Ortenau

Wo Mensch und Eichhörnchen vespern

Christoph Fischer
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
22. August 2011

Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, kann unglaublich viel entdecken. Das haben die Gewinner von Robbys dritter Sommeraktion getan. Der Besuch des Naturschutzgebiets am Ruhestein war hochinteressant, was auch am engagierten Waldführer Wolfram Hessner lag.

Bäume, die scheinbar aus Steinen wachsen, Pilze, auf denen man trommeln kann, und Klee, den man essen kann – all das haben die Teilnehmer an Robby Rheinschnakes dritter Sommeraktion gesehen, gefühlt, geschmeckt.
Am Mittwoch um 10 Uhr trafen sich die zehn Kinder und ihre Eltern am Naturschutzzentrum Ruhestein (NAZ), das genau an der Grenze von Orte­naukreis und Landkreis Freudenstadt liegt. NAZ-Mitarbeiter Wolfram Hessner erklärte zunächst, was das Besondere an einem Naturschutzgebiet ist: »In einem Naturschutzgebiet sind die Tiere und Pflanzen geschützt – deshalb kommen hier seltene Arten vor.« Privatpersonen dürfen in einem solchen Gebiet nicht jagen – noch nicht mal nach Schmetterlingen.

Ein Jäger darf hier aber Rehe jagen, »weil Bär, Wolf und Luchs gar nicht mehr oder kaum vorhanden sind«, wie der Biologe erläuterte. Doch das wird sich wohl ändern: »Wenn ihr erwachsen seid, werdet ihr im Schwarzwald Wölfe und Luchse sehen«, sagte Wolfram Hessner den Kindern. Diese Tiere waren fast ausgestorben, kehren aber langsam zurück. Dann können diese Raubtiere, die vor Menschen Angst haben, die Rehe jagen. Das ist gut, weil der Wald nicht wachsen kann, wenn es zu viele Rehe gibt. Sie finden kleine Bäumchen nämlich sehr lecker.

Danach ging es im wahrsten Sinne über Stock und Stein – und über einen dicken, weichen Teppich aus Nadeln, die von den Bäumen abgefallen sind. Plötzlich hielt Wolfram Hessner an und bat die Gruppe, still zu sein. Erst jetzt merkten alle, dass in der Nähe ein Vogel sein Lied sang. Im August singen nur noch wenige Vögel – in diesem Fall war es der Fichtenkreuzschnabel. Hier holte Hess­ner zum ersten Mal sein Heft heraus, in dem viele Bilder von Waldtieren zu sehen waren, unter anderem der erwähnte Fichtenkreuzschnabel.
Auf dem weiteren Weg machte der freundliche und witzige Waldführer seine Begleiter immer wieder auf Pilze und Pflanzen aufmerksam. Zum Beispiel auf die Helmlinge – das sind Pilze, die wie kleine Helme aussehen. Oder auf den Sauerklee, den man essen kann. Viele Kinder probierten ihn. Und wie schmeckte er wohl? Sauer natürlich!

- Anzeige -

Die Kinder schauten und hörten aufmerksam zu und merkten sich genau das Aussehen der verschiedenen Pflanzen. So konnten sie sie später selbst am Wegesrand entdecken. Auf richtigen Wegen lief die Gruppe aber fast nie, eher quer durch den Wald. Ein richtiger Abenteuer-Ausflug war das.
In der Natur gibt es sehr lustige Namen. Einen Vogel, dessen Ruf die Teilnehmer der Sommeraktion hörten, heißt »Zilpzalp«. Es hört sich nämlich so an, als würde er »zilp­zalp« rufen. Und unter den vielen Moosarten im Wald befindet sich der Schöne Runzelpeter. »600 Moosarten gibt es im Schwarzwald«, berichtete Wolfram Hessner.

Bei einer Vesperpause konnten die Kinder und Erwachsenen überlegen, was sie bis jetzt alles gelernt hatten: dass auch tote, abgestorbene Bäume wichtig sind, weil Vögel hier Insekten und Würmer finden; dass auf dem Boden keine Tannenzapfen liegen, sondern Fichten- und Lärchenzapfen (von den Tannenzapfen fallen nur einzelne Schuppen herunter); und dass an der Rinde von Bäumen Trommelpilze wachsen. Auf diesen kann man herrlich mit Stöcken trommeln. Der viel größere Teil dieser Pilze ist übrigens nicht sichtbar: Er befindet sich im Inneren des Baumstammes.

