Neue Studie

Wie erleben Besucher den Nationalpark Schwarzwald?

Autor: 
Hans Peter-Hegmann
Lesezeit 3 Minuten
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11. Oktober 2018

Susanne Blech (Zweite von links) erläutert drei Studierenden die Eingabe der GPS-Daten. Sie arbeiten an einer Studie des Nationalparks, die das Erleben der Wildnis erforschen soll. ©Hans-Peter Hegmann

Wir wirkt sich der Aufenthalt in der Wildnis auf die Besucher aus? Das will der Nationalpark mit einer neuen Studie herausfinden.

Der Nationalpark Schwarzwald (NLP) entwickelt sich immer mehr auch zu einer Forschungseinrichtung. Dabei geht es nicht nur darum, »eine Spur wilder« zu werden und zu beobachten, wie sich die Natur entwickelt, wenn sie sich frei entfalten darf. Auch sozialwissenschaftliche Fragen, wie der Mensch die Natur erlebt oder wie Wildnis von ihm wahrgenommen wird und wie sie auf ihn wirkt, sollen durch verschiedene Studien erforscht werden. 

Das aktuellste Projekt des NLP in diese Richtung ist die umweltpsychologische Forschung zur Gesundheitsförderung. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Dialog N – Forschung und Kommunikation für Mensch, Umwelt und Natur hatten elf Studierende der Universität Koblenz-Landau und der Hochschule Darmstadt in der vergangenen Woche Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Erholung vom Stress

Wie der Projektleiter, Eike von Lindern von Dialog N erläuterte, ist seit Jahrzehnten in der umweltpsychologischen Forschung belegt, dass der Aufenthalt in naturnahen Umwelten die Erholung von Stress und ermüdeter Konzentrationsfähigkeit fördert. Die Natur muss allerdings als faszinierend erlebt werden und damit ein Kontrasterlebnis zum Alltag ermöglichen. Welche konkrete Rolle dabei die Ausprägung der Wildnis spielt, um noch als positiv wahrgenommen zu werden, sei allerdings in diesem Zusammenhang noch nie untersucht worden. 

Zusammen mit der Umweltwissenschaftlerin Susanne Blech und der Leiterin des Sachbereichs Erholung und Tourismus im Nationalpark, Kerstin Ensinger sowie dem Ranger- und Pädagogenteam wurden drei Wege durch das Schutzgebiet ausgewählt, die unterschiedlich »wilde« Aussichten in die Landschaft und Einsichten in die umgebende Natur bieten. 

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Die Studenten und drei Gäste, die sich spontan angeschlossen hatten, mussten an drei Tagen unterwegs ihre jeweiligen Eindrücke und Empfindungen anhand von Fragebogen beantworten und mit einem Foto dokumentieren. Zusätzlich waren die Probanden mit einem Herzfrequenz-Sensor und GPS-Geräten ausgerüstet. Dadurch wird es möglich, bei der Auswertung die entsprechenden Stellen punktgenau mit den unterschiedlichen Herzfrequenzen zu kombinieren. 

Raus aus dem Labor

»Diese Eindrücke hätte man zwar auch mit visueller Unterstützung im Labor durchführen können und eventuell weitere physiologische Reaktionen sensorisch messen können. Gleichzeit muss man dann aber auf die Einflüsse und Reize durch die Umgebung wie Geräusche, Düfte, Temperatur und Sonneneinstrahlung oder Wind verzichten«, lautet die Erklärung des Projektleiters, auf die Frage, warum man sich für die Feldforschung entschieden habe. 

Zudem hatte Ensinger 2016 im NLP mit ihrer ersten Pilotstudie zu diesem Thema den Grundstein für die besondere Wildnisforschung gelegt. Die Studierenden hatten gleichzeitig die Möglichkeit, selbst raum- und zeitgebundene Daten zu erheben und sich mit den Forschungsmethoden praktisch auseinanderzusetzen. Mit ersten Ergebnissen rechnet Ensinger Anfang nächsten Jahres, schließlich muss jetzt »erstmals ein riesiger Datenberg durchforstet und ausgewertet werden«. Aber wie von Lindern bereits jetzt sagen kann, hat die Methode, Auswirkungen der Wildnis über verschieden Fragen zu erfassen funktioniert. 

Entspannter gefühlt

Das bestätigt die Methodik der Pilotstudie von 2016, bei der Ensinger 111 Parkbesucher mit einer Frage-App auf einen Rundweg mit vier nationalparktypischen Stationen (kultivierter Wald, Pfad mit Heidelbeervegetation, Bannwald mit Totholz und offener Grinde) geschickt hatte. Damals lauteten die Antworten der Teilnehmer durchweg, dass sich die Teilnehmer nach der Runde entspannter fühlten. Das Ergebnis der aktuellen Studie soll in Zukunft den Rangern und Päda-
gogen des Parks weitere Anhaltspunkte für Führungen an bestimmte Orte und Anblicke mit vorhersehbaren Wirkungen dienen.

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