Seit fast 20 Jahren der "Dorfbott"
Dossier: 

Thorsten Ell trägt das „Wooschter“ Gen in sich

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 4 Minuten
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01. Juli 2021
Seit fast 20 Jahren verkörpert Thorsten Ell den Dorfbott in Wagshurst. Aus der heimischen Fastnacht ist der zweifache Familienvater und Manager beim Automobilzulieferer Schaeffler nicht wegzudenken.

(Bild 1/2) Seit fast 20 Jahren verkörpert Thorsten Ell den Dorfbott in Wagshurst. Aus der heimischen Fastnacht ist der zweifache Familienvater und Manager beim Automobilzulieferer Schaeffler nicht wegzudenken. ©Roland Spether

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (52): Thorsten Ell aus Achern- Wagshurst ist Fastnachter, Büttenakrobat und nicht zuletzt Dorfbott. Von Kindesbeinen an ist er mit den Vereinen im Ort verwurzelt.

Dass der „Wooschter Dorfbott“ in Person von Thorsten Ell bei Festen mit der großen Schelle bimmelt, auf einem historischen „Drahtesel“ durch das Dorf radelt und an markanten Punkten amtliche, aber zumeist lustige Nachrichten verkündet, ist in dem idyllischen Ort mit der Kirche samt den bunten Ziegeln eigentlich völlig normal.

Blick richtet sich schon auf 2036

Deshalb richtete sich der Blick von Ell schon auf das Jahr 2036, in dem Wagshurst sein 900. Jubiläum feiert und ein wichtiges Datum, das erstmals in einer Bulle vom 28. Oktober 1136 erwähnt wurde. Darin bestätigt Papst Innozenz II. der Abtei Schuttern, dass sie in Wagshurst einige Besitzungen und Einkünfte hat. Doch das interessiert heute eher am Rande, denn viel wichtiger ist es für den sehr aktiven Vereinsmenschen, Fastnachter, Dorfbott und waschechten „Wooschter“ Thorsten Ell, wie viele Flugkilometer er 2036 beruflich wohl leisten muss.

70 000 Flugkilometer im Jahr

Denn mit leichten „Flugängsten“ erinnert er sich an jenes Top-Jahr, als er 70 000 Flugkilometer zurücklegte und in der Summe ein halbes Jahr auf Achse war. Thorsten Ell ist „Supply Chain Manager“ beim Unternehmen Schaeffler, ist im Bereich der E-Mobilität tätig und hat so viel Verantwortung, dass regelmäßige Geschäftsreisen in die USA, nach Mexiko, Russland und Ungarn auf der Tagesordnung stehen und mancher Termin etwa beim Narrenverein Houmock, als Jugendtrainer beim Fußballverein oder bei irgendeinem Fest im Dorf hinten anstehen muss. Doch vorne oder hinten ist Ell egal, sein Motto als begeisterter Wagshurster lautet: „Wo wir sind ist vorne und wenn wir einmal hinten sind, ist halt hinten vorne“.

Schlichtweg ein Unikat

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Heimatverbunden, weltoffen, zielstrebig und extrem strukturiert ist Ell, aber wer ihn erlebt, kommt spätestens nach dem zweiten Satz ins herzhafte Lachen. Denn er ist schlichtweg ein Unikat, ein Spaßvogel und ein Experte, Wörter in Windeseile so umzudrehen, dass aus herzzerreißendem Weinen halt köstliche Weine wird, vorne und hinten nicht wirklich klar definiert sind und uriger Mutterwitz so mitten aus dem prallen Leben wahre Purzelbäume schlägt. Die Frage mit einem „soo langen weißen Bart“, weshalb die Ziegel auf dem Wagshurster Kirchturm denn um Himmelswillen bunt sind, könnte glatt von ihm stammen. Natürlich auch die Antwort mit Lachfaktor: „Damit es nicht hinein regnet.“

