Ortenau

Weizsäcker: "Energie muss teurer werden"

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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28. September 2016

Diskutierten auf der Oberrheinmesse übers Energiesparen (von links): Kirstin Niemann, Frank Hettler (Landesprogramm »Zukunft Altbau«), Mathias Nikolay (Badennova), Ulrich Kleine (E-Werk Mittelbaden), Experte Ernst Ulrich von Weizsäcker und Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner. ©Christoph Breithaupt

Beim Klimacocktail auf den Offenburger Energietagen gastierte Ernst Ulrich von Weizsäcker auf der Oberrheinmesse. Er setzt auf ein Ping-Pong-Spiel, um dem Klimawandel zu begegnen – und der »Entgierung«.

Bloß nicht mit dem erhobenen Zeigefinger: Wer etwas erreichen möchte in Sachen Energieeinsparung, darf nicht als Moralapostel auftreten. Diese Überzeugung vertrat Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem Impulsreferat beim Klimacocktail am Montagabend. Dazu hatte die Stadt Offenburg den Professor und Buchautoren im Rahmen der zehnten Energietage auf der Oberrheinmesse eingeladen. 

Fünf Erden
Wenn jeder der acht Milliarden Menschen den gleichen energetischen Fußabdruck wie ein Amerikaner hinterlassen würde, »bräuchten wir fünf Erden«, öffnete von Weizsäcker seinen Zuhörern die Augen. Er erläuterte, dass auch die alternativen Energien keine verträglichen Lösungen seien. Nur eines helfe: Konsequent Energie zu sparen. Allerdings: »Den Konsum zu reduzieren ist eine Titanenaufgabe«, für die politisch Verantwortliche und Stromunternehmen eng zusammenarbeiten müssten. Und wenn es gelingt, könnte leicht die nächste Falle zuschnappen: Irgendwo eingesparte Energie wird anderswo wieder verschleudert.
Subventionen verprasst
Doch auch da bot der Experte eine Lösung an, wie er sie auch in seinem Buch »F 5« beschreibt: Energie muss teurer werden. Seine These: »Die Preise für Energie sind abgestürzt, da verliert sich das Interesse an Energieeffizienz.«  Die Subventionen, die verprasst würden, um Energie preiswerter zu machen, bezeichnete er als »absurd«.Dagegen wehrte sich Ulrich Kleine, Vorstand des E-Werks Mittelbaden. Eine Preissteigerung, erklärte dieser, sei seinen Kunden ja kaum zu vermitteln.
Doch Weizsäcker hatte etwas anderes im Sinn, etwas, das er Ping-Pong-Spiel nannte. Wenn der Verbrauch durch den technischen Fortschritt sinke, könne der Kunde so viel bezahlen wie zuvor. Mathias Nikolay, Vorstand von Badenova, berichtete von den Herausforderungen, als regionaler Versorger nicht ausschließlich auf in der Region erzeugten Strom zurückgreifen zu können. Allerdings richtete er den Blick nach vorne: »Neue Modelle« würden gesucht, was von Weizsäcker begrüßte.
Hoffnung, dass die Klimaziele erreicht werden können, hegt von Weizsäcker durchaus. Er sieht eine neue Form von Ich-Bezogenheit. Eine, bei der man mit 18 Jahren nicht mehr am dringendsten ein Auto braucht und eine, in der es gut tut, wenn man nicht übers Energiesparen reden muss, weil man im Passivhaus lebt. Das bestätigte  ein Kommentar in umgekehrter Weise: »Wir reden viel über Energie, nämlich darüber, wer am meisten gespart hat – und das ist ein gutes Gefühl.«

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Positive Erlebnisse
Solche positiven Erlebnisse können auch alle haben, die ihr Haus nachträglich dämmen. Das propagierte der Referent als gesamteuropäisches Projekt. Frank Hettler, Leiter des Landesprogramms »Zukunft Altbau«, sensibilisierte dafür, richtig zu dämmen – oder bei der Sanierung eher einen anderen Baustein anzufassen. »Eine Heizung wird nach 20 Jahren ausgetauscht – eine Hülle nicht.« Deshalb müsse es »sitzen«, wenn jetzt der Aufwand betrieben wird. 
Von Weizsäcker gab den Zuhörern auch Tipps, was sie tun können, um den Klimawandel einzudämmen. Etwa nicht häufiger als alle vier Jahre ein neues Mobiltelefon kaufen oder häufiger auf Rindfleisch verzichten. Auch wer defekte Dinge repariert oder Ungebrauchtes weiter verschenkt, schont die Umwelt.
Bewusstsein wecken
Um Bewusstsein zu wecken, was genau an Ressourcen für ein Produkt verbraucht wurde, forderten einige Anwesende eine Deklarierung des »Wahrheitspreises«. Natürlich könne man den errechnen, aber es verzweige sich so oft, dass es nicht ganz einfach sei. 

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