Ortenberg

Volksbegehren »Rettet die Bienen« alarmiert Landwirte

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. September 2019
Über 150 Landwirte, Bürgermeister und Behördenvertreter tauschten sich gestern in Ortenberg mit den Landtagsabgeordneten Thomas Marwein (Grüne) und Volker Schebesta (CDU) über die Auswirkungen des Volksbegehrens »Artenschutz – Rettet die Bienen« aus.

Über 150 Landwirte, Bürgermeister und Behördenvertreter tauschten sich gestern in Ortenberg mit den Landtagsabgeordneten Thomas Marwein (Grüne) und Volker Schebesta (CDU) über die Auswirkungen des Volksbegehrens »Artenschutz – Rettet die Bienen« aus. ©Volker Gegg

Konfrontation mit einem Thema, das den Ortenauer Landwirten unter den Nägeln brennt. Auf Einladung des BLHV informierten sich die beiden für Offenburg zuständigen Landtagsabgeordneten Volker Schebesta (CDU) und Thomas Marwein (Grüne) über die möglichen Auswirkungen des Volksbegehrens »Artenschutz – Rettet die Bienen«. 

 Dass das angestrebte Volksbegehren »Rettet die Bienen« die Winzer und Obstbauern umtreibt, zeigte gestern Vormittag die große Besucherresonanz beim kurzfristig angesetzten Vor-Ort Termin des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) Achern mit den für den Wahlkreis Offenburg zuständigen Landtagsmitgliedern, Staatssekretär Volker Schebesta (CDU) und Thomas Marwein (Grüne). Über 150 Winzer, Obstbauern und Behördenvertreter fanden den Weg zum Schloss Ortenberg.  

»Wir sind mitten im Landschaftsschutzgebiet ›Brandeck‹, welches sich von Ohlsbach aus die Vorbergzone entlang bis nach Durbach erstreckt«, erläuterte Stefan Schrempp, Bezirksgeschäftsführer beim BLHV Achern. »Wir müssen kämpfen und die Bürger über die Auswirkungen des Volksbegehrens ›Artenschutz – Rettet die Bienen‹, ausführlich informieren. Denn wenn es so kommt wie von den Initiatoren gewollt, bedeutet dies das Ende für viele Landwirte in der Ortenau«, bemerkte Klaus Dorner, Vorsitzender des BLHV Bezirksverbands Lahr. Durch das Volksbegehren wäre es nämlich nicht mehr möglich, Pflanzenschutzmittel in ausgewiesenen Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten auszubringen. »Dies ist aber weder im konventionellen noch im biologischen Landbau möglich, gerade wenn man wirtschaftlich arbeitet«, so Dorner weiter. Die Folge davon hätte jeder Bewohner vor Augen: brachliegende Flächen und der Verlust der derzeitigen Kulturlandschaft. 

An den Pranger gestellt

Seit Jahren werde der Pflanzenschutz bei den Wein- und Obstbauern zurückgefahren, ergänzte der Ortenberger Winzer Geog Sieferle mit Blick auf die anwesenden Landtagsvertreter. Durch Duftstoffe, die 1988 europaweit erstmals auf dem Gelände des Weinguts Schloss Ortenberg angebracht wurden, wird auf Insektizide komplett verzichtet. »Wir behandeln unsere Reben eigentlich nur gegen Mehltau und Peronospara«, so Sieferle weiter. »Ich kann dieses Volksbegehren einfach nicht nachvollziehen. Wir schaden doch nicht den Bienen. Hier wird einfach unsere Landwirtschaft an den gesellschaftlichen Pranger gestellt«. 

- Anzeige -

Auch der Ortenberger Obstbauer Andreas Riehle, der den Familienbetrieb vor einigen Monaten übernommen hat, sieht seine unmittelbare Zukunft in Gefahr: »Der Obstbau ist ohne Pflanzenschutzmittel nicht möglich. Ich habe ein paar Äpfel mit dabei, die nicht behandelt wurden. Die würde in einem Geschäft wirklich niemand kaufen wollen«. 

