Benefizaktion der Mittelbadischen Presse

Verein Aufschrei: Viele Fälle kommen heute zur Anzeige

Von Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
02. Dezember 2023
Opferanwältin Ulrike Schwarz (links) und Dagmar Stumpe-Blasel vom Verein "Aufschrei" vor dem Gericht. ⇒Foto: Christoph Breithaupt

Opferanwältin Ulrike Schwarz (links) und Dagmar Stumpe-Blasel vom Verein "Aufschrei" vor dem Gericht. ⇒Foto: Christoph Breithaupt ©Christoph Breithaupt

Die psychosoziale Prozessbegleitung ersetzt zwar nicht die Anwältin oder den Anwalt, sorgt aber vor allem dafür, dass die individuelle Belastung reduziert wird.

Die Benefizaktion "Leser helfen" unterstützt den Ortenauer Verein "Aufschrei" gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen, der sich intensiv Betroffenen annimmt und diese berät. So auch Sozialpädagogin Dagmar Stumpe-Blasel, die psychosoziale Prozessbegleiterin für Sexualdelikte ist und als qualifizierte sowie erfahrene sozialpädagogische und psychologische Fachkraft vor, während und nach der Hauptverhandlung begleitet.

"Die psychosoziale Prozessbegleitung ist eine intensive, nicht rechtliche Unterstützung und Begleitung für besonders schutzbedürftige verletzte Zeuginnen und Zeugen im Strafverfahren", erklärt Dagmar Stumpe-Blasel. Damit soll vor allem die individuelle Belastung reduziert werden. "Die Prozessbegleitung ersetzt also nicht die Anwältin oder den Anwalt", macht sie deutlich.

Seit 2017 ist sie zertifizierte psychosoziale Prozessbegleiterin und begleitet verletzte Zeuginnen und Zeugen nach sexualisierter Gewalt in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter, wenn sie sich für eine Strafanzeige entschieden haben.

Während der Hauptverhandlung steht Dagmar Stumpe-Blasel zur Seite, indem sie begleitet, bei der Aussage daneben sitzt und Wartezeiten überbrückt. "Nach Möglichkeit sorge ich dafür, dass die Begegnung mit dem Angeklagten und der Presse vermieden wird", beschreibt sie. Nach der Hauptverhandlung unterstütze sie weiter, indem über das Verfahren selbst und den Ausgang des Verfahrens reflektiert und gesprochen wird. "Bei Bedarf vermittle ich auch weitere Hilfsangebote."

Zu jedem Zeitpunkt des Strafverfahrens könne sich die verletzte Person bei "Aufschrei" melden. "Erfahrungsgemäß ist es hilfreich, das so früh wie möglich zu tun, auch, wenn man noch ganz am Anfang steht und sich mit einer Strafanzeige auseinandersetzt. Hier findet keine Tataufarbeitung, keine Rechtsberatung und kein Gespräch über den Inhalt der Aussage statt", erklärt Stumpe-Blasel.

Ängste abbauen

Stattdessen unterstütze sie vor der Aussage, indem sie viele Informationen über die Abläufe eines Strafverfahrens gebe und würde über juristische Begriffe aufklären. Außerdem gehe es darum, das Sicherheitsgefühl in der „fremden Situation“ zu stärken, indem sie beispielsweise gemeinsam den Gerichtsaal im Vorfeld besuchen. "Ich versuche Ängste, die im Zusammenhang mit dem Strafverfahren stehen, abzubauen." Es gebe Zeit für Gespräche und Fragen, sie gibt Hinweise auf Opferschutzmaßnahmen und hilft bei Bedarf bei der Vermittlung zu einer Anwältin oder einem Anwalt.

Eine solche Opferanwältin ist Ulrike Schwarz von der Kanzlei "Schwarz & Weidt" in Offenburg. Sie ist seit 1999 Rechtsanwältin sowie Fachanwältin für Familienrecht und spezialisiert im Opferrecht. Seit 2002 liegt ihre schwerpunktmäßige Tätigkeit im Opferrecht.

