WVIB-Unternehmergespräch

Von kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und Taiwan

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22. Oktober 2021
Unternehmer aus der Region informierten sich beim WVIB-Unternehmergespräch bei Hiwin in Offenburg, einer Tochterfirma des gleichnamigen taiwanesischen Mutterkonzerns, unter anderem über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Taiwan. Hiwin-Geschäftsführer Werner Mäurer (vorne in der Mitte) berichtete von seinen jahrzehntelangen Erfahrungen aus der Praxis. Mit dabei war auch Winfried Lieber, der Ex-Rektor der Hochschule Offenburg (Fünfter von Links).

Unternehmer aus der Region informierten sich beim WVIB-Unternehmergespräch bei Hiwin in Offenburg, einer Tochterfirma des gleichnamigen taiwanesischen Mutterkonzerns, unter anderem über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Taiwan. Hiwin-Geschäftsführer Werner Mäurer (vorne in der Mitte) berichtete von seinen jahrzehntelangen Erfahrungen aus der Praxis. Mit dabei war auch Winfried Lieber, der Ex-Rektor der Hochschule Offenburg (Fünfter von Links). ©wvib Schwarzwald AG

Ein Unternehmergespräch des WVIB bei Hiwin in Offenburg, das zu einem taiwanesischen Konzern gehört, beschäftigte sich mit kulturellen Unterschieden in der wirtschafltichen Zusammenarbeit.

Die deutsche Ingenieurskunst hat in der Welt einen guten Ruf. Aber: „Die jungen Menschen in Deutschland verlieren das Gefühl für Schraubenschlüssel und Taschenrechner“, sagte Werner Mäurer, der Geschäftsführer der in Offenburg ansässigen deutschen Tochtergesellschaft des taiwanesischen Konzerns Hiwin. Das Unternehmen produziert Profilschienenführungen, Kugelgewindetriebe und Positioniersysteme. Gleichzeitig würde der taiwanesische Nachwuchs auf diesem Sektor aufholen. Kritisch äußerte sich Mäurer dazu, dass an den deutschen Hochschulen im technischen Bereich inzwischen viele Studienplätze frei bleiben würden.

Kulturelle Unterschiede

Beim Unternehmergespräch des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden e.V. (WVIB), einem freiwilligen Zusammenschluss mittelständischer Industrieunternehmen bei Hiwin informierte Mäurer die Teilnehmer über diese Entwicklung und ging dabei ausführlich auf die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Taiwan ein.

Am Offenburger Standort beschäftigt Hiwin 400 Mitarbeiter, der Jahresumsatz lag zuletzt bei 111 Millionen Euro. Beim gesamten Mutterkonzern arbeiten 5900 Menschen, der Jahresumsatz betrug 2020 880 Millionen Euro. Hiwin-Werke gibt es etwa noch in den USA, der Schweiz und Japan, berichtete Mäurer.

Etwas besonderes sei das Vertrauen, das dem deutschen Hiwin-Standort vom taiwanesischen Mutterkonzern immer entgegengebracht werde. „Wir haben als kleine Firma angefangen, hatten anfangs nur das Geld und Vertrauen der Muttergesellschaft, mit dem wir zuerst vieles falsch und manches richtig gemacht haben“, so Mäurer.

Niemals offener Ärger

Zu beachten sei auch, dass in Taiwan Meinungsverschiedenheiten niemals mit offenem
Ärger, aufgebrachter Mimik und Gestik oder direktem Konflikt geführt werden. „In 30 Jahren Zusammenarbeit mit Taiwan gab es häufig Auseinandersetzungen, die aber nie im Zerwürfnis endeten, sondern immer so, dass man am Ende zusammen ein Bier trinkt und über die Familie plaudert.“

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Sozialstaat sorgt für Absicherung

In den Augen von Asiaten gebe es viele Aspekte, die Deutschland für sie interessant mache. Mäurer nannte dabei etwa Planung, Präzision, Kontrolle und Sicherheit, aber auch etwa den Umwelt-, Arten- und Denkmalschutz. Beneidet würden die Deutschen auch um ihren Sozialstaat, der bei Wirtschaftskrisen eine ganz andere Absicherung als in Asien biete. „Bei der weltweiten Krise 2008 gab es überall Auftragsmangel, beim Hiwin-Werk in Taiwan bedeutete das, dass in einer Abteilung zeitweise 200 von 400 Mitarbeiter entlassen werden mussten, also 50 Prozent – die Arbeit dort funktioniert noch viel mehr nach dem alten Bild des Tagelöhners, anfangs haben Beschäftigte etwa nur sieben Tage Urlaub im Jahr“, berichtete Mäurer.

Anderes Frauenbild

In Deutschland sei es auch normal, dass man auf sein Recht bestehen könne, in Asien dagegen habe im Zweifelsfall derjenige, der mehr Machtpotential habe, recht. Auch das Frauenbild sprach Mäurer an. „Die Asiaten glauben wirklich, dass die deutschen Frauen komplett gleichberechtigt seien, was nicht stimmt. Im Vergleich zu Taiwan sei die Rolle der Frau in Deutschland aber sehr modern.

Aufgefallen sei ihm auch, dass im asiatischen Wirtschaftsleben die hierarchische Kommunikation immer mit einem „muss“ statt einem „darf“ verbunden sei. In Asien habe der Chef mehr Autorität als in Deutschland, er sei näher an dem Bild des mächtigen französischen „patron“.

Zielsetzungen fallen oft zu hoch aus

Schwindlig wird dem Hiwin-Geschäftsführer angesichts der wirtschaftlichen Zielsetzungen, die vom Mutterkonzern in Taiwan kommen. Denn diese seien oft utopisch. „Die Ziele werden in der asiatischen Wirtschaft immer viel zu hoch gesteckt, aber wenn man sich anstrengt ohne das Gewollte zu erreichen, ist das schon gut“, sagte Mäurer.

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