Ortenau

Vom Nachwuchskräfte-Mangel sind immer mehr Branchen betroffen

Autor: 
Patrick Schmider
Lesezeit 3 Minuten
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07. November 2019

Viele Handwerksberufe wie Bäcker haben mittlerweile mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. ©Ulrich Marx

Der Mangel an Nachwuchskräften macht immer mehr Branchen zu schaffen. Der Trend zum Studium erschwert Betrieben zusätzlich die Suche nach Fachkräftenachwuchs. In unserer Serie „Azubis gesucht“ werden Berufe vorgestellt, die vom Nachwuchsmangel besonders betroffen sind. 

Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt bereiten immer mehr Branchen erhebliche Probleme bei der Nachwuchssuche: Nach Einschätzung von Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, bleibt mittlerweile nahezu jede zweite Ausbildungsstelle unbesetzt. In unserer Serie „Azubis gesucht“ schnuppern Redakteure in Ausbildungsberufe, die besonders vom Nachwuchsmangel betroffen sind.

„Dringenden Bedarf melden nahezu alle Gewerbegruppen – nicht nur die, die öffentlich in der Debatte stehen“, stellt Jürgen Galle, Pressesprecher der Handwerkskammer Freiburg, klar. Neben klassischen Handwerksberufen wie Bäcker und Metzger leiden auch Hotels und Gaststätten unter akutem Nachwuchsmangel. „Auch die Bereiche Lager und Logistik sind besonders betroffen. Selbst in den Industrieberufen gibt es zunehmend Probleme“, ergänzt Horst Sahrbacher.

„Die Ursachen sind vielschichtig“, erklärt Simon Kaiser, Aus- und Weiterbildungsleiter bei der IHK Südlicher Oberrhein. Zum einen seien es die Rahmenbedingungen der jeweiligen Branche, die Nachwuchs abschreckt. „Es ist normal, dass im Handel und in der Gastronomie am Wochenende gearbeitet wird. Auch ein Berufskraftfahrer, der Fernfahrten übernimmt, kann nicht jeden Abend zu Hause sein“, argumentiert er. Der „dominierende Faktor“, so Kaiser, sei dennoch der Trend zum Abitur und zum Studium: „Ein Automatismus, mit dem niemand zufrieden ist, ob Gymnasien, Hochschulen oder Wirtschaft.“

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Galle bezeichnet die Entwicklungen als „Nachwirkung der Fokussierung auf die akademische Ausbildung in den vergangenen Jahren“. Mit Imagekampagnen sowie einer besseren Berufsorientierung in Schulen und Betrieben steuere das Handwerk gegen. „Es braucht Zeit, das Handwerk wieder als spannende Karriereoption in den Köpfen zu verankern. Erste Anzeichen sind erkennbar“, meint Galle.

Der Markt habe sich schleichend vom Stellen- zum Bewerbermarkt entwickelt, sagt Sahrbacher. Speziell in der Ortenau sieht er in nächster Zeit keine Aussicht auf Besserung – im Gegenteil. „Betrachtet man den demografischen Wandel, werden in den kommenden zehn Jahren mehr Fachkräfte in Ruhestand gehen, als es Nachrücker geben wird“, erklärt Sahrbacher. 

Dies könne sich aber auf Sicht als positiver Faktor – zumindest für Fachkräfte der entsprechenden Branchen – entpuppen. „Ich bin überzeugt, dass sich das Image der dualen Ausbildung wieder verbessern wird – durch die gestiegene Zahl an Hochschulabsolventen und der schleichenden Entwertung vieler Hochschulabschlüsse“, meint Kaiser. Außerdem verschaffe der Fachkräftemangel den Fachkräften selbst eine gute Position im Arbeitsmarkt. Ein positives Zeichen sei, dass man vermehrt auch Abiturienten von einer dualen Ausbildung überzeugt bekomme. 

Um den Entwicklungen entgegenzuwirken, lassen sich betroffene Betriebe viel einfallen, um potentielle Auszubildende zu akquirieren. „Die Betriebe reagieren mit erhöhter Ausbildungsbereitschaft“, stellt Galle fest. Außerdem wird dem Nachwuchs beispielsweise mit E-Bike-Angeboten oder einer Antrittsprämie der Schritt zu einer dualen Ausbildung schmackhaft gemacht. „Betriebe können sich eine schlechte Ausbildung nicht leisten – das spricht sich rum. Die Qualität der Ausbildung ist heute vielmehr auf einem überragenden Niveau“, sagt Kaiser. 

Stichwort

Berufsorientierung das A und O

Um aufzuzeigen, wie attraktiv eine Ausbildung ist, sei eine umfassende Berufsorientierung von Nöten. Mit Betriebspraktika oder Schulbesuchen betreiben Unternehmen viel Aufwand. „Es gibt eine breite Palette an Möglichkeiten. Jungen Menschen diese Chancen zu vermitteln, haben wir uns auf die Fahne geschrieben“, erläutert Jürgen Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg.

Dies sei vor allem für unschlüssige Schulabgänger eine Option. „In unserem Bildungssystem gibt es weder Sackgassen noch Einbahnstraßen. Man kann sich während der Ausbildung weiter orientieren“, meint Simon Kaiser, Aus- und Weiterbildungsleiter bei der IHK. Das Streben nach akademischer Bildung sei verständlich, doch Sahrbacher stellt klar: „Das ist nicht notwendig für eine erfolgreiche Berufskarriere.“

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