Auch Ortenbergs Bürgermeister Markus Vollmer kämpft aktiv in einer Initiative gegen die drohenden Auswirkungen durch das Volksbegehren: »Dies würde unweigerlich den Verlust unserer Kulturlandschaft bedeuten. Die Leute können nach wie vor ihren Wein trinken. Nur kommt der dann nicht mehr von hier sondern von weit außerhalb«. Vollmer unterstützt nicht nur als Privatmann und Hobbywinzer das Anliegen des BLHV und der Winzer sondern auch als Bürgermeister: »Am Montagabend votierte der Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sitzung einstimmig dafür, die Sache zu unterstützen«. 

Auch Durbach betroffen

Auf Ortenberger Gemarkung wären von dem Volksbegehren 80 Prozent von 100 Hektar Reb- und Obstbaufläche betroffen, im benachbarten Ohlsbach die gesamte Rebfläche. »Bei uns in Durbach sind es 80 Hektar, die im Schutzgebiet liegen«, so Bürgermeister Andreas König. Insgesamt wären rund um Offenburg 260 Hektar Reb- und Obstbaufläche von den Auswirkungen betroffen und könnten ab 2021 nicht mehr wie gehabt bewirtschaftet werden. »Dies hieße auch, große Vermögenswerte würden vernichtet. Allein in die letzte Flurbereinigung wurden über eine Million Euro investiert«, so Vollmer weiter. 

Hintergrund

30 Prozent der Fläche des Kreises wären betroffen

»Artenschutz geht nur zusammen mit der Landwirtschaft und nicht ohne«, stellte MdL Marwein fest. »Der Bauer wird oft als Giftspritzer dargestellt – ist er aber nicht«. Auch Staatssekretär Schebesta kann die Sorgen der Landwirte nachvollziehen: »Unsere Landwirte müssen die Möglichkeit haben, von ihrem Beruf zu leben. Und sie tun dies beileibe nicht gegen die Natur«. Beide Abgeordnete versprachen, sich weiter dem Thema anzunehmen. 
»Seit Jahrzehnten arbeiten wir sehr gut mit der Landwirtschaft zusammen. Wir haben keine Probleme und können das Volksbegehren nicht unterstützen«, bemerkte Peter Schulze, langjähriger Vorsitzender der Bezirksimker. Das Thema ist natürlich auch beim Landratsamt angekommen, wie Rainer Moritz, Leiter des Amts für Landwirtschaft, bestätigt: »30 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche im Ortenaukreis wären davon betroffen«. Die Zeit bis zur Abstimmung möchten die Interessensverbände jedenfalls noch nutzen, um die Bevölkerung über die Auswirkungen des Volksbegehrens aufzuklären. 
Für Marwein und Schebesta war mit diesem Termin allerdings das Thema gestern noch nicht erledigt. In Neuried-Altenheim stand im Hofgut der Familie Adam bereits der zweite Vor-Ort-Termin zum gleichen Thema auf dem Programm. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 2 Stunden
Politisch motiviert
Yves Rausch fiel dem Gesetz bereits als Jugendlicher auf. Jetzt revidiert die Staatsanwaltschaft Offenburg einen Eintrag im Bundeszentralregister. Im Jahr 2005 wurde er mit 16 Jahren nicht nur wegen Diebstahls, sondern auch wegen Volksverhetzung verurteilt. Seit der Verurteilung gab es laut ...
Der Felgenhersteller BBS aus Schiltach kämpft mit drohender Zahlungsunfähigkeit.
vor 3 Stunden
Insolvenzverwalter will Betrieb vorerst fortführen
Die erneute, mittlerweile dritte Insolvenz des Schiltacher Felgenherstellers BBS führt der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte Rechtsanwalt Thomas Oberle auf die insgesamt schwierige wirtschaftliche Situation der Zuliefererbranche zurück.
vor 5 Stunden
Großfahndung nach Yves Rausch
Während die Suche nach dem bewaffneten Yves Rausch in Oppenau weitergeht, rät die Tourismus­chefin des Renchtals, abgelegene Waldgebiete zu meiden. Zutrittsverbote gibt es indes nicht.
vor 5 Stunden
Großfahndung in Oppenau
Die Suche nach dem 31-jährigen Yves Rausch dauert noch immer an. Am Mittwochabend soll es in Oppenau zu einer ungewollten Schussabgabe gekommen sein.
vor 6 Stunden
Aktuelle Zahlen
Wo in der Ortenau gibt es bestätigte Coronavirus-Infektionen und wie sind die aktuellen Zahlen? Unsere Karte gibt den kreisweiten Überblick.
vor 7 Stunden
Lahr
Die Ortenaubrücke über die B3 in Lahr bleibt einen weiteren Monat gesperrt – bei einer Qualitätskontrolle wurden Hohlräume in der Beschichtung entdeckt, der ist damit nicht dicht.
Der Räderhersteller BBS in Schiltach hat Insolvenz angemeldet, betroffen sind rund 500 Mitarbeiter am Firmensitz und im Logistikzentrum Herbolzheim.
vor 8 Stunden
BBS stellt Insolvenzantrag
Der Schiltacher Felgenhersteller BBS hat am Montag Insolvenz beantragt. Es ist bereits die dritte innerhalb der letzten 15 Jahre. Das Unternehmen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter.
vor 9 Stunden
Neuer Termin für Kreistagssitzung
Manfred „Manne“ Lucha, Minister für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg, wird am Dienstag, 21. Juli, in der öffentlichen Kreistagssitzung Fragen zur Agenda 2030 beantworten.
vor 10 Stunden
Ortenau
Die polizeilichen Maßnahmen rund um die Lage in Oppenau dauern derzeit nach wie vor mit starken Kräften an. Während vor Ort mehrere Beamte im Rahmen des Raumschutzes rund um Oppenau unterwegs sind, laufen auch die Maßnahmen im Hintergrund auf Hochtouren.
vor 11 Stunden
Tickets sichern für 24.Juli bis 26.Juli
Nach zwei Wochenenden in Offenburg wird das Pop-Up Sunset Picknick vom 24. Juli bis 26. Juli im indyllischen Klostergarten in Haslach stattfinden.
vor 11 Stunden
Offenburg
Nach zehn Jahren hört Christian Dusch als Kreisrat auf, für ihn rückt Wendelin Huschle (CDU) nach.
vor 12 Stunden
Ortenauer Original
In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit einem gewissen Etwas. Heute (5): Bägoldbauer Karl Huber, dem in seiner Heimatgemeinde Oppenau-Maisach alle zuwinken – kein Wunder, denn der aktive 87-Jährige bleibt bei so manchem Schwätzchen hängen und verbreitet seine gute Laune...

