Leergefegter Markt

Trotz langer Lieferzeiten: So kommt man schnell zu seinem Fahrrad

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21. April 2021
Die Corona-Pandemie hat der Radbranche einen Schub verliehen. Doch Lieferschwierigkeiten führen bei den Händlern im Ortenaukreis zu teils monatelangen Wartezeiten.

Die Corona-Pandemie hat der Radbranche einen Schub verliehen. Doch Lieferschwierigkeiten führen bei den Händlern im Ortenaukreis zu teils monatelangen Wartezeiten. ©Tobias Hase

Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr die Nachfrage nach E-Bikes weiter befeuert. Viele Menschen, die bislang Bus und Bahn nutzten, seien aus Angst, sich zu infizieren, aufs Rad umgestiegen, erklärt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Gegenüber dem Vorjahr stieg der Absatz von E-Bikes dem Verband zufolge um 43 Prozent. Doch angeordnete Ladenschließungen und durch die Pandemie gestörte Lieferketten wirkten als Bremsklotz für die Branche. Derzeit sei es fast unmöglich, sein Wunschrad innerhalb einer vertretbaren Lieferzeit zu bekommen, betont Eisenberger. „Wir empfehlen flexibel zu sein, denn die Lager bei den Händlern sind meist voll.“

Der Zweiradhändler Thomas Rest aus Achern bestätigt die Einschätzung des Verbandssprechers: „Wenn ein Kunde bereit ist, nicht seine Lieblingsfarbe zu nehmen oder auch ein Modell darunter oder darüber, dann können wir helfen, aber das Wunschrad zu bekommen, ist fast unmöglich.“ 2020 hätten er und die meisten anderen Händler mehr Räder bestellt, als von den Herstellern letztlich geliefert worden seien. Das Spiel wiederhole sich in diesem Jahr. Zusagen, wann ein bestelltes Rad geliefert wird, würden die Händler aktuell nicht machen.

Markus Kollmer von Kollmer Bikes in Lahr hat den auch für dieses Jahr anhaltenden Engpass bei Fahrrädern im vergangenen Jahr bereits geahnt und mehr Räder geordert, entsprechend groß sei derzeit sein Bestand. „Jetzt noch ein Fahrrad beim Hersteller zu bestellen, ist unmöglich“, sagt auch er. Die im Sommer 2020 bestellten Räder würden voraussichtlich erst in diesem Spätsommer geliefert. „Das wird sich wohl leider so weiterentwickeln“, fürchtet er. Für das Modelljahr 2022 seien viele Sparten bereits ausverkauft.

Einfluss der Pandemie

„So wie die Ware reinkommt, wird sie auch wieder verkauft“, schildert Rest die Abläufe. In der Radbranche habe es schon immer mal Lieferprobleme gegeben. Dass ein Händler 100 Räder beim Hersteller bestellt hat, weil er wusste, dass er nur 80 bekommen wird, „das gab es vor 25 Jahren auch schon“. Neu ist laut Rest, dass jetzt schon Räder für das Jahr 2022 bestellt werden müssten, mit der Unsicherheit, wie viele davon auch ankommen werden.

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Das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage führt Kollmer neben dem Fintness-Trend und einem gesteigerten Umweltbewusstsein noch auf weitere Einflüsse der Pandemie zurück. „Weil viele Veranstaltungen und Vereinsaktivitäten nicht mehr möglich sind, sind noch mehr Leute aufs Rad umgestiegen.“ Inzwischen verkaufe er mehr E-Bikes als herkömmliche Fahrräder, „und das, obwohl wir auch Kinderräder verkaufen“. Inzwischen würden Eltern bereits für Acht- und Neunjährige E-Bikes kaufen, „damit sie am Wochenende beim Familienausflug dabei sein können“.

Seit Monaten angespannt

Nicht nur bei neuen Rädern, auch bei Zubehör- und Ersatzteilen sei die Situation seit einigen Monaten angespannt, erklärt Kollmer. „Wenn man beispielsweise eine bestimmte Originalbremse will, muss man bis zu einem Jahr darauf warten.“ Thomas Rest weiß von einem Lieferanten, der Shimano-Teile aus Japan inzwischen per Luftfracht einfliegen lässt, um überhaupt Ware zu bekommen. Es würden teilweise auch Ersatzteile für Reparaturen fehlen. Das Problem, dass das Angebot mit der Nachfrage nicht mithalten kann, ziehe sich durch sämtliche Sparten, unabhängig von E-Bike, Mountainbike, Rennrad oder Kinderrad. Auch Rest stellt eine Verschiebung hin zum E-Bike fest.

Die Situation der Radbranche sei derzeit letztlich nicht optimal, stellt Rest fest, von einem Boom will er nicht sprechen. Klar sei der Andrang momentan groß, der Radbranche gehe es jedoch nicht anders als den Eisdielen. „In dieser Jahreszeit ist eben Saison für uns.“ Zu dem massiven Zeitaufwand für die Organisation von Ware komme die durch Corona notwendig gewordene Terminvereinbarung für Kunden hinzu.
„Wenn für uns wichtige Monate gesperrt sind, werden wir nicht auf neue Umsatzrekorde zusteuern“, meint Kollmer. Räder online zu verkaufen, sei nicht seine Philosophie. „Ich will, dass die Leute das Rad im Geschäft ausprobieren können und nicht die Katze im Sack kaufen.“ Unabhängig von einer gefälligen Optik oder einer guten Austattung sei es wichtig, ein Gefühl für das neue Fahrrad zu bekommen.

Info

Umsatzrekord

Im vergangenen Jahr wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) 5,04 Millionen Fahrräder und E-Bikes in Deutschland abgesetzt, das entspricht einem Plus von fast 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. E-Bikes hatten einen Anteil von rund 39 Prozent (1,95 Millionen). Mit Fahrrädern und E-Bikes wurden laut ZIV 2020 6,44 Milliarden Euro umgesetzt, 61 Prozent mehr als im Jahr 2019.

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