- Anzeige -

"Das Opfer entscheidet, welches Unterstützungsangebot es in Anspruch nehmen will. Eine Begleitung nur durch eine psychosoziale Prozessbegleitung ist denkbar, genauso wie nur die Beauftragung einer Opferanwältin", erklärt die Juristin. Die Beiordnung beider im Strafverfahren erfolge allerdings nur auf Antrag des Opfers.

Sie würde jederzeit den Opfern dazu raten, sich an eine psychosoziale Prozessbegleiterin zu wenden, da sich beide Aufgaben ergänzen. "Dies ist ein wichtiger Unterstützungsdienst für das Opfer und ergänzt meine rechtliche Arbeit als Opferanwältin", betont Ulrike Schwarz.

Die Arbeit von Dagmar Stumpe-Blasel sei für sie eine Entlastung, da die Opfer emotional auf das Strafverfahren und eine eventuelle Aussage vor der Polizei oder im Rahmen der Hauptverhandlung vorbereitet würden.

Die Anzahl der Fälle von sexueller Gewalt haben in den letzten Jahren zugenommen. "Jeden Tag werden 48 Kinder in Deutschland Opfer sexueller Gewalt", wie sie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2022 entnimmt. "Viele Fälle kommen heute im Gegensatz zu früher zur Anzeige, sicherlich aufgrund erhöhter Sensibilität auf allen Seiten und vermehrter Aufklärungsarbeit, die unter anderem auch "Aufschrei" leistet, findet sie. "Für viele Opfer ist "Aufschrei" die erste Anlaufstelle, oft noch bevor die Tat angezeigt wird", erinnert sie.

Leider sei diese Art von Unterstützung jedoch nicht wirklich bei allen bekannt. "Wir bekommen immer noch wenig von außen vermittelt, obwohl diese Opferschutzmaßnahme offiziell anerkannt ist." Im Jahr 2022 begleitete Dagmar Stumpe-Blasel elf Personen, die einen Antrag auf psychosoziale Prozessbegleitung gestellt hatten. "Die Hauptverhandlungen haben aber noch nicht bei allen Anträgen aus dem Jahr 2022 stattgefunden."

Die Kosten für die psychosoziale Prozessbegleitung trägt die Staatskasse, "allerdings nur auf Antrag und im Falle einer Beiordnung." Das Angebot könne zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens in Anspruch genommen werden. Die Sozialpädagogin unterstützt auch bei der Antragsstellung.

Aktuell ist Dagmar Stumpe-Blasel die einzige Prozessbegleiterin, die verletzte Personen begleitet, deren Wohnort sich in der Ortenau befindet und an den Gerichten in Offenburg verhandelt wird. Befindet sich der Wohnort in der Ortenau und die Hauptverhandlung findet in den Landgerichten der Nachbarschaft statt, kann sie in der Regel ebenso begleiten.

Info

Die Spender

Agnes Walter, Franz und Gudrun Fritz, Veronika Schutt, Ida Dorflinger, Hans Peter König, Else Wahl, Marianne Gresbach, Anna Wiedemer, Franz und Rita Bischler, Karl und Claudia Spinner, Waltraud und Erich Rösch.

Reiner Schell, Angelika Schlicht, Renate Ruch, Gerda Menzel, Dieter Preiss, Ingrid Weik, Kahtarina Adler, Renate Hetzel, Doris und Clemens Schmid, Angelika Kiefer, Gerhard Sulzberger, Elfriede Grimmig, Angelika Schrempp, Raimund und Ulrike Heizmann.

Gisela Steurer, Robert und Ruth Lindenlaub, Egon und Ursula Hildenbrand, Ulla Moschberger, Josef Roth, Heinz-Peter Dischler, Landfrauenverband Südbaden Bezirksverein Oberkirch, Dr. Peter Kaiser, Ursula May, Bernd Mansshardt, Irmgard Beathalter, Gerda Link, Petra Foll, Wolf-Dieter und Ursula Utz, Otto Zentner, Nicolaus und Anna Müller. Siglinde Haas, Sieglinde Schmieder, Christine Seibt, Heinz und Julita Weber.

