Ortenau

Zu Weihnachten eine Niere als Geschenk

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. November 2014

Julian Hertweck aus Achern freut sich über den »schönsten Sommer in seinem Leben«. Den genoss er dieses Jahr nach einer Nierentransplantation 2010. Foto: Katharina Reich ©Katharina Reich

Als Julian Hertweck aus Achern 14 Jahre alt war, hörten seine Nieren plötzlich auf zu arbeiten. Mehrere Jahre war er in der Freiburger Uni-Kinderklinik in Behandlung. Für die Klinik bittet die Leser-helfen-Aktion der Mittelbadischen Presse um Spenden.

Achern. Julian Hertweck geht es gut, richtig gut. »Ich hatte den schönsten Sommer meines Lebens«, erzählt der junge Mann und strahlt dabei über das ganze Gesicht. »Eigentlich habe ich erst dieses Jahr so richtig begonnen zu leben«, fügt er nachdenklich hinzu.

Seit Weihnachten 2010 hat Julian eine neue Niere. Dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis er die durch seine Gesundheit neu gewonnene Freiheit richtig zu nutzen lernte. »Ich hatte eine Art Blockade, war eher Einzelgänger und saß immer daheim«, schildert er sein früheres Leben. Ob dieses Leben mit angezogener Handbremse etwas mit seiner Nierenkrankheit zu tun hatte oder nicht, kann er nicht sagen. Sei auch egal, schließlich gehe es ihm jetzt so richtig gut.

Das war nicht immer der Fall. Als Julian acht Jahre alt war, erkrankte er an einer Harnleiterinfektion und wurde an der Harnröhre operiert. Infolge dieser Infektion stellten seine Nieren die Entwicklung ein. »Es kann auch sein, dass eine familiäre Veran­lagung Mitgrund für die Erkrankung ist, denn mein Vater hatte Schrumpfnieren. So richtig verstanden habe ich die Ursache nie«, berichtet Julian Hertweck.

- Anzeige -

Bis er 14 Jahre alt war, arbeiteten seine Nieren weiter, dann stellten sie ihren Dienst plötzlich ein. Wegen eines Magen-Darm-Infekts war er zum Arzt gegangen, der wies ihn gleich ins Krankenhaus ein. Der Leidensweg begann.
Um die Funktion der Nieren zu ersetzen, nämlich das überschüssige Wasser aus dem Körper und die Giftstoffe aus dem Blut zu entfernen, wurde Julian Hertweck ein Katheter in die Bauchhaut eingenäht, um damit nachts eine Bauchfelldialyse durchzuführen.
Bauchfell umspült
Dabei wird über den Katheter eine Spüllösung eingelassen, die das Bauchfell umspült und die Giftstoffe aus dem Blut schwemmt. »Das erste Jahr war eine Katastrophe«, erzählt der heute Zwanzigjährige. Der Katheter war verstopft, musste gesäubert und ausgetauscht werden.
Fünf Operationen hat Julian im Jahr 2009 über sich ergehen lassen müssen. Im zweiten Jahr ging es besser, allerdings erkrankte er mehrfach an Bauchfellentzündungen und musste immer wieder stationär in der Uniklinik bleiben. Am 23. Dezember 2010 – Julian war gerade nach einem Aufenthalt im Krankenhaus wieder zu Hause angekommen – klingelte das Telefon: »Sie müssen sofort kommen. Wir haben eine Niere«, lautete die Botschaft. Um 24 Uhr lag Julian bereits im OP – zu Weihnachten gab es eine neue Niere.

»Nach der Transplantation ging es mir so richtig dreckig. So etwas wünsche ich keinem«,  berichtet Julian über seine Zeit auf der Intensivstation. Aber er hatte großes Glück: Die Niere funktionierte vom ersten Tag an prächtig. Julian muss zwar Medikamente nehmen, ansonsten führt er aber ein völlig normales Leben.

