Ehemaliger SWR-Nachrichtenredakteur
Dossier: 

Willi Keller ist Krimiautor, Sagenexperte und Kreispolitiker

Autor: 
Von Katharina Reich
Lesezeit 6 Minuten
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15. Oktober 2020

Willi Keller empfindet die Allerheiligen-Klosterruine in Oppenau als einen mystischen Ort. Die kultische Stätte taucht auch in seinen Büchern auf. ©Iris Rothe

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (18): Der gebürtige Oppenauer Willi Keller ist Krimiautor und Sagenexperte. Außerdem sitzt er für die SPD im Kreistag – was sich auch in seinen Büchern widerspiegelt.

Wenn man sich mit Willi Keller in Oppenau zum Gespräch trifft, ist man gleich mitten im Schauplatz seines neuesten Krimis. Im Café im Zentrum des Orts macht seine Kommissarin Tammy in „Tannenruh“ unwissentlich eine bedeutende Begegnung. Auch im ersten Krimi „Irrglaube“ ist Oppenau vertreten. Hier lässt Keller einen der Kommissare auf der Oppenauer Steige verunglücken. Oppenau ist nicht nur einer der Schauplätze der Schwarzwaldkrimis, es ist auch die Heimat Willi Kellers, der in Löcherberg aufgewachsen ist.
 

Eltern legten Wert darauf, dass die Kinder viel lasen

Schon in seiner Kindheit haben Geschichten eine wichtige Rolle gespielt. Willi Kellers Großmutter war dafür eine wichtige Quelle, vor allem für Sagen. Auch Kellers Eltern legten Wert darauf, dass die Kinder viel lasen und eine gute Bildung erhielten. Zwar versuchte sich Willi Keller als Schüler an Gedichten – dass er aber sein Leben einmal schreibend verbringen würde, war noch nicht abzusehen.

 Eigentlich wollte er Lehrer werden. Heute ist er „superfroh“, dass das nicht geklappt hat. Weil er keine Stelle als Referendar erhielt, bewarb er sich um ein Volontariat beim SWF in Hörfunk und Fernsehen. Dem Hörfunk blieb er bis zur Rente treu – als Nachrichtenredakteur. In seiner Freizeit schrieb Willi Keller insgesamt sieben Bücher über Sagen der Ortenau und darüberhinaus. Mit dem Renteneintritt ist aus dem Nachrichtenredakteur und Sagenexperten ein Krimiautor geworden.

Sagen und Krimis haben sehr ähnliche Themen

Sagen, Krimis, Nachrichten. Man könnte meinen, das seien alles völlig verschiedene Arten zu schreiben. Das stimmt aber nur bedingt. Willi Keller sieht hier durchaus Parallelen. „Sagen und Krimis haben sehr ähnliche Themen. Bei beiden geht es um Tod, Gier oder Mord“, erzählt Willi Keller.

Auch in jeder Nachricht erkennt er eine kleine Geschichte. Zwar seien hier die Fakten vorgegeben. Wie man sie formuliert, das habe aber der Redakteur in der Hand. Hier sieht Willi Keller eine Parallele zu seinen Sagenbüchern: „Die Sagen gab es ja schon. Ich habe sie nur bearbeitet.“ Dass Nachrichten spannend sein können, unterstreicht Willi Keller mit einer Anekdote. „Ich hatte beim SWR den Spitznamen ‚Katastrophenwilli‘. Den erhielt ich, weil ich häufig Dienst hatte, wenn irgendwelche schlimmen Dinge passiert sind.“ 

Durch Zufall Autor geworden 

Über die Sagen des Renchtals ist Willi Keller zum Buchautor geworden – eigentlich eher durch Zufall. Ein früherer Apotheker aus Oppenau hatte Anfang der 1980er-Jahre einen Sagenabend veranstaltet und Willi Keller gebeten, die Sagen vorzulesen. Daraufhin war Hans Grießmayer, damaliger Inhaber der Grimmelshausen-Buchhandlung in Oberkirch, auf die Idee gekommen, Willi Keller könnte doch ein Buch mit Renchtäler Sagen herausbringen. Keller sagte zu. „Da wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt“, sagt der 67-Jährige rückblickend. 

Denn mit dem Buch war jede Menge Recherchearbeit verbunden, viel davon in Freiburger Archiven.  Abschreckend kann diese Arbeit allerdings nicht gewesen sein. Auf das erste folgten sechs weitere Bücher mit Sagensammlungen, darunter Ritter- und Burgensagen aus Mittelbaden, Sagen rund um Baden-Baden oder Sagen aus dem Ortenaukreis. Willi Keller kann daher getrost als der Sagenexperte der Region gelten.