Emilie Ehret, Christa Kornmayer, Inge Haas, Dietgard Dies, Gerhard und Erika Heitzmann, Reiner Vogt, Emma Vilmin, Erika Tibi, Irmgard Tramborg, Brigitte Kern, Ursula Äckerle, Bernd und Beate Schwenk, Georg und Anita Karch, Peter Reiss, Friedrich Mussler, Jürgen Wiehan, Franz Spinner, Christa Heilig-Seidl, Walter und Francine Hoferer.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Von Jahr zu Jahr verschlechtert sich die Lage auf dem Mietmarkt, warnt der Deutsche Mieterbund Baden-Württemberg. Von der Politik werden jetzt konkrete Schritte dagegen eingefordert. 
vor 1 Stunde
Mietertag fand im Europa-Park in Rust statt
Delegierte aller Mietervereine im Land haben sich kürzlich im Europa-Park in Rust getroffen. Angesichts der Baukrise fordert der Mieterbund jetzt vom Land, die Schuldenbremse auszusetzen.
So bleibt Erwin Junker vielen in Erinnerung: elegant von Kopf bis Fuß.
vor 3 Stunden
Ortenau
Der Nordracher Fabrikant und Ehrenbürger ist am Samstag im Alter von 94 Jahren gestorben. Der Vollblut-Unternehmer und Tüftler hat es aus kleinsten Anfängen zum Global Player gebracht.
Dass seit Mai sehr viel weniger Busse vom idyllisch gelegenen Seebach aus in das bei Touristen beliebte Höhengebiet fahren, sorgt in der Gemeinde für viel Unmut.
vor 15 Stunden
Bürgermeister findet Angebot "völlig unattraktiv"
Im oberen Achertal verstummt die Kritik an dem seit Mai stark reduzierten ÖPNV-Angebot nicht. Einen Vorstoß, Richtlinien zur Regiobus-Landesförderung zu ändern, unterstützt der Ortenaukreis.
In Kehl-Zierolshofen gibt es erneut eine Rattenplage: Bewohner füttern die Tiere der Stadt Kehl.
vor 16 Stunden
Kehl - Zierolshofen
Ein bereits 2022 von Ratten besetztes Hauses wurde erneut durchsucht: Nachbarn hatten sich bei der Stadt über die Plage beschwert. Was der Kommunale Ordnungsdienst außer den Nagern noch feststellte.
Die Große Strafkammer des Landgerichts Offenburg hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden.
15.07.2024
Offenburg
Nach den tödlichen Schüssen an der Waldbachschule in Offenburg hat die Staatsanwaltschaft Offenburg nun auch Anklage gegen die Eltern des Jugendlichen erhoben. Ihnen wird zur Last gelegt, den Tod des 15-jährigen Mitschülers fahrlässig mitverschuldet zu haben.
Ein Rettungshubschrauber war im Einsatz.
15.07.2024
Seebach
Infolge eines Auffahrunfalls am Sonntag in Seebach sind zwei Motorräder miteinander kollidiert. Dabei wurden beide Fahrer schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht.
Das Freiburger Unternehmen Badenova versorgt Unternehmen und Privathaushalte in der Region unter anderem mit Gas.
15.07.2024
Bilanz gezogen
Der Energieversorger Badenova hat 2023 einen Umsatzrekord erzielt. Vorstand Hans-Martin Hellebrand warnt jedoch: das Bild sei trügerisch, der Markt noch immer fragil.
Die Einbürgerung von Ausländern soll durch das neue Staatsbürgerschaftsrecht vereinfacht werden. Doch aufgrund der Antragsflut rechnet das Ortenauer Migrationsamt mit längeren, statt kürzeren Bearbeitungszeiten.
14.07.2024
Migration im Ortenaukreis
Das neue Staatsbürgerschaftsrecht soll das Deutsch werden vereinfachen. Doch das Migrationsamt ächzt unter den vielen Anträgen. 2024 könnte die Zahl der Einbürgerungen erstmals vierstellig sein.