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das edel-graue Parkett schafft eine klare Raumstuktur.
    06.07.2020
    Im grenznahen Neuried werden Wohnträume wahr
    Holz ist ein wunderbarer Werkstoff für den Innenausbau: Er ist durch und durch natürlich und passt sich den Anforderungen an. Dabei ist er genauso individuell wie die Menschen, die in den vier Wänden leben. Wer seinen Wohntraum in Holz verwirklichen will, ist bei marx Design in Holz in Neuried an...
  • Willkommen zu Hause: Stressless® steht für Komfort und Entspannung. Modell: Tokyo Linden Sand.
    02.07.2020
    Stressless®: Raus aus dem Alltag, rein ins Zuhause
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten und Wohnen in Baden. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach ist Partner ausgewählter Marken und präsentiert mit Stressless® norwegischen Komfort. Die Welt des exklusiven Möbelherstellers wartet im Stressless®-Studio darauf,...
  • Kai Wissmann präsentiert am Donnerstag, 16. Juli, die Gewinner der Shorts 2020.
    25.06.2020
    Trinationales Event: Großes Finale am 16. Juli
    Die Shorts lassen sich nicht ausbremsen, auch nicht von einer weltweiten Pandemie: Das trinationale Filmfestival der Medienfakultät der Hochschule Offenburg wird diesmal komplett online ausgerichtet. Die Filme sind donnerstags und sonntags ab 19 Uhr im Live-Stream hier abrufbar. Das große Finale...
  • Eine reduzierte Formensprache, robuste Materialien und eine seriöse Optik zeichnen Möbel von Musterring aus.
    25.06.2020
    Möbel RiVo in Achern: Wohnwelt auf 8000 Quadratmetern
    Bei der Einrichtung zählt einzig und allein der persönliche Geschmack. Und Geschmack ist bekanntlich vielseitig. Gerade deshalb bietet das Einrichtungshaus Möbel RiVo in Achern-Fautenbach eine riesige Auswahl an Markenkollektionen von Top-Designern und -Herstellern wie Musterring.