Bei Krimis der Fantasie viel Freiheit lassen

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Ist Willi Keller bei den Sagen an die überlieferten Geschichten gebunden, so kann er bei seinen Krimis seiner Fantasie viel Freiheit lassen. Zum Krimischreiben ist er über eine seiner vielfältigen Lesungen gekommen. Am Gifizsee im Amphitheater habe er bereits Sagen und selbst verfasste Märchen gelesen. Irgendwann kam die Idee, für einen solchen kulturellen Abend einen Krimi rund um den Schauplatz Gifizsee zu schreiben.

Später schickte er die Geschichte an einen befreundeten Krimiautor, der ihm riet, das Manuskript dem Verlag Gmeiner vorzulegen, der auf Regionalkrimis spezialisiert ist. „Nach vier Tagen rief mich die Lektoratsleitung an und verkündete, dass sie meinen Krimi gerne veröffentlichen würden“, berichtet Willi Keller.

Vorgaben des Verlags

Doch damit fing die Arbeit erst an. Zwar blieb die grundsätzliche Besetzung und Geschichte des Kriminalromans bestehen, Keller musste die Story aber deutlich ausschmücken und dabei einige Vorgaben des Verlags umsetzen. Es folgten nochmals umfassende Recherchen und jede Menge Schreibarbeit. „Schreiben ist eine knallharte Arbeit“, betont Keller, der nichts davon hält, wenn Autoren ihr Tun romantisieren. In einem Krimi muss alles stimmen, das Lektorat überprüft alle Fakten bis ins Detail.

Für die beiden Krimis hat sich Keller mit Polizeiarbeit genauso beschäftigt wie mit blutrünstigen Stellen der Bibel. Über die psychologischen Profile seiner Kommissare und Täter hat er sich mit seinem Bruder ausgetauscht, der Psychologe ist. Innerhalb von vier Monaten musste der erste Krimi fertig sein. Doch Schreiben unter Zeitdruck ist Willi Keller aus seiner Zeit als Nachrichtenredakteur gewohnt. Dennoch kennt er auch Tage, an denen ihm einfach nichts einfällt, während sich der Abgabetermin nähert. 

Landrat taucht in Krimis auf

Obwohl das Schreiben knallharte Arbeit ist, so kann man Willi Keller auch seine Freude daran anmerken. Wer ihn kennt, wie er bei seinen Moderationen mit einem schelmischen Lächeln auf dem Gesicht verliest, was er sich Originelles hat einfallen lassen, um etwa ein Musikstück anzusagen, kann sich vorstellen, dass Willi Keller auch Spaß am literarischen Morden hat. „Beim nächsten Mal werden Sie angeschossen“, hat Willi Keller nach seinem ersten Krimi dem Ortenauer Landrat angedroht. Und er hat die Drohung wahrgemacht. Der Landrat heißt im Krimi zwar Franz Rescher statt Frank Scherer, die Namensähnlichkeit ist aber unverkennbar. Aber Keller war gnädig: Der Landrat überlebt das literarische Attentat – so viel sei hier verraten. 

Dem Landrat begegnet Willi Keller auch bei seiner politischen Arbeit. Für die SPD sitzt er im Kreistag. „Das macht nicht nur Freude, vor allem, wenn es um die Krankenhausreform geht, von der ich kein Freund bin“, sagt Keller. Politisch sei er bereits als Student gewesen, später war er Stadtrat in Oppenau. 

Politische Themen des Ortenaukreises

Die politischen Themen des Ortenaukreises finden sich auch in den beiden Krimis immer wieder. Die Ideen für seine Geschichten kommen Willi Keller, wenn er mit seinem Hund im Wald unterwegs ist. Später zu Hause schreibt er sie nieder – auf einer Sammlung loser Blätter.

Der Schwarzwald ist für Keller eine mystische Region. Ganz besonders empfindet er das in der Klosterruine in Oppenau. Sie spielt natürlich auch in seinen Krimis eine Rolle. „Allerheiligen ist ein kultischer Ort. Man könnte darüber zig Romane schreiben“, sagt Keller. Die Leser dürfen gespannt sein, ob der Ort auch im nächsten Kriminalroman vorkommt. Erste Ideen für Krimi Nummer drei hat Willi Keller bereits.
 

Zur Person

Willi Keller

Willi Keller kam 1952 in Oppenau-Löcherberg zur Welt. Nach der Volksschule in Löcherberg machte er im Internat der Heimschule Lender in Sasbach 1971 Abitur. In Heidelberg und Freiburg studierte er Politik, Geschichte und Germanistik auf Lehramt. Weil das Kultusministerium beschloss, dass Politiklehrer nur noch von Politologen ausgebildet werden dürfen und es in Baden-Württemberg davon nur 14 gab, erhielt Willi Keller keinen Referendarsplatz. Er machte beim SWF ein Hörfunk- und Fernsehvolontariat und arbeitete bis zum Renteneintritt 2015 als Nachrichtenredakteur beim SWR. Willi Keller ist verheiratet und lebt in Zell-Weierbach. Drei Mal hat Willi Keller zu den Preisträgern des Mundartwettbewerbs „Lahrer Murre“ gezählt.

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