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Gewitter und Regen

Unwetter sorgt für mehrere Einsätze am Fronleichnamsabend

16. Juni 2017
&copy Claudia Ramsteiner

Nach der Sonne kam der Sturm: Eine Gewitterfront hat am Donnerstagabend in der ganzen Ortenau zu mehreren Einsätze für Polizei und Feuerwehr geführt. Zwei Dachstühle brannten nach einem Blitzeinschlag, im Kinzigtal regnete es literweise – und in Achern schloss eine Bahnschranke ohne Zug.

Unwetter mit Hagel, Sturm und Starkregen haben in der Ortenau am Donnerstagabend ab 18 Uhr zu mehreren Einsätzen von Polizei und Feuerwehr geführt. Gemeldet wurden unter anderem knapp 30 vollgelaufene Keller und mehrere umgefallene Bäume, wie die Polizei mitteilt. Um alle eingehenden Notrufe zeitnah abarbeiten zu können, wurde die Besetzung der Leitstelle am Kestendamm in Offenburg verstärkt, teilt das Landratsamt mit. Insgesamt sei das Unwetter in der Ortenau aber glimpflich verlaufen.

Dachstuhlbrände nach Blitzeinschlag

In mehreren Ortschaften lösten Gewitter Alarmsysteme an Gebäuden und Gewerbeanlagen aus, passiert war jedoch nichts. In Achern hatte sich eine Bahnschranke von alleine geschlossen, obwohl kein Zug durchgefahren war – die Polizei vermutet, dass auch dies von einem Gewitter ausgelöst wurde. Derweil krachte in Zell am Harmersbach ein Baum aufs Bahngleis.

In Lahr löste ein Gewitter falschen Brandalarm in einer Schule aus, dagegen brannte ein Dachstuhl in Lahr-Hugsweier nach einem Blitzeinschlag tatsächlich. Die Feuerwehr war dort mit Löscharbeiten knapp zwei Stunden beschäftigt, heißt es. Verletzt wurde niemand. Der Schaden liegt bei 15.000 Euro.

Auch in Ottenhöfen bei Seebach schlug der Blitz in einen Dachstuhl ein, der Schaden liegt dort laut Polizei bei 15.000 bis 20.000 Euro. Es gab keine Verletzten.

Mehrere Einsätze im Kinzigtal

Das Kinzigtal war vom Unwetter besonders betroffen, dort gab es heftigen Regenfall, teilweise Hagel und ortsweise Stromausfall. Der Schwerpunkt der Einsätze lag im Oberen Kinzigtal ab Steinach, wo nahezu alle Gemeinde-Feuerwehren im Einsatz waren, teilt das Landratsamt mit. In Steinfach stürzte laut Polizei ein Baum auf eine Straße, kurzzeitig drohte auch ein dortiger Campingplatz überzulaufen. In Haslach sorgte der Regen für die Überflutung der Unterführung an der B33/Schwarzwaldbahn, derweil ereignete sich an einer Nebenstraße in Oberwolfach ein Erdrutsch. 

Neben den Feuerwehreinsätzen hatte der Rettungsdienst in der Zeit etwa 20 Notfalleinsätze zu bewältigen. In Wolfach kam es am Donnerstagabend zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei Verletzten. Ein 19 Jahre alter VW-Fahrer hatte laut Polizei wegen nicht angepasster Geschwindigkeit die Kontrolle über seinen Wagen verloren und war frontal gegen einen Baum geprallt. Bei der Kollision erlitten der Unfallverursacher sowie zwei weitere 17- und 18-jährige Insassen schwere Verletzungen, die in örtlichen Kliniken versorgt werden mussten. Am Fahrzeug entstand Totalschaden.

Die letzten beiden Einsätze verzeichnet die Polizei laut Mitteilung am Donnerstag gegen 20.30 Uhr: In Oberwolfach stürzte ein Baum auf eine Stromleitung und in Biberach geriet ein Ast auf die B33.