»Hier hatte ein Eichhörnchen seinen Frühstücksplatz«, rief Wolfram Hessner, als die Gruppe ein gutes Stück weitergelaufen war. Die Kinder hatten ja bereits gelernt, genau hinzuschauen, und fanden nun fast 15 abgenagte Fichtenzapfen. Nur dünne Stängelchen waren noch übrig. Die Samen hatte das Eichhörnchen verputzt.
Auch die letzte halbe Stunde der Führung war spannend: Die Kinder durften unter den Wurzeln eines riesigen Baumes hindurchklettern. Vor langer Zeit lagen unter den Wurzeln Felsbrocken. Die sind aber irgendwann zerbröselt oder weggetragen worden, sodass sich ein kleiner Tunnel gebildet hat. Außerdem zeigte Wolfram Hessner kleine ausgestopfte Tiere, die er im Rucksack mitgenommen hatte. Einen jungen Siebenschläfer (der sieht ein bisschen aus wie eine Maus) und einige Fledermäuse. Sie alle waren irgendwann gestorben und dann von Tierexperten gefunden worden.

Nach drei faszinierenden Stunden kamen alle am Ausgangspunkt vor dem Naturschutzzentrum an – glücklich und mit viel neuem Wissen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Die Absperrungen sind weg: Vom Startpunkt Breitenbrunnen in Sasbachwalden aus darf wieder gewandert werden.
24.09.2022
Gelände gilt wieder offiziell als Wald
Die Wanderwege am Breitenbrunnen sind wegen der guten Erreichbarkeit und der schönen Natur sehr beliebt. Seit November 2019 waren sie allerdings gesperrt. Seit Freitag darf nun wieder gewandert werden.
Nach einem fünfjährigen Rückgang steigt die Zahl der Fahrraddiebstähle in der Ortenau wieder an. Beliebt sind teure Räder, vor allem E-Bikes und Pedelecs. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
24.09.2022
Zahlen steigen wieder an
Ein Schloss zwischen den Speichen reicht oft nicht: Vor allem sehr teure E-Bikes und Lastenräder sollten unbedingt an Gegenständen fixiert werden. Immer öfter haben es Diebe auf sie abgesehen.
Mit Alisa Höll wurde am Freitagabend beim Ortenauer Weinfest in Offenburg erstmals eine verheiratete Frau zur Ortenauer Weinprinzessin gekrönt. Foto: Christoph Breithaupt
23.09.2022
Gekrönte Hoheit mit Ehering
Alisa Höll aus Kappelwindeck ist die erste Ortenauer Weinprinzessin mit einem Ehering am Finger. Die gekrönte 24-Jährige will spätestens morgen wieder bei der Lese helfen.
Dominik Fehringer ist seit 2016 Geschäftsführer der WRO, die seit Ende Juli 2022 Nectanet heißt. Foto: Nectanet
23.09.2022
Nectanet-Geschäftsführer Dominik Fehringer im Interview
Die Wirtschaftsregion WRO heißt jetzt Nectanet. Geschäftsführer Dominic Fehringer skizziert im Interview die internationaler aufgestellte Strategie. Er erklärt auch, weshalb die Ortenau anders mit dem chinesischen IT-Giganten Huawei umgeht als die USA.
23.09.2022
Meißenheim-Kürzell
Bei einem schweren Arbeitsunfall am Freitagmittag erlitt ein Mann beim Matschelsee bei Kürzell schwerste Verletzungen.
23.09.2022
Achern - Önsbach
Seit seiner Geburt ist der heute 17-jährige Leonhard Joseph blind und auch körperlich eingeschränkt. Für das laufende Schuljahr sucht der aufgeweckte und ehrgeizige junge Mann dringend eine Assistenzkraft, die ihn im Schulalltag unterstützt.
Nicole Kist am Tag ihrer Wahl zur Ortenauer Weinprinzessin vor drei Jahren. Archivfoto: Ulrich Marx
23.09.2022
„Ich habe mich weiterentwickelt“
Nicole Kist wurde 2019 zur Ortenauer Weinprinzessin gekürt. Dann kam Corona und die 25-Jährige verlängerte ihre Amtszeit um ein Jahr. Als Botschafterin des Ortenauer Weins war sie deshalb auch in Südafrika unterwegs.
23.09.2022
Inzidenz und mehr
Wie entwickeln sich die Corona-Infektionszahlen im Ortenaukreis? Unsere Übersicht gibt den aktuellen Stand mit Zahlen vom Land und den Kommunen.
