Kolumne
Dossier: 

Welt der Pilze: Dieses Wunder liegt zu unseren Füßen

Autor: 
Flavius Popa
Lesezeit 3 Minuten
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13. Dezember 2020

Flavius Popa ist Bildexperte beim Nationalpark Schwarzwald. ©Nationalpark Schwarzwald

Flavius Popa ist Biologe und Pilzexperte im Nationalpark Schwarzwald. In seiner Kolumne beschreibt er, weshalb Pilze aus unserem alltäglichen Leben nicht wegzudenken sind und weshalb es wahre Wunderwerke der Natur sind.

Zugegeben, diese Adventszeit ist anders. Kein Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt, kein Plätzchenbacken in geselliger Runde. Dafür viele schlechte Nachrichten, Ängste und Zukunftssorgen. Etwas wehmütig erinnern wir uns da vielleicht an unsere Kindheit, in der die Wochen vor Weihnachten voller kleiner und großer Wunder waren. Voll demütigem Staunen und großer Vorfreude. Das scheint lange vorbei. Dabei sind die Wunder immer noch da. Auf einigen von ihnen trampeln wir tatsächlich ständig herum. Pilze.

Großteils unsichtbar

Jetzt mögen Sie – tatsächlich verwundert – den Kopf schütteln. Pilze? Kennen Sie nur als Champignons in der Pfanne? Dabei ist dieser Fruchtkörper nur der kleinste Teil einer von weltweit geschätzt fünf Millionen Pilzarten. Der größte Teil, auch das nicht untypisch für Wunder, bleibt unseren Augen verborgen. Die fadenförmigen Zellen der Pilze bilden ein unterirdisches Geflecht, Myzel genannt. Ein einziger Pilz kann sich über Quadratkilometer ausdehnen, alle zusammen bilden nach den Insekten die zweitgrößte Organismengruppe und ein eigenes Organismenreich. Seit ich das erste Mal im Studium mehr von dieser wundersamen Welt erfahren habe, hat mich die Faszination nicht mehr losgelassen. Mittlerweile arbeite ich als Biologe im Nationalpark Schwarzwald – und darf immer noch oft staunen.

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Unsichtbar bleiben die Pilze meist auch dann, wenn sie längst ihren festen Platz in unserem Alltag haben. Dass der Wirkstoff im Antibiotikum von einem Pilz stammt, haben Sie vielleicht schon mal gehört. Aber wussten sie, dass Pilze an der Produktion von Legosteinen beteiligt sind? Sie stellen Itaconsäure her, die für den Kunststoff der Bausteine verwendet wird. In Waschmitteln sorgen spezielle Pilzenzyme dafür, dass die Wäsche auch bei niedrigen Temperaturen sauber wird. Sie kommen als alternative Baustoffe zum Einsatz, bei Organtransplantationen helfen sie eine Abstoßungsreaktion des Körpers zu verhindern. Und über Brot, Wein, Bier, Soja und Käse finden sie einen direkten Weg in unsere Mägen.

Symbiosepartner

Auch im Nationalpark spielen die Pilze als Zersetzer von abgestorbener organischer Substanz, als Parasiten von lebenden Organismen und als Symbiosepartner mit verschiedensten Pflanzen und Tieren eine herausragende Rolle. 1500 verschiedene Arten sind bisher aus dem Gebiet bekannt, mehr als ein Viertel der in Baden-Württemberg bekannten Arten. Weltweit werden jedes Jahr in etwa 2000 neue Arten beschrieben.

Trotzdem gehen wir davon aus, dass wir bisher nicht mehr als 2,5 Prozent aller Pilzarten kennen. Wenn es uns gelingt, das bedrohliche Artensterben, von dem Pilze genauso wie Pflanzen und Tiere betroffen sind, einzuschränken – auf wie viele Wunder dürfen wir uns hier also noch freuen

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