäftsführer: 
Wilhelm H.F. Jaeniche, Verena Multhaupt, Sebastian Multhaupt
◼ Beschäftigte: 131
◼ Auszubildende: 14
◼ Gründungsjahr: 1956
◼ Standort: Kehl-Leutesheim
www.jaco.de

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