Ortenau

Ortenauer Ausbildungsmarkt: 100 Bewerber auf 125 Plätze

Autor: 
Florence-Anne Kälble
Lesezeit 4 Minuten
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13. November 2018
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©Ulrich Marx

Wie sieht aktuell der Ortenauer Ausbildungsmarkt aus? Diese Frage beantworteten gestern die Offenburger Agentur für Arbeit gemeinsam mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein sowie der Handwerkskammer Freiburg bei einer Pressekonferenz. 

Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen sind zwei Themen, die die Unternehmen in der Ortenau seit einigen Jahren begleiten. Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker zu einem Bewerbermarkt entwickelt. Das war eine der zentralen Aussagen der gestrigen Pressekonferenz zum Ausbildungsmarkt in der Ortenau.

409 offene Stellen

»Es gibt auch in diesem Jahr wieder mehr Ausbildungsplätze als Bewerber«, stellte Horst Sahrbacher, Chef der Offenburger Agentur für Arbeit gleich zu Beginn fest. Während die Bewerberzahlen im Vergleich zum Vorjahr um gut 5,1 Prozent zurückgegangen sind, konnte die Agentur für Arbeit im selben Zeitraum einen deutlichen Zuwachs an Ausbildungsstellen, nämlich 6,3 Prozent, vermelden. Und das bereits zum vierten Mal in Folge. »Auf 100 Bewerber kommen derzeit in der Ortenau 125 Stellen«, erklärt Sahrbacher. Die Folge: Mehr als jede neunte Stelle bleibt unbesetzt. Derzeit noch 25 unversorgten Bewerbern stehen 409 offene Ausbildungsplätze gegenüber. »Gerade in den gewerblich-technischen Berufen haben wir einen Überhang an offenen Stellen, während es im kaufmännischen Bereich wie schon die Jahre zu vor mehr Bewerber als Plätze gibt«, fasste der Chef der Agentur für Arbeit die Lage zusammen.

Obwohl Jugendliche mit Realschulabschluss den Bewerbermarkt dominieren, sind mittlerweile wieder vermehrt Hauptschüler unter den Auszubildenden vertreten. »Der Trend zur schulischen Weiterbildung ist mit 18,3 Prozent weiterhin recht hoch«, fügte Sahrbacher hinzu.

Aufwind bei der IHK 

Steffen Auer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK), ist zufrieden: »Entgegen dessen, was man hört, sind in unserem Kammerbezirk die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.«  Grund dafür sind auch Unternehmen, die nach längerer Zeit wieder ausbilden, um dem Fachkräftemangel aktiv entgegen zu wirken. 

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Auch bei den Schulabschlüssen der Azubis ist laut Auer ein Trend zu erkennen: »Mit mehr als 30 Prozent sind Jugendliche mit 
Abitur und Fachabi vertreten.« Diesen Zuwachs sieht er darin begründet, dass die IHK gemeinsam mit der Agentur für Arbeit verstärkt in Gymnasien für die duale Ausbildung geworben hat. »Wir wollen zeigen, dass nicht jeder, der Abitur hat, auch studieren gehen muss«, fügte der IHK-Präsident hinzu. 

Weniger zufrieden mit der Entwicklung am Ausbildungsmarkt ist Johannes Ullrich, Präsident der Freiburger Handwerkskammer (HWK): »Bis zum 30. September dieses Jahres wurden 2330 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das sind 5,4 Prozent weniger als noch 2017.« Von der Entwicklung ist er jedoch nicht überrascht, denn »wir haben trotz vieler Kampagnen Probleme von der Attraktivität des Handwerks zu überzeugen.« Auf der anderen Seite haben sich in diesem Jahr rund 14 Prozent der

Abiturienten für eine handwerkliche Ausbildung entschieden. »Da zeigt sich seit 2013 ein sanfter Anstieg und es spricht auch für die anspruchsvolle Ausbildung«, fügte Präsident Ullrich hinzu.
 
Einig waren sich die Leiter von IHK, HWK und Agentur für Arbeit, dass sich die Anforderungen – gerade durch die Digitalisierung – an heutige Auszubildende stark gewandelt haben. »Wir benötigen eine höhere Ausbildungsreife, die schulische Ausbildung passt nicht mehr zu den hochtechnologisierten Berufen, die sich in der heutigen Zeit entwickelt haben«, betonte Johannes Ullrich nachdrücklich. 

»Früher musste eine Fachkraft für Lagerlogistik zu packen können und stark sein, heute muss sie sich nicht nur mit speziellen Logistik-Software-Programmen auskennen, sondern auch Fehler erkennen und selbständig beheben«, konstatierte Steffen Auer. 

Weiterqualifizierung

Sicher ist, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften über die Branchen hinweg in der Ortenau steigen wird. Die Berufsbilder verändern sich durch die Industrie 4.0 nachhaltig und das Thema Weiterbildung verliert auch im bestehenden Arbeitsverhältnis  nicht an Aktualität. 

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