Ortenau

Wieso ein Schutzkonzept für Vereine so wichtig ist

Von Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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31. Dezember 2023

©Annette Riedl

"Leser helfen" unterstützt den Verein "Aufschrei", der gegen sexuelle Gewalt kämpft. Unter anderem mit Schutzkonzepten. Ein Praxisbericht. Spendenstand liegt derzeit bei 113.000 Euro.

„Ein Schutzkonzept diskreditiert nicht: Im Gegenteil – es positioniert und profiliert einen Verband oder Verein und steht im Einklang zu den heutigen gesellschaftlichen Normen“, erklärt Ulrike Sutter. Die Schutzbeauftragte für Kinder und Jugendliche gegen Gewalt und sexualisierte Gewalt beim Skiverband Schwarzwald arbeitete seit 2018 intensiv an der Erstellung und Entwicklung des Schutzkonzeptes für den aktuell 193 Vereine und rund 59.000 Mitglieder starken Verband mit.

Zu ihren ehrenamtlichen Aufgaben gehören Offenheit und Orientierung an gesellschaftlichen Veränderungen und Prozessen sowie das Aufgreifen von aktuellen Problematiken mit der Konsequenz, das Schutzkonzept immer wieder auf den Prüfstein zu stellen und gegebenenfalls Veränderungen vorzunehmen. „Eine immer wiederkehrende Überprüfung ist unbedingt erforderlich, um zu gewährleisten, dass ein solches Konzept mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten kann.“

In ihrer beratenden Funktion als schutzbeauftragte Person steht sie extern und intern für jeden, egal ob Einzelperson, Verein oder Verband, zur Verfügung, mit einer telefonischen Erreichbarkeit „rund um die Uhr“.

Zudem führt sie für das Lehrteam von Verband und Vereinen Basis-Schutzschulungen und, jetzt nach fünf Jahren seit der Erstellung, die Fortbildungen durch. Bundesweit knüpft Ulrike Sutter Kontakte von den kleinsten Vereinen über Dachverbände bis hin zur unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) in Berlin. Dabei bringt sie viel Berufserfahrung mit, arbeitete 15 Jahre in der Prävention und setzte sich sehr intensiv mit Betroffenen und Opfern sowie Tatverdächtigen, Tätern und Täterinnen auseinander. Hierbei habe sie Strategien gelernt und entworfen, wie sich Betroffene und Täter Hilfe holen können.

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Beim Fachtag von „Aufschrei“ bot Ulrike Sutter einen Workshop zum Thema „Das Schutzkonzept –aus der Praxis für die Praxis“ an. Ein Schutzkonzept sei mittlerweile ein Qualitätsmerkmal für einen Verband oder eine Institution. „Es stellt einen Schutz für alle anvertrauten Minderjährigen, das Lehrteam, die betreuenden Personen, alle Mitarbeitenden bis hin zum Präsidium und Vorstand dar. Es vermittelt Handlungskompetenz und -sicherheit und verbessert die Kommunikation und die Zusammenarbeit. Ein Verein wird somit zum Schutz- und Kompetenzort.“ Es vermittle zudem Transparenz und sei die Basis für Vertrauen. Hierdurch gelinge es, Gespräche über Gewalt zu enttabuisieren und institutionelle Risikofaktoren zu benennen und zu mindern. Bereits im kommenden Jahr würden Fördermittel für Vereine von der Teilnahme an Präventionsveranstaltungen und Schutzkonzepten abhängig gemacht werden.

Die Umsetzung im Skiverband Schwarzwald sei damals etwas Neues gewesen, das zunächst nicht eingeschätzt werden konnte, insbesondere auch, was die zusätzliche Arbeit anbelange. Mittlerweile habe sich das Bewusstsein verändert. Sei es zuvor fast unmöglich gewesen, das Thema überhaupt zur Sprache zu bringen –„Werden wir jetzt alle unter Generalverdacht gestellt?“– sei der Umgang damit inzwischen selbstverständlich geworden. „Entscheidend ist, dass ein Schutzkonzept nicht in der Schublade verschwindet, sondern gelebt wird.“ Allerdings würde es immer noch Vereine geben, die sagen: „Was sollen wir noch alles ehrenamtlich tun? Unsere Übungsleitenden legen ein erweitertes Führungszeugnis vor, das muss reichen!“

Eine Herzenssache

Ulrike Sutter ist seit fast 20 Jahren selbst im Lehrteam des Deutschen Skiverbands und beim Skiverband Schwarzwald als Mitglied für den Nordic-Bereich tätig. „Der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt ist für mich eine Herzenssache.

Für sie muss der Sport ein sicherer Ort sein, an dem sie vor Übergriffen aller Art geschützt sind, an dem sie ernst genommen, in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden und an dem Werteverlust entgegengetreten wird.“ Genauso wichtig sei auch der Schutz der Personen, die vorwiegend ehrenamtlich, aber auch hauptamtlich im Verein oder Verband tätig sind. „Ein Ort, an dem Eltern ein gutes Gefühl haben, wenn ihre Töchter und Söhne dort mehr oder weniger viel Freizeit verbringen.“

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