Einzigartige Festmeile

„Der echte Wooschter an sich ist geraderaus, nicht verbiegbar und von Grund auf ehrlich, aber er kann gewisse Dinge nicht vergessen.“ Doch die Wagshurster zu unterschätzen wäre grob fahrlässig. Denn die Frauen können Kuchen backen wie die Weltmeister, die Männer beackern mit ihren Schleppern die Felder und wenn die Pfarrei St. Johannes ihr Sommerfest rund um den Kirchturm veranstaltet, sind alle da und machen daraus ein Dorffest. Mitten drin ist Thorsten Ell, der Spezialist für leckeren „Original Sauerbrote à la Wooserscht“ ist. „Unser Dorf zeichnet sich durch eine sehr geschlossene Einheit aus“, sagt er. Was er damit meint, wurde 2011 sichtbar, als sich ganz Wagshurst zum 875-jährigen Ortsjubiläum in eine einzigartig schöne und faszinierende Festmeile mit historischen Themenhöfen verwandelte und Dorfbott Ell den Festzug mit seiner blauen Dienstjacke anführte und zur Freude aller „Amtliche Bekanntmachungen“ verlas.

Wagshurster sind "sehr offen"

Wichtig ist ihm, dass die Wagshurster auf jeden Fall „sehr offen“ besonders „Uswärtigen“ gegenüber sind, die sich am besten dann perfekt integrieren lassen, wenn sie in einen der vielen Vereine gehen. „Dann wird man automatisch ein Wagshurster“. Ell bekam bei seiner Geburt 1977 das „Wooschter Gen“ vererbt und war von Kindesbeinen an gleich in mehreren Vereinen aktiv – und das ist er bis heute. Mit sechs Jahren sang er im Kinderchor und begann Fußball zu spielen, er wurde Jugendleiter im großen Gesangverein „Frohsinn“, dessen zweiter Vorsitzender er vier Jahre war.

Solistisch geglänzt

Dann kletterte er die ehrenamtliche Karriereleiter hoch und war von 2002 bis 2014 Vorsitzender, in diesen Jahren wurden mit Dirigent Nikolaus Friedemann tolle Musicals wie „Mama Mia“ und „König der Löwen“ aufgeführt, Thorsten Ell glänzte solistisch als rotbraunes Warzenschwein „Pumbaa“. Wenn es heißt „Vorhang auf“ stand und steht er im Rampenlicht der Bühne, 20 Jahre als Theaterspieler und am besten in Paraderollen als Dubel, Opa oder Schlitzohr. Unschlagbar gut ist er als Fastnachter, Büttenakrobat, Houmock, Witzbold, Running Gag und nicht zuletzt als Dorfbott, wobei ihm diese Rolle seit 20 Jahren geradezu perfekt auf den Leib geschnitten ist.

Zur Person

Thorsten Ell

Thorsten Ell erblickte 1977 das Licht der Welt, er wuchs in Wagshurst auf und ging dort zur Grundschule. Ell besuchte das Gymnasium Achern, absolvierte hier seine Mittlere Reife und ging dann auf das Kaufmännische Berufskolleg I in Achern. Nach einer Lehre bei der Firma Rauch in Achern als Groß- und Außenhandelskaufmann wechselte er 2006 zum Unternehmen Schaeffler in Bühl, wo er als Supply Chain Manager im Bereich der E-Mobilität tätig ist. Thorsten Ell ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Eine seiner großen Liebe ist die Fastnacht, 1997 trat er in den Narrenverein „Houmock“ ein, seit 2002 verkörpert er den „Dorfbott“, seit über 20 Jahren spielte er Theater im Ensemble des Gesangvereins „Frohsinn“ und auch kommunalpolitisch engagiert er sich. Denn er war 15 Jahre Mitglied des Ortschaftsrates. Noch immer schnürt er gerne die Kickschuhe und trainiert die D-Junioren des FV Wagshurst.

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