Autor:
red/ba

Hintergrund

Komplette Einsatzliste der Polizei

- 18:10 Uhr, Kuppenheim, Alarmauslösung bei einem Amtsgebäude, vermutlich durch Gewitter *

- 18:11 Uhr, Offenburg, Alarmauslösung bei einem Gewerbeobjekt, vermutlich durch Gewitter *

- 18:14 Uhr, Offenburg, Alarmauslösung bei einem Gewerbeobjekt, vermutlich durch Gewitter *

- 18:21 Uhr, Offenburg, durch Wassermassen angehobene Gullydeckel

- 18:26 Uhr, Kuppenheim, Ampelausfall vermutlich durch Gewitter

- 18:28 Uhr, Offenburg-Windschläg, umgefallener/entwurzelter Baum *

- 18:54 Uhr, Rastatt, umgestürzter kleiner Baum, durch Polizei beseitigt *

- 18:56 Uhr, Achern, geschlossene Bahnschranken ohne durchfahrenden Zug, vermutlich ausgelöst durch Gewitter

- 18:57 Uhr, Zell am Harmersbach, Baum auf Gleis

- 19:14 Uhr, Lahr, Brandalarm an Schule vermutlich durch Gewitter

- 19:17 Uhr, Lahr-Hugsweier, Dachstuhlbrand nach Blitzeinschlag, Löscharbeiten bis ca. 21:20 Uhr, niemand verletzt, Haus bewohnbar, ca. 15.000 Euro Sachschaden *

- 19:18 Uhr, Lahr, Alarmauslösung an einem Clubheim vermutlich durch Gewitter

- 19:19 Uhr, Ettenheim, mehrere Dachziegel auf Straße gefallen

- 19:21 Uhr, Willstätt, Alarmauslösung bei einem Gewerbeobjekt, vermutlich durch Gewitter *

- 19:23 Uhr, Kehl, Alarmauslösung bei einer Bank, vermutlich durch Gewitter *

- 19:27 Uhr, Schuttertal, Alarmauslösung bei einer Bank, vermutlich durch Gewitter *

- 19:28 Uhr, Ettenheim-Münchweier, Baum auf Fahrbahn *

- 19:43 Uhr, Steinach, Baum auf Fahrbahn und drohende Überflutung Campingplatz (ohne tatsächlichen Schadenseintritt) *

- 19:50 Uhr, Steinach, Wasser im Keller

- 19:54 Uhr, Haslach, Überflutung Unterführung B33/Schwarzwaldbahn *

- 19:59 Uhr, Oberwolfach, Erdrutsch auf Nebenstraße

- 19:59 Uhr, Ottenhöfen, Dachstuhlbrand nach Blitzeinschlag, Löscharbeiten bis ca. 20:45 Uhr, niemand verletzt, Haus bewohnbar, ca. 15.000 - 20.000 Euro Sachschaden *

- 20:18 Uhr, Oberwolfach, Baum auf Stromleitung - 20:36 Uhr, Biberach, Ast auf Fahrbahn (B33) *

In den mit einem Stern (*) versehenen Einsätzen war die Polizei über die Notrufbearbeitung hinaus mit weiteren Einsatzkräften tätig.

Hintergrund

Das sagt der Wetterexperte

Franz Schmalz, Wetterexperte der Mittelbadischen Presse aus Wolfach, hat das Unwetter kommen sehen. Es habe sich über dem Elsaß gebildet und sei dann Richtung Ortenau gezogen. Bei dem Unwetter habe es sich um Cluster, also mehrere miteinander verknüpfte Gewitterzellen gehandelt. »Der hauptteil lag über dem Mittleren Schwarzwald«, berichtete Schmalz. 
Ein Gewitter, wie das vom Donnerstagabend ereigne sich mindestens einmal im Jahr, ordnet Schmalz die Schwere des Unwetters ein. »Da, wo es runterkommt, kann es aber heftig werden.« Ein Wetterdienst hatte für das Kinzigtal vor Tornados gewarnt. Laut Schmalz war das durchaus möglich. Das gelte aber für fast jedes starke Gewitter. 
Für das Wochenende hat der Experte aber gute Nachrichten: »Da sind keine Gewitter mehr zu erwarten.« Stattdessen sagt er ruhiges und freundliches Sommerwetter voraus. Bis zu 31 Grad soll es laut dem Experten warm werden.