Angeklagter zu 5 Jahren und 9 Monaten verurteilt

Vergewaltigung auf Brücke: So wird das Urteil begründet

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08. November 2018
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Auf dieser Brücke in der Freiburger Straße in Offenburg hat der 24-Jährige sein gleichaltriges Opfer Ende April vergewaltigt.

Auf dieser Brücke in der Freiburger Straße in Offenburg hat der 24-Jährige sein gleichaltriges Opfer Ende April vergewaltigt. ©Ulrich Marx

Im Prozess um die Vergewaltigung einer jungen Frau auf einer Brücke in der Freiburger Straße in Offenburg ist am Mittwoch das Urteil gesprochen worden. Der 24-jährige Angeklagte aus Nigeria wurde zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Opfer war nicht anwesend.

»Die Kammer hat keine Zweifel, dass sich die Tat so abgespielt hat, wie das Opfer vor Gericht schilderte«, sagte Peter Stier am Mittwoch vor dem Landgericht Offenburg. Der Richter hat das Urteil im Prozess um die Vergewaltigung einer jungen Frau am 28. April auf einer Brücke in der Freiburger Straße in Offenburg verkündet.

Angeklagt und letztlich zu fünf Jahren und neun Monaten verurteilt wurde ein 24-jähriger Mann aus Nigeria. Er war im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen, sein Asylantrag wurde abgelehnt. Eigentlich müsste er zurück nach Italien, wo er erstmals europäischen Boden betrat, weil der 24-Jährige allerdings in Untersuchungshaft saß, konnte er Deutschland bislang noch nicht verlassen.

Für das Schöffengericht um Stier und Beisitzer Stefan Hofsäß ging es bei der Urteilsfindung auch um die Frage, ob es dem Opfer, einer jungen, stark hörgeschädigten und körperlich beeinträchtigten Frau mit Wurzeln in Sierra Leone, Glauben schenken kann. Die Frau erwähnte während ihrer Vernehmung vor Gericht andere und weiterführende Einzelheiten der Tatnacht, als noch bei der polizeilichen Vernehmung am Tatabend. 

»Glaubwürdig«

»Ihre Darstellung ist nicht ausgedacht«, fasste Stier letztlich das Ergebnis der Überlegungen des Gerichts zusammen. Diese sei durch ein sogenanntes objektives Beweisbild gestützt. So habe sich die Geschädigte etwa nicht ausdenken können, dass die Taschenlampe ihres Handys, das der Verurteilte klaute, noch an war, als es sich der 24-Jährige in die Hosentasche stecke. Auch hätte sie sich bei einer Lüge niemals ausgedacht, dass sie nach einer von mehreren Vergewaltigungen den Tatort nicht verlassen hatte, sondern nach ihrer Kleidung und ihrem Rucksack suchte.

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Die Aussagen des Verurteilten bezeichnete Stier dagegen als »unglaubwürdig«. Der Nigerianer hatte im Laufe der Verhandlung gesagt, dass sich die beiden gemeinsam einen Ort gesucht hätten, um an diesem Geschlechtsverkehr zu haben. Er hatte außerdem behauptet, dass das Opfer ihm Sex für Geld angeboten hatte. Das sei gelogen.

Das Gericht verurteilte den 24-Jährigen letztlich zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Es orientierte sich damit an der Forderung der Staatswanwaltschaft um Miriam Kümmerle, die sechs Jahre gefordert hatte und lag fast zwei Jahre unter der Forderung des Opferverteters Ulrich Warncke (Frankfurt). Pflichtverteidiger Joachim Lederle (Kehl) hatte bei seinem Plädoyer vor sechs Tagen von der Nennung eines Strafmaßes abgesehen, ging aber von einer Bewährungsstrafe aus.

Strafmindernd war für den Nigerianer laut Gericht, dass er zuvor keine Vorstrafen im Bereich der Sexualdelikte hatte. Straferschwerend ist dagegen, dass das Opfer – medizinisch bewiesen – vor der Tat noch nie Geschlechtsverkehr hatte. Eine gesunde sexuelle Entwicklung sei daher mehr als gefährdet. Die junge Frau hatte außerdem über mehrere Wochen Angst, mit dem HI-Virus angesteckt worden zu sein. Eine Verhütung fand nämlich nicht statt. Außerdem beeinträchtigte die Tat das öffentliche Sicherheitsempfinden in Offenburg.

Opfer ist erleichtert

Das Opfer ist zufrieden mit dem Urteil, wie ihr Rechtsbeistand Warncke gegenüber der Mittelbadischen Presse auf Anfrage sagte. Die junge Frau sei froh und erleichtert, dass das Verfahren nun endlich vorüber sei. Nun beginne die Aufarbeitung des Erlittenen mithilfe eines Psychotherapeuten. Häufig, so Warncke abschließend, stünden in solchen Fälle Aussage gegen Aussage, was die Urteilfindung erschwere: »Hier zum Glück nicht.«

Hintergrund

Gericht äußerte Kritik am Vorgehen der Polizei

Im Zuge der Urteilsverkündung äußerte Richter Peter Stier auch Kritik an der Polizei. Diese hatte das Opfer am Tatabend vernommen – allerdings ohne Gebärdendolmetscher. Eine zweite Vernehmung mit einem Dolmetscher, so Stier, hätte vorzeitig zur Aufklärung der Tat beitragen können. Federführend in solchen Ermittlungen ist laut Polizei immer die Staatsanwaltschaft. Diese hätte bei der Polizei eine weitere Vernehmung anordnen müssen, wenn sie die bis dahin durchgeführten Ermittlungen und Befragungen für unzureichend angesehen hätte.

»Zum damaligen Zeitpunkt fand die Staatsanwaltschaft, dass die eine Vernehmung ausreichend war«, sagte Staatsanwältin und Pressesprecherin Miriam Kümmerle gegenüber der Mittelbadischen Presse. Da das Opfer in Frankfurt lebt, hätte man zunächst die Polizeikollegen vor Ort um deren Mithilfe bitten müssen. Außerdem musste das Verfahren schnell bearbeitet werden. Eine weitere Verzögerung hätte den Prozessbeginn verzögert. Aus heutiger Sicht sei eine zweite Vernehmung mit Dolmetscher dagegen wohl hilfreich gewesen. Kümmerle kann die Kritik des Gerichts nachvollziehen.

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