Ein Unfall auf der A5 sorgte am späten Freitagabend für eine stundenlange Sperrung der Autobahn bis in den frühen Samstagmorgen.
13.07.2024
Appenweier
Ein Auto ist auf der A5 bei Appenweier am späten Freitagabend mit zwei Lastern zusammengestoßen. Der Autofahrer und sein Beifahrer wurden dabei schwer verletzt. Der Fahrer nutzte das Chaos - und rannte davon.
Gerade der Schulunterricht stellt autistische Kinder vor Herausforderungen. Einrichtungen wie das Autismus-Kompetenzzentrum in Offenburg helfen Betroffenen, mit den Herausforderungen des Alltags und den eigenen Emotionen besser umzugehen.
13.07.2024
"Wo sollen die Kinder hin?"
Der Träger der Autismus-Therapiezentren in Offenburg und Lahr ist insolvent und muss seine Arbeit einstellen. Die Familien der 130 betroffenen Kinder hoffen auf Hilfe von Stadt- und Landkreisen.
12.07.2024
Ortenau
Mehrere Unwetterzellen mit ergiebigem Starkregen sind auch über die Ortenau gezogen. Die Wassermassen waren zu viel für die Kanalisationen und Flüsse - in Oberkirch trat der Fluss Weidenbach über die Ufer und überschwemmte eine Kreisstraße. Feuerwehrkräfte mussten ausrücken.
Aktuell geht die Polizei von einem Unglücksfall ohne Fremdverschulden aus. 
12.07.2024
Lahr
In einem Bach in Lahr ist am Donnerstag eine männliche Leiche entdeckt worden. Zwei Wochen zuvor wurde in der Nähe bereits ein anderer toter Mann aufgefunden. Eine Obduktion der beiden Leichname wurde veranlasst.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Spitze in Sache Beratung und Service: Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll, freuen sich über die Auszeichnungen zum 1a-Küchen und Möbel Fachhändler.
    14.07.2024
    Möbel und Küchen Seifert heimst zwei Auszeichnungen ein
    Kunden bestätigen erneut ihre Zufriedenheit:: Möbel und Küchen Seifert in Achern zum 5. Mal in Folge als 1a-Küchen und Möbel Fachhändler ausgezeichnet. Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll sind sehr stolz auf die Auszeichnungen.
  • Mehr als 300 Gäste feierten in festlichem Ambiente bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam mit den Familien Benz. @ST-Benz
    26.06.2024
    400 Jahre „Firmengeschichte“ in Berghaupten
    Stimmungsvolles Ambiente, bewegende Reden, atemberaubende Akrobatik, edles Menü und viel gute Laune – 300 Gäste feierten den Erfolg des traditionsreichen Unternehmens, das bereits in der vierten Generation Fortbestand hat.
  • Die Geschwister Paul (von links) und Anna Seebacher führen das Geschäft expert oehler derzeit gemeinsam mit ihren Eltern Dagmar und Ralf Seebacher.
    07.06.2024
    Neueröffnung in Offenburg-Bühl
    Expert oehler in Offenburg-Bühl eröffnet am Montag, 10. Juni, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten die neue Miele-Welt. Das gesamte oehler-Team freut sich die Kunden im Gespräch persönlich zu beraten. Wer will, kann die neuesten Geräte direkt vor Ort ausprobieren.
  • Das Kenzinger Bauunternehmen FREYLER überträgt den Nachhaltigkeitsgedanken in individuelle Baukonzepte 
    04.06.2024
    FREYLER Unternehmensgruppe Partner für nachhaltiges Bauen
    Mehr Nachhaltigkeit in der Branche: Darum geht es bei der Veranstaltungsreihe „Bauen für Morgen“ für Architekten aus der Region. Gastgeber ist das Kenzinger Bauunternehmen FREYLER, das sich auf zukunftsfähige Lösungen spezialisiert hat.