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Ortenau

Warum die Vogelfütterung im Winter der Natur schaden kann

Experten geben Tipps für den richtigen Futterplatz / Bereitstellen von Winternahrung ist umstritten
11. Januar 2017
&copy dpa

Ein kalter Winter mit viel Frost und Schnee, wie er momentan vorherrscht, stellt Wildvögel oft vor ein Futterproblem. In vielen Gärten werden deswegen Futterstellen platziert. Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten.

Zugvögel zieht es im Winter in wärmere Gebiete, viele Vogelarten bleiben jedoch trotz Frost und Schnee in ihrer Heimat. Da Böden und Wasserstellen oft gefroren sind, ist die Suche nach Verpflegung erschwert. Viele Vogelfreunde stellen Häuschen oder Silos in ihren Gärten auf, aber das Füttern von Wildvögeln ist umstritten. 

Während Gegner darauf hinweisen, dass Vögel auch im Winter genug Nahrung finden und eine Zufütterung die natürliche Auslese verhindert, sind Befürworter der Meinung, dass das Nahrungsangebot heute nicht mehr ausreicht. Manfred Weber von der Gruppe Offenburg des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) hält die Winterfütterung für sinnvoll und stellt selbst jedes Jahr eine Futtersäule auf: »Das Nahrungsangebot ist einfach zu sehr zurückgegangen, weil große Flächen besiedelt sind und viele weitere landwirtschaftlich intensiv genutzt werden«, sagte er auf Anfrage der Mittelbadischen Presse. Selbst in den Gärten fänden heimische Vögel nicht genug Nahrung, denn diese seien heutzutage kaum noch naturnah. Ein weiterer positiver Effekt neben der Hilfeleistung sei, dass man vor allem Kindern die Natur auf diese Weise näherbringen könne.

Profit für wenige Arten

Das führte auch Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell als Vorteil auf. Aber er wies ebenso darauf hin, dass nur manche Arten von einer Fütterung profitieren. »Ungefähr drei Viertel der Vogelarten können mit den bereitgestellten Futterplätzen nicht erreicht werden«, erklärte er. 

Gerade die seltenen Arten würden nicht darauf zurückgreifen. »Damit könnte sich das Verhältnis in der Natur verschieben«, sagte Fiedler. Welche Auswirkung das irgendwann haben werde, wisse man noch nicht genau. Es sei auch noch unklar, ob das Zugverhalten mancher Arten dadurch eventuell beeinflusst werde. 

Manch ein Vogelfreund füttert sogar das ganze Jahr über, aber davon rät Weber ab: »Im Sommer ist das Nahrungsangebot ja vorhanden. Manche Vogelarten, wie die Meisen, können dann auch nichts mit Körnern anfangen. Sie brauchen Insekten für die Jungen-aufzucht«, betonte er. Wenn man sich trotzdem für die ganzjährige Fütterung entscheidet, solle man konsequent dabei bleiben. Denn die Vögel gewöhnen sich schnell an Futterstellen und können mitunter bei der Suche faul werden, erklärte Weber. 

Am besten sei es, den eigenen Garten naturnah zu gestalten. »Dann haben die Vögel auch im Sommer noch ein Nahrungsangebot«, sagte der Tierschützer. Körner und Obst einfach in den Hof zu werfen, lehnten Weber und Fiedler ab: »Wenn die Vögel im Futter herumlaufen oder Kot verteilen, könnten sie Krankheiten verbreiten«, warnte Weber. Besser sei zum Beispiel eine Futtersäule, bei der die Tiere nur von der Seite an die Nahrung herankommen – das minimiere das Risiko einer Ansteckung.

Autor:
Sandra Barth

Hintergrund

Tipps zur richtigen Vogelfütterung im Winter

Manfred Weber von der NABU Gruppe Offenburg hat der Mittelbadischen Presse erklärt, worauf es bei der Winterfütterung von Vögeln ankommt.

  • Futterstellen sollten bereits im Spätherbst eingerichtet sein, damit sich die Vögel an sie gewöhnen.
  • Neben Körnern und Meisenknödeln fressen manche Vögel zum Beispiel auch gerne Haferflocken, Erdnussbutter oder Kokosfett, demnach ist es empfehlenswert, ein breites Angebot an Futtersorten bereitzustellen. Das Futter sollte frei von Ambrosia sein, damit sich die allergene Pflanze nicht im Garten ausbreiten kann.
  • Als Platz eignen sich Futtersäulen, da die Wahrscheinlichkeit einer Keimverbreitung damit verringert wird. Aufstellen sollte man sie etwas erhöht, um Katzen fernzuhalten.
  • Altes Futter sollte immer weggefegt werden. Säulen zum Beispiel müssen ab und zu auch gelüftet werden, um die Feuchtigkeit zu minimieren. So kann das Futter nicht schimmeln.
  • Hagebuttensträuche oder Apfelbäume im Garten dienen auch im Winter als natürliche Nahrungslieferanten.