Gitarrist aus Achern
Dossier: 

Werner Bohnert: Die Musik und Malerei sind sein Leben

Autor: 
Wolfgang Winter
Lesezeit 5 Minuten
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01. April 2021

Werner Bohnert hat die Band „Catfish“ 1983 gegründet. Als deren Bassist genießt der 67-Jährige schon lange Kultstatus. Das große Bild zeigt ihn in seiner Wohnung in Achern vor einigen seiner Porträtbilder. ©Daniela Busam

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (41): Der Acherner Werner Bohnert ist in der Region seit Jahrzehnten als Bassist der Band „Catfish“ bekannt. Auch als Porträtmaler ist der 67-Jährige erfolgreich.

In Achern ist Werner Bohnert so bekannt wie der berühmte bunte Hund. Über die Hornisgrindestadt hinaus genießt „Catfish“, die Band des beliebten Bassisten, seit vielen Jahren Kultstatus. Die Musik hatte den 67-Jährigen bereits in jungen Jahren fest am Schlafittchen gepackt. Vor dem Stimmbruch sang er im Schülerchor und gab bei Familienfesten brav Heintjes „Mama“ zum Besten.

Dass er Akkordeon- und Trompetenunterricht nahm und bei der Harmonie Oberachern als Flügelhornist agierte, kommt nicht von ungefähr. „Die Begeisterung für das Musizieren habe ich meinem Vater zu verdanken. Er spielte die Klarinette im Musikverein sowie Saxophon und Akkordeon in einer besonders in der Fastnachtszeit gefragten Acherner Tanzkapelle“, erzählt Werner Bohnert.

Greenhorn am Bass

1971 fragte ihn ein Schulfreund, ob er Lust hätte in seiner neu gegründeten Band den Bass zu spielen. Auf Bohnerts Einwand, „damit kenne ich mich aber gar nicht aus“, erhielt er ein optimistisches „Das lernst du schon!“ zur Antwort. Mit ihrem Greenhorn am Bass und Gesangsmikrofon war die Krautrock-Band komplett. Sie nannte sich „Grammophon GmbH“, musste jedoch die Bezeichnung GmbH nach einer Beschwerde der Industrie- und Handelskammer aus dem Namen streichen.

Schlagzeug und Orgel spielte übrigens Carlo Beck, der beliebte, vor zwei Jahren überraschend verstorbene Rock ’n’ Roller und Musikschullehrer.
Bohnerts unbeschwerte Hippie-Zeit, zu der natürlich ein Dreitage-Bart, schulterlanges Haupthaar und Schlaghosen gehörte, endete mit dem Einrücken zur Bundeswehr. Immerhin gab ihm sein Vorgesetzter, ein musikalischer Oberfeldwebel, an den Wochenenden häufig frei, um mit den „Grammophons“ auftreten zu können.

Ausbildung zum Bauzeichner gemacht

Ab 1974 verließ Bohnert die Band und er machte, mehr oder weniger auf Wunsch des Vaters hin, eine Ausbildung zum Bauzeichner. Auf Dauer war ihm diese Tätigkeit jedoch zu trocken. Er studierte an der „Akademie für das Grafische Gewerbe“ in München und machte 1978 den Abschluss als Grafik-Designer. Nach seinem Berufseinstieg in eine Werbeagentur arbeitete er unter anderem ein paar Jahre beim Burda-Verlag und lernte dabei auch seine Chefin, Aenne Burda, kennen und schätzen.

Natürlich begeisterte sich Bohnert in dieser Zeit weiterhin für die Musik. Groß geworden mit den Songs von Black Sabbath, Deep Purple und den Stones war es für ihn ein Muss, die Wurzeln des Rock in den USA zu studieren. Hier konnte er beispielsweise den legendären Chubby Checker mit seinem Hit-Oldie „Let’s Twist Again“ live erleben. Ganz gewaltig ging ihm auch der Sound von ZZ-Top und Lynyrd Skynyrd ins Ohr, deren Songs er schon bald mit seiner neuen Band covern sollte.

„Catfish“ 1983 gegründet

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Bohnert gründete diese Gruppe 1983. Geübt wurde im Keller einer in der Nähe des Offenburger Flugplatzes gelegenen Gaststätte. Mit ihrem 1984 hinzugekommenen Gitarristen Michael Kratschmayr und Schlagzeuger Frank Baumbach war die bis heute aktive Kerntruppe komplett. Sie gaben sich den Namen „Catfish“ und hatten dabei den Byrds-Titel „Lover Of The Bayou“ im Sinn. Der Text bereicherte die altbekannte Fisch-Metapher um eine neue Variante. Der Ausdruck „Cat“ bezeichnet einen „coolen Typen“ oder ausgebufften Musiker. Jimi Hendrix und Canned Heat sangen in der Blütezeit der 68er-Bewegung den wilden „Catfish-Blues“, eine klassische, 1941 getextete Bluesnummer.

