Landgericht Offenburg

Urteil: Fünfeinhalb Jahre für Altenpflegerin aus Kehl

Autor: 
Ines Schwendemann
Lesezeit 3 Minuten
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12. November 2018
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©Ulrich Marx

Im Prozess um die Altenpflegerin aus Kehl wurde gestern das Urteil gesprochen. Die Angeklagte wurde wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. 
 

»Die Tötungsabsicht lässt sich sicher nachweisen«, sagte Richter Heinz Walter vor dem Landgericht Offenburg. Angeklagt ist eine 49-jährige Altenpflegerin. Ihr wird der versuchte Mord an einer 87-Jährigen in einem Altenheim in Kehl vorgeworfen. Die Heimbewohnerin hatte die Altenpflegerin beim Diebstahl von 40 Euro erwischt. Um die Tat zu vertuschen, hat die Altenpflegerin versucht, die Seniorin im Schlaf zu ersticken. Sie wurde gestern zu fünf Jahre und sechs Monate verurteilt.

»Die Tat hat die Öffentlichkeit bewegt«, betonte Richter Walter bei seiner Begründung. Gerade in Pflegeheimen sind die Bewohner auf Hilfe und Schutz angewiesen. Während ihrer Schicht habe die Angeklagte die Einrichtung repräsentiert. Wegen ihrer Tat sei das Vertrauen der Öffentlichkeit in solche Einrichtungen erschüttert worden.

Diebstahl vertuschen

Zwei Merkmale eines Mordversuchs sind gegeben: Zum einen die Heimtücke, die Angeklagte hatte eine schlafende Person angegriffen. Zum anderen die Verdeckungsabsicht, sie wollte mit der Tat den Diebstahl der 40 Euro vertuschen. Der gefährlichen Körperverletzung machte sich die Angeklagte schuldig, da sie das Leben der 87-Jährigen durch ihre Handlung gefährdete.

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Auch wenn das Vorhaben der Angeklagten gescheitert ist und für ihr Opfer »glimpflich« ausgegangen sei, hatte die Tat Auswirkungen. Die Heimbewohnerin leidet seither unter Schlafproblemen und befindet sich in psychologischer Behandlung. 
Die Angeklagte wollte den aufgeflogenen Diebstahl vertuschen. Dieses Motiv sei ein Indiz dafür, dass die Altenpflegerin ihr Opfer töten wollte. Auch die Länge der Tat spreche für den versuchten Mord: Der Richter geht von etwa sechs Minuten aus. Die Angeklagte hatte angegeben, dass sie die 87-Jährige nur erschrecken wollte, um sie davon abzuhalten, den Diebstahl zu melden. Walter schenkte der Aussage keinen Glauben. 

Dass die Angeklagte von ihrem Entschluss, die 87-Jährige zu töten, von sich aus abrückte, hält der Richter für unwahrscheinlich. Erst als eine weitere Pflegerin auf das Geschehen aufmerksam gemacht worden war und zu deren Zimmer eilte, habe die Angeklagte bemerkt, dass sie ihren Plan nicht mehr umsetzen können würde. 

Die Tat sei nicht vorsätzlich geplant gewesen, die Angeklagte fasste den Entschluss erst kurz bevor sie das Zimmer ihres Opfers betrat. »Die Angeklagte konnte sich aber nicht vorstellen, wie viel Kraft man braucht, um eine Person mit den eigenen Händen zu töten«, resümierte Walter. Deshalb sei es der 87-Jährigen auch möglich gewesen, sich zu wehren.

Der Auslöser der Tat sei ein innerer Konflikt der Altenpflegerin gewesen. »Es war kein kalkulierter Plan, sondern ein innerer Druck, der sie zu der Tat antrieb«, erklärte Walter. Dass die angeklagte Türkin wegen der Angst handelte, ihre Familie könnte von dem Diebstahl erfahren, und der Verweis der Verteidigung auf den Ehrbegriff in der türkischen Kultur war für den Richter kein mildernder Grund. 

In einem Austausch zwischen der Angeklagten und der Geschädigten wurde ein Schmerzensgeld von 15 000 Euro vereinbart, das teilweise schon gezahlt wurde. Die Angeklagte hat ein Teilgeständnis abgelegt und keine Vorstrafen. Dennoch sei es erschreckend, dass ein Mordversuch schon aus einem so geringen Anlass begangen werde. Die Hemmschwelle zum Töten sei in diesem Fall sehr niedrig gewesen. 

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