Wer schwerbehindert ist, hat nicht unbedingt einen Rollstuhl. Viele Behinderungen mit einem Grad ab 50 sind auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen, zum Beispiel Asthma, schwere Migräne oder nervliche Krankheiten. Foto: Jens Büttner/dpa
23.09.2022
Ortenau
Wer schwerbehindert durchs Leben gehen muss, den hat es oft hart getroffen. Landratsamt und VdK helfen dabei, die Umstände erträglicher zu machen. Wichtig ist, falsche Scham abzulegen und sich den Behindertenausweis zuzulegen.
127 Oldtimer vom Vorkriegs-Modell bis Baujahr 1975 rollen zur Baiersbronn Classic auch durchs Kinzigtal. In Wolfach gibt es für die Fahrer am Freitag eine kurze Pause für eine kulinarische Durchfahrtskontrolle.
22.09.2022
Wolfach
„Ein fahrendes Automobilmuseum mit 127 Teams aus 14 Ländern, das Oldtimerfreunde faszinieren wird“, versprechen die Organisatoren der Baiersbronn Classic.
In der Pfarrgemeinde St. Gallus wurden von 1967 bis 1991 zahlreiche Ministranten auf das Schwerste und systematisch sexuell missbraucht.
22.09.2022
Abgründe des »Bubepfarrers« in Oberharmersbach
Laura Müller und Rebecca Huber recherchierten in der Schulzeit zum Missbrauchsskandal in Oberharmersbach. Aufgrund der aktuellen Debatte um das Pfarrhaus Oberharmersbach, stellt die Mittelbadische Presse das Interview von 2011 aus dem Archiv zum Lesen zur Verfügung.
Fachkräfte werden dringend gesucht. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz gelingt es Unternehmen deutlich einfacher, Arbeitnehmer aus dem Ausland einzustellen.Foto: dpa
22.09.2022
Vereinfachte Prozesse
Fachkräfte aus dem Ausland: 275 von 600 Arbeitnehmern sind in der Ortenau untergekommen. Neues Gesetz vereinfacht Prozesse, Anerkennung von Qualifikationen aber weiterhin schwierig.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Es ist angerichtet - die Gäste können kommen - zur großen Küchenparty, die am 28. September ab 18.30 Uhr im Hotel Liberty "steigt".
    16.09.2022
    Hotel Liberty: Sich von Sterneköchen verwöhnen lassen
    Das Ambiente allein im Offenburger Hotel Liberty lässt jeden Aufenthalt zum Erlebnis werden. Ist Party angesagt, dann potenzieren sich Location, Kulinarik und Show noch einmal. Alles zusammen ergibt eine einmalige kulinarische Reise – genannt Küchenparty.
  • Das repräsentative Gebäude von Möbel Seifert in der Acherner Innenstadt. Auf fünf Etagen gibt es aktuelle Wohnideen zu sehen.
    11.09.2022
    Möbel Seifert in Achern: Beste Preise zu besten Leistungen
    Man spürt es deutlich: die Tage werden kürzer, die Hitze weicht angenehmen spätsommerlichen Temperaturen. Bald ist die Draußenzeit vorbei und wir sehnen uns nach einem gemütlichen, kuschelig eingerichteten Zuhause. Dafür ist Möbel Seifert in Achern der ideale Partner.
  • Edel und funktional - eine der 30 Musterküchen, die bei Möbel RiVo in Achern-Fautenbach im Maßstab 1:1 zu besichtigen sind.
    09.09.2022
    Besuchen Sie Möbel RiVo in Achern-Fautenbach
    Küchenkauf ist Vertrauenssache. Es geht schließlich um eine Investition, die Jahrzehnte gute Dienste leisten und Freude machen soll. Die Experten von Möbel RiVo verfügen über langjährige Erfahrung, denn das familiengeführte Unternehmen existiert seit 50 Jahren.
  • Vor 175 Jahren verkündeten im Salmen die "entschiedenen Freunde der Verfassung" den ersten freiheitlich-demokratischen Grundrechtekatalog. Beim Freiheitsfest lebt dieser historische Meilenstein wieder auf.
    07.09.2022
    Heimattage: Großes Landesfest mit Zapfenstreich und Umzug
    175 Jahre Offenburger Forderungen, 70 Jahre Baden-Württemberg, Freiheitsfest, Museumsfest: Was am 10. und 11. September in Offenburg im Rahmen des Landesfestes geboten wird, sucht seinesgleichen. Außergewöhnliches Highlight ist der Große Zapfenstreich am Samstagabend.