Ortenauer Original
Dossier: 

Waldemar Glaser: Passionierter Fußballer und Fasnachter

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 5 Minuten
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29. April 2021

(Bild 1/2) „Lachbolzen“ lautet der Spitzname von Waldemar Glaser, der seinen Witz nicht nur bei den Prunksitzungen der Renchener Narr­halla, deren Ehrenpräsident er ist, beweist Auch als Torhüter hat sich der gebürtige Fautenbacher einen Namen gemacht. Und die Musik spielt im Partykeller, in dem auch die Pokale und Auszeichnungen gesammelt werden. ©Christoph Breithaupt

Selbst an der Erstkommunion seines Juniors stand Waldemar Glaser aus Renchen im Tor: Der passionierte Fußballer hat sich auch mit seinem Witz einen Namen gemacht. Jetzt hofft er, dass bald wieder Normalität einkehrt und er den Stammtisch besuchen kann.

Sein Lachen schallt durch den ganzen Raum und man merkt es gleich: Den Spitznamen „Lachbolzen“ hat sich Waldemar Glaser wirklich verdient. Der Renchener ist eine echte Frohnatur. Er kann über sich selbst lachen und hat Freude daran, andere zum Schmunzeln zu bringen. Im Partykeller der Familie Glaser stehen eine Menge Pokale. Viele davon stammen aus der Zeit, als Waldemar Glaser als Fußballspieler und -trainer aktiv war. Eine der Auszeichnungen ist allerdings noch nicht so alt, sie stammt aus dem Jahr 2018. Da ist Waldemar Glaser auf dem Lautenbacher Weinfest zum Lautenbacher Witzekönig gekürt worden.

Seinen Witz hat der Renchener schon oft bewiesen. Über 30 Jahre lang war Waldemar Glaser bei der Prunksitzung der Renchener Narr­halla ein echter Höhepunkt des Programms. Als Büttenredner hat er das Publikum oft zum Toben gebracht. In den verschiedensten Rollen ist Glaser auf der Bühne gestanden – dabei oft in Frauenkleidern. Die Wände des Partykellers sind voll mit Fotos dieser legendären Auftritte. Sein liebster ist der als „Resl“ in Dirndl und mit Zöpfen. Ins Auge fallen aber auch andere Bilder. Etwa das mit Waldemar Glaser als Domina in Lack und Leder. Für dieses Outfit ist er zum Einkauf in einen Offenburger Sexshop gefahren.

„Der Verkäufer hat nicht schlecht geguckt, als ich gefragt hab, ob die Strumpfhalter wohl passen“, erzählt Glaser und wieder scheppert sein Lachen durch den Raum. Waldemar Glaser ist einer, der über sich selbst lachen kann. Auf der Bühne der Renchener Narrhalla hat er nur zu Beginn seiner Karriere als Büttenredner das Lokalgeschehen durch den Kakao gezogen. Weil das mal nicht so gut angekommen sei, ist er fortan in Rollen geschlüpft und hat sich über sich selbst lustig gemacht.

Der Fasent treu geblieben

2010 hat er als Büttenredner aufgehört, der Fasent ist er aber treu geblieben – zunächst als Sitzungspräsident und anschließend als Ehrenpräsident der Narrhalla Renchen. Über die Jahrzehnte habe sich die Fasnacht verändert, schildert Glaser. Früher sei es im Saal immer ruhig gewesen, wenn eine Büttenrede gehalten wurde. Heute gebe es vermehrt Gruppen, die auch laut Party machen, wenn jemand spricht. Trotzdem sieht der Ehrenpräsident die Entwicklung positiv: „Der junge Vorstand der Narrhalla ist sehr aktiv und hat viele Ideen für Neuerungen“, lobt er die Renchener Narren.

Bevor Waldemar Glaser in den 70er-Jahren in die Renchener Fasnacht einstieg, verbrachte er seine Freizeit auf dem Fußballplatz in Fautenbach, wo er geboren und aufgewachsen ist. Beim SV Fautenbach stand er im Tor. „Ich war etwas dick, da haben sie mich ins Tor gestellt“, begründet er lachend, wie er zu seiner Position kam.

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Erfolgreicher Torwart

Das war wohl keine so falsche Entscheidung, denn Waldemar Glaser war als Torwart richtig erfolgreich und hat fünf Jahre in der zweiten Amateurliga gespielt. Allein für den SV Fautenbach hat er 720 Spiele bestritten. Höhepunkt seiner Fußballzeit war ein Spiel gegen Borussia Mönchengladbach im Jahr 1974. Für den FSV Kappelrodeck, der die Gladbacher anlässlich seines 50. Vereinsjubiläums eingeladen hatte, stand Glaser im Tor. Vor 5000 Zuschauern spielte er eine Halbzeit gegen die frisch gebackenen Weltmeister Berti Vogts, Rainer Bonhof und Jupp Heynckes. „Wir haben 1 : 6 verloren, aber das war völlig egal“, erinnert sich Waldemar Glaser mit leuchtenden Augen.

Trainerkarriere angehängt

Nach der Karriere als Torwart folgte die als Trainer. Die Vereine Mösbach, Zusenhofen, Frei­stett, Ulm, Tiergarten und Fautenbach hat er über die Jahre trainiert. Das ging nur, weil seine Frau Erika diesem Engagement viel Verständnis entgegengebracht hat. „Bei der Kommunion meines Sohnes habe ich meinem Schwiegervater erzählt, dass ich mir bei einem Spaziergang die Beine vertrete. Stattdessen bin ich nach Dundenheim gefahren und hab mich ins Tor gestellt“, berichtet Glaser lachend und fügt hinzu: „Das würde heute keiner mehr machen.“

Erst im Tor, dann auf der Bühne – Waldemar Glaser ist ein vielseitig engagierter Mensch. Auch wenn er keine Büttenreden mehr hält, ist die Bühne dennoch Teil seines Lebens geblieben. Als Hornist bei der Seniorenband Ulm oder als Sänger bei den Renchlerchen und im Hanauerlandchor ist Glaser nun musikalisch engagiert. Dass ihm ein Auftritt vor Publikum Spaß macht, liegt ihm wohl in den Genen. Seine Eltern haben beim SV Fautenbach einst Musik gemacht – die Mutter am Schlagzeug, der Vater mit dem Akkordeon.
Über seine vielen Freizeitaktivitäten sagt der 78-Jährige: „Ich brauche das. Die Geselligkeit ist einfach etwas Schönes“. Seit einem Jahr liegen die vielen Hobbys brach. „Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich jeden Abend zu Hause bin, hätte ich dem den Vogel gezeigt“, bedauert Glaser.

Coronazeit genutzt, um die Scheune aufzuräumen

Die Coronazeit hat der berentete Kraftfahrzeugmechaniker-Meister genutzt, um die Scheune aufzuräumen. Dort lagerte allerlei alte Ausstattung der Fasentwägen der Narrhalla. Wenn die Coronapandemie zu Ende ist, freut sich der Renchener am meisten auf die Geselligkeit. „Dann gehe ich als Erstes zum Stammtisch, dort trifft man immer jemand“, freut er sich schon jetzt darauf, wenn das normale Leben wieder losgeht und man ganz ungezwungen andere Menschen treffen kann.

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