300.000 Euro Schaden

Wer steckt hinter dem Orchideenklau im Taubergießen?

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10. Juli 2019
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©Ferdinand Vögele

Wiederholt soll es seit Anfang Mai im Naturschutzgebiet Taubergießen zu Diebstählen von mehreren tausend Knollen seltener Orchideen im Wert von etwa 300.000 Euro gekommen sein. Für die Polizei sind Wildschweine für die Taten verantwortlich. Der Biologe Dietmar Keil widerspricht dieser Darstellung aber vehement. Den Pflanzendiebstahl auf freier Fläche müssen Menschen begangen haben, ist er sich sicher.

Wer steckt hinter dem vielfachen Orchideenklau im Naturschutzgebiet Taubergießen, bei dem ein Schaden von etwa 300.000 Euro entstanden war? Mit dieser Frage beschäftigten sich viele Ermittler der Polizei seit Anfang Mai. Nun dürfte der Fall gelöst sein.

Keine Eile am Tatort

Demnach sei von Beginn an auffällig gewesen, dass die mutmaßlichen Diebe entgegen bisheriger kriminalistischer Erfahrung offensichtlich keine Eile am Tatort hatten. Das schreibt die Polizei in einer Pessemitteilung. Trotz des gewaltigen Aufwands hatten sie sich die Zeit genommen, um die Stängel von den Knollen zu trennen. Auch die Reaktion auf die Berichterstattung und die offensichtliche polizeiliche Präsenz hatte keine abschreckende Wirkung auf die mutmaßlichen Täter. Insbesondere am Tulla-Damm wurden die Ausgrabungen stattdessen scheinbar unbeeindruckt fortgesetzt.

Die Ermittler waren zwischenzeitlich mit vier Experten an dem Fall dran. Sie gingen nach eigenen Angaben mehr als 30 Hinweisen nach, hörten Experten zur Thematik an, werteten Telefonverbindungen aus und richteten groß angelegte Überwachungsmaßnahmen für das Taubergießen-Gebiet ein, um Aufschluss über das Verschwinden der Gewächse zu gewinnen.

Täter wilderer Natur

Aus den Ermittlungen habe sich jedoch keine konkrete Spur ergeben - zumindest keine, die auf eine menschliche Tatbegehung hindeutete. Stattdessen erhärtete sich im Verlauf der Recherchen immer mehr der Verdacht, dass der Verursacher der Schäden eher wilderer Natur ist. Also wurden die Ermittlungen im Bereich von Wildschweinen ausgeweitet.

Wie es heißt, durchforschten die Beamten die betroffenen Bereiche des Naturschutzgebiets mehrfach mit Überwachungstechniken. An Stellen mit Orchideenbewuchs, an denen die Wildschweine gesichtet wurden, waren am nächsten Morgen ausgegrabene Knollen und Orchideenstängel zu finden. Diese glichen den vorherigen Ausgrabungen in Art und Beschaffenheit.

Schaufeln oder Hufe?

Vor der Wildschweinerkenntnis dachten die Beamten, dass für den Klau der Orchideen Schaufeln verwendet wurden. Nun zeigte sich aber, dass das Schneidewerkzeug der Wildschweine eine analoge Spur hinterließ. Noch deutlicher als die bisherigen Hinweise waren für die Polizisten dann aber die DNA-Spuren. Diese wurden an einem frisch ausgehobenen Loch gefunden, ausgewertet und eindeutig einem Schwein zugeordnet.

Nach diesen Erkenntnissen dürfte dann auch klar sein, dass die auf einschlägigen Onlineplattformen und Darknet-Marktplätzen gefundenen Orchideen-Angebote nicht im Zusammenhang mit demDiebstahl im Naturschutzgebiet Taubergießen stehen dürften, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Allerdings: Die Ermittlungen im Internet führten die Beamten zu anderen Straftätern. Diese werden gesondert von den zuständigen polizeilichen Stellen bearbeitet, heißt es.

Biologe widerspricht der Polizei

Ganz anders sieht es Naturschützer und Biologe Dietmar Keil. Gegenüber Baden Online sagte er, dass er am Dienstag drei Stunden gemeinsam mit der Kriminalpolizei an der Pressemitteilung gearbeitet habe. In seiner Version stand darin, dass es sich bei den Orchideendiebstählen auf dem freien Feld bei den Tätern um Menschen handelt. Der Grund laut Keil: »Beim Diebstahl der Orchideen auf freiem Feld wurden nur die wertvollen Hummel- und Spinnenorchideen gestohlen. Wildschweine fressen dagegen alle Knollen.«

Laut Keil sind auch die Experten des Regierungspräsidiums Freiburg davon überzeugt, dass der Diebstahl auf offenem Feld auf das Konto von menschlichen Tätern geht. Markus Adler, Pressesprecher des RP, sagt dazu gegenüber Baden Online: "Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass die Polizei bei ihren umfangreichen Ermittlungen Fehler gemacht hat." Die wird ihre Ergebnisse nun der Staatsanwaltschaft Freiburg übergeben: »Sie entscheidet dann letztlich, wie es weitergeht«, sagt Polizeisprecher Yannik Hilger.

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