Cool, wild und frei fühlte sich auch Bohnerts „Catfish“, dies sollte in ihrer Musik zum Ausdruck kommen. Neben Rock- und Pop-Klassikern von „Wooly Bully“ über den „Hippie Shake“ bis zu „Satisfaction“, erwärmten sie sich besonders für den von den „Stray Cats“ gespielten Neo-Rockabilly. Nach der Premiere im Schutterwälder Jugendzentrum, Gigs bei Motorrad-Meetings und in Schramberger Szene-Clubs steigerte sich ihr Bekanntheitsgrad über Jahre nur in kleinen Schritten.

Gefeierte Einheizer-Band

Ihren Durchbruch schaffte Catfish 1992. In der gerammelt vollen Schwarzwaldhalle Appenweier spielten sie als Vorgruppe von „Smokie“, „Middle of The Road“ und den „Equals“ vor rund 4000 Besuchern. „Wir waren schrecklich nervös. Vor lauter Aufregung vergaß ich meinen Verstärker anzumachen. Alle hörten uns, nur ich selber nicht“, erinnert sich Bohnert. Nach dem ersten Song legte der Bassist den Schalter um und jetzt ging bei „Catfish“ erst richtig die Post ab. Als gefeierte Einheizer wurden sie danach bei Gastspielen von „Manfred Mann’s Earthband“, „Sweet“, „Suzi Quatro“, „The Rattles + The Lords“, der „Spider Murphy Gang“ und den „Puhdys“ verpflichtet.

Nichte agiert als Sängerin

Eine Zeitlang tourten sie als Tributeband des Elvis-Imitators John Doe aus Rastatt. Dabei hatten sie sogar einen TV-Auftritt in der Sendung „Zum Fröhlichen Weinberg“, in der sie als einzige Interpreten live spielten. Abgesehen von der Elvis-Episode gehörte stets ein „Cat-Girl“ zur Band. In den letzten 20 Jahren wird die elektrisierende Catfish-Sängerin Katrin Sauer vom Publikum gefeiert. Die Nichte von „Onkel Werner“ ist die Idealbesetzung für diese Rolle, versteht sie es doch jeden ihrer exaltierten Auftritte zu einem Ohren- und Augenschmaus zu machen.

Neben seiner weiterhin ausgeübten Tätigkeit als Grafiker ist Werner Bohnert seit 15 Jahren als Porträtmaler erfolgreich. 2006, als er noch das Szenelokal Vigo in Achern leitete, malte er 30 Porträts seiner Stammgäste im Pop-Art-Stil. Auf diese Idee wurde auch der Südwestfunk aufmerksam, der ein achtminütiges Feature über Bohnert ausstrahlte. Bis heute ist er ein begeisterter Maler und überzeugt mit gelungenen Porträts von Persönlichkeiten der Pop- und Zeitgeschichte. Dass sich bei den Ausstellungen in der Acherner Galerie Gerd Weismann und Café Mayers in Oberkirch die Besucher in Scharen drängten, ist kein Wunder bei der großen Popularität des Ortenauer Originals.

35 Jahre: Band-Jubiläum 2019

Während „Catfish“ nach ihren ausverkauften Veranstaltungen zum 35-jährigen Band-Jubiläum (2019) von der Pandemie zu einer Zwangspause getrieben wurde, kann sich Werner Bohnert weiterhin in der Malerei künstlerisch ausdrücken. Dass der 67-Jährige tatenlos in Rente geht, ist nicht zu befürchten. Die Musik und die Malerei sind und bleiben sein Leben.

Zur Person

Werner Bohnert

Werner Bohnert wurde am 6. Februar 1954 in Lauf in der Ortenau geboren. Aufgewachsen ist der 67-Jährige in Oberachern, heute lebt er in Achern-Önsbach. Von 1969 bis 1971 besuchte er die Wirtschaftsschule Achern. Danach absolvierte Bohnert bis 1974 eine Bauzeichner-Lehre. Es folgte das Studium in Grafik-Design und Kunst von 1975 bis 1978 an der „Akademie für das Grafische Gewerbe“ in München. Dort erhielt er den staatlichem Abschluss „Grafik-Designer“.
   Daran schlossen sich langjährige Festanstellungen an, unter anderem in der Werbeabteilung des Verlags Aenna Burda in Offenburg von 1981 bis 1984. Den Liveclub Vigo leitete Bohnert von 2003 bis 2017. Die Band „Catfish“ gründete er 1983, mit der er bis heute aktiv ist.

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