Wo digitale Gefahren lauern

Virtuelle Gefahren: "Aufschrei" klärt über "Cybergrooming" auf

Von Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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12. Dezember 2023
Gerade junge Menschen nutzen die digitale Welt zunehmend als Ort der Begegnung, bei der Nähe, Intimität, Sexualität eine Rolle spielen.

Gerade junge Menschen nutzen die digitale Welt zunehmend als Ort der Begegnung, bei der Nähe, Intimität, Sexualität eine Rolle spielen. ©Maurizio Gambarini

"Leser helfen" sammelt Spenden für den Verein "Aufschrei". 70.000 Euro sind bereits eingegangen. Heute geht es um das brisante Thema der sexuellen Gewalt in den digitalen Medien.

Die Weihnachtsaktion "Leser helfen" der Mittelbadischen Presse unterstützt den Ortenauer Verein "Aufschrei" gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen. Dieser will die Prävention erheblich ausbauen, weil ein regelrechter Beratungsstau herrscht. Dazu gehört in Fortbildungen auch das Querschnittsthema "sexuelle Gewalt in digitalen Medien".

„Diese wird auch im analogen Leben spürbar“, bestätigt Carolin Heuwerth, Sozial- und Sexualpädagogin von „Aufschrei“. Gerade junge Menschen nutzen die digitale Welt zunehmend als Ort der Begegnung, bei der Nähe, Intimität, Sexualität eine Rolle spielen. "Deshalb müssen sie lernen, selbstbestimmt, selbstbewusst und kompetent mit dieser umzugehen." Dazu gehöre sowohl der Blick auf potentielle Gefahren als auch Potentiale, denn auch im digitalen Raum finden Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt statt – ohne Körperkontakt.

Kinder und Jugendliche seien im Umgang mit Medien in manchen Bereichen fitter als die Erwachsenen. "Sie benötigen Orientierung und Regeln im analogen und digitalen Leben, für diese Art von Schutz tragen Erwachsene die Verantwortung." Es gelte, eine Balance zwischen Selbstbestimmung, Orientierung, Offenheit und Regeln zu finden. All das könne Schutz ausmachen. Die Angst vor Konsequenzen und Reaktionen der Erziehungsberechtigten darf nicht größer sein als der Wunsch, komische Gefühle und unangenehme „verbotene“ Erfahrungen mitzuteilen.

Wissen ist Schutz

Dies sei einer der Gründe, weshalb bereits im Grundschulalter entwicklungsangemessen über Pornografie gesprochen werden sollte. "Aufklärung und Wissen sind Schutz." Pornos werden ab einem gewissen Alter als Informations- und Lustquelle genutzt. Jugendliche gehen in großen Teilen bewusst damit um. Problematische Züge bekommt der Kontakt mit solchem Material, wenn es in einem zu frühen Alter und ungewollt passiert. "Der Altersdurchschnitt des Erstkontakts mit pornografischen Inhalten liegt bei zwölf Jahren." Die meisten Pornos auf frei zugänglichen, kostenlosen Websites würden gewaltvolle Darstellungen, starre Rollenbilder und spezifische Abläufe, wie „Sex“ zu sein habe, enthalten. All dies wirke durch häufigen Konsum normalisierend.

Einen gewaltvollen Charakter habe es zudem, wenn pornografische Inhalte ungefragt in WhatsApp-Gruppenchats hochgeladen oder den Mitschülern auf dem Smartphone gezeigt werden. "Kinder bekommen so Inhalte zu Gesicht, die sie möglicherweise erschrecken und unangenehme Gefühle erzeugen." Selbst ein freiwilliger aber intensiver Konsum könne das Erleben von Sexualität und Beziehungen im Jugend- und Erwachsenenalter beeinflussen. Vor allem dann, wenn die jungen Menschen damit alleine bleiben.

Problem soziale Medien

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Externe Fachkräfte, pädagogische Vertrauenspersonen wie vom "Aufschrei" sind somit unverzichtbar als Ergänzung zu Elternhaus und Institution. Im besten Fall werde erst über die positiven, lustvollen Aspekte von Sexualität gesprochen. Im Anschluss komme die Gewaltprävention. Die beiden Themen sollten klar voneinander getrennt werden, sagt "Aufschrei". 

Zeigen Erwachsene Kindern pornografische Aufnahmen oder lassen sie sie „zufällig“ sehen, fällt dies in den Bereich des sexuellen Missbrauchs.

"Cybergrooming" ist eine Form von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Hier werden soziale Medien und Messenger dazu genutzt, gezielt den Kontakt zu ihnen herzustellen. Täter nähern sich mit einer falschen Identität, geben sich als jemand anderes aus. Sie verfolgen also ähnliche Strategien wie im analogen Leben: eine Beziehung zum Kind aufbauen, Vertrauen und Hilflosigkeit ausnutzen, manipulieren, Druck und Scham entstehen lassen, Mitschuld einreden.

"Prävention greift hier, indem Kinder unter anderem darüber Bescheid wissen, dass es solche Formen von Gewalt gibt, wie gleichberechtigte, freundschaftliche Beziehungen aussehen, wie sie mit persönlichen Daten und Bekanntschaften im Internet umgehen, wie sich Grenzen auch im digitalen Raum anfühlen, wo sie Hilfe und ein offenes Ohr bekommen, und vieles mehr."

Sexuelle Gewalt durch Fremde sei grundsätzlich eher die Ausnahme, so Carolin Heuwerth. Im Internet hingegen nimmt laut einem "unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" (UBSKM) im Jahr 2022 die Zahl der Fremdtäterinnen und Fremdtäter zu.

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