Sturm auf die Geroldseck-Ruine

Was den Besuchern beim Burgfest in Schönberg geboten wurde

Autor: 
Endrik Baublies
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02. September 2018
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(Bild 1/3) ©Endrik Baublies

Der Burgverein hätte sich bei der 28. Auflage des alljährlichen Festes in und um die »Hohengeroldseck« wohl kein besseres Wetter wünschen können. Die Ruine oberhalb des Schönbergs ist am Sonntag fast gestürmt worden. 

Auf der Burg empfing der Ortschaftsrat des Fleckens Schönberg gestern die Wanderer oder – je nach Sicht – Spaziergänger mit Most und Speck. Für etwas ungewohnte Klänge sorgten um die Mittagszeit auf der Bühne unweit des Aufgangs in den Vorhof die »Dixilarius City Stompers«. Auch wenn die Klänge zu den Urtönen des Jazz zwischen 1900 und 1920 gehören, mittelalterlich war das Spektakel nicht. 

Es traten den Tag über die »Line Dancers« aus dem Lahrer »Wilden Westen« oder die »Prinzbach Highlanders« auf. Deren Sackpfeifen sind, archäologisch belegt, etwa 1200 vor unserer Zeit entstanden. Also gut 2000 Jahre vor dem Beginn des Mittelalters. Später unterhielt Heribert Heise aus Seelbach die Besucher mit der Gitarre. Auch das hölzerne Karussell ist beim Burgfest längst ein Klassiker, das Mitglieder der Seelbacher Jugendfeuerwehr mit Muskelkraft und einem modernen Kettenantrieb betreiben. Um die Ecke wartete der »Ruprechtstock«, einst ein Gefängnis der Herren von Geroldseck. 

Auf der den Aufgang gegenüberliegenden Seite des Vorhofs boten Kunsthandwerker und Händler alles mögliche feil, was sich Besucher heute unter Mittelalter vorstellen. Es gab Produkte aus Wolle, Leder, Ton oder Holz, einen Töpfer, einen Waffenschmied und den Stand der Geroldsecker Ritterschaft. Die letzteren rekrutieren sich aus dem Burgverein. 

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Die Waffenschmiede ist fast so alt wie die jetzige Ruine. Die erste urkundliche Erwähnung der Geroldsecker Waffenschmiede stammt aus dem Jahr 1280. Der herrschaftliche Sitz der Geroldsecker oberhalb des Passes zwischen Schuttertal und Kinzigtal ist um 1250 mit einem Palas (Wohnturm) fertiggestellt worden. Der heute zum größten Teil fehlende zweite Palas ist erst nach der Teilung der Herrschaft 1277 gebaut worden.

Dem Ritter folgen

Zum Fest, das seit einem Dutzend Jahren das mittelalterliche Flair hat, gehören Gaukler und anderes fahrendes Volk genauso zum Spektakel – neben den Handwer-kern. Den Rundgang rundete so das Zelt einer Wahrsagerin ab und am Aufgang in den eigentlichen Burghof gab es eine Feuershow. Die Veranstalter und der Burgverein dürften mehr als zufrieden gewesen sein. Der Zustrom kam bereits zur Mittagszeit richtig in Fahrt. Eines war ganz besonders erfreulich: Viele Besucher nahmen einen Fußweg von etwa zwei Kilometern auf den Berg auf sich.

Die Feuerwehr der Gemeinde Seelbach hatte dazu Parkplätze auf der Wiese unterhalb der Burg eingerichtet. Wer sich einigermaßen auskannte, der folgte auf halber Höhe der Straße dem Ritter an der Abzweigung des »Geroldsecker Burgpfades« und dem ausgeschilderten Fußweg zur Ruine. Der ist zwar steiler, aber bedeutet auch eine erhebliche Abkürzung.

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