Dass er ein fremdes Organ in sich trägt, bereitet ihm keine Probleme. »Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Ich dachte, das sei komisch für mich, aber das ist es nicht« sagt er. Geholfen habe ihm auch ein Seminar mit anderen nierenkranken Jugendlichen: »Dort habe ich viele nette Leute kennengelernt und das hat mir die Angst genommen.«

Gerade hat Julian sein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Tagesstätte für Demenzkranke abgeschlossen, jetzt laufen Bewerbungsgespräche für eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Für seine Zukunft wünscht sich Julian Gesundheit und dass es einfach so bleibt, wie es gerade ist. »Ich genieße mein Leben in vollen Zügen«, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 21.03.2019
    In Friesenheim-Oberschopfheim
    Klasse statt Masse und Lebensmittel aus der Region – dieser Lebensstil ist nicht erst seit gestern immer mehr Menschen wichtig. Doch für viele ist es schwierig, diese Produkte vor Ort zu finden. Abhilfe schaffen hier kleinere Lebensmittelläden, wie „Xaver‘s Landmarkt“ in Oberschopfheim. Das Angebot...
  • 20.03.2019
    Eröffnung am 30. März
    Beim Grillen wird es jetzt richtig heiß: Der Obi Markt in Offenburg eröffnet am Samstag, 30. März, seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« – und macht sich zur Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. Zur...
  • 19.03.2019
    Kehl
    Zum 29. Mal können Gäste am Wochenende des 30. und 31. März in der Kehler Innenstadt den Kehler Autopark besuchen. Eingerahmt ist er in ein Frühlingsfest, der Sonntag ist außerdem verkaufsoffen.
  • 28.02.2019
    Kehl-Kork
    Traumhafte Bäder in den verschiedensten Varianten, zugeschnitten auf die individuellen Wünsche des Kunden - dafür stehen die Experten von Badtraum in Kehl-Kork seit 11 Jahren. Das Besondere dabei: Badtraum liefert alle Leistungen aus einer Hand und steht den Kunden von der Planung bis zum Einbau...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 7 Stunden
Am Freitag geht es los
Die Forst Live feiert in Offenburg ihr 20-jähriges Bestehen: In Kombination mit der Wild & Fisch hat sich die Messe zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Auch für die aktuelle Ausgabe werden wieder über 33.000 Besucher erwartet.
vor 8 Stunden
Kehl
89 Shisha-Bars gab es in Kehl noch vor wenigen Monaten, inzwischen hat sich ihre Zahl auf 47 verringert. Grund sind die Auflagen, die sich aus der im November von der Stadt erlassenen Allgemeinverfügung ergeben. 
vor 9 Stunden
Europa-Park
Die neue Wasserwelt »Rulantica« des Europa-Parks in Rust eröffnet am 28. November. Das bestätigte ein Parksprecher am Montag der Mittelbadischen Presse. Auch zu den Eintrittspreisen gibt es jetzt konkrete Zahlen.
Peter Weiß (CDU) und sein französicher Kollegen Antoine Herth aus Selestat im Gespräch mit Schülern aus Lahr und Erstein.
vor 17 Stunden
Berufsmesse "Beruf und Co."
»Grenzgänger« ist ein Projekt, dass den Austausch beiderseits des Rheins erleichtern soll. Viele Tipps aus der Praxis unterschiedlicher Berufe rundeten das Angebot am Samstag bei der Messe »Beruf & Co.« ab.  
vor 17 Stunden
Mobilen Pflegedienst aufgebaut
Rolf Küderle ist tot. Der Unternehmer hatte Offenburgs ersten mobilen Pflegedienst aufgebaut. Die Familie möchte das Unternehmen in seinem Sinne weiterführen.  
vor 17 Stunden
Rust
Ein Großfeuer hat im vergangenen Jahr Teile des Europa-Parks zerstört. Ein Jahr danach sollen abgebrannte Gebäude wieder stehen. Weitere Neubauten folgen. Die Behörden haben den Plänen zugestimmt.
vor 18 Stunden
Wetter
Auf strahlenden Sonnenschein am Wochenende folgt ein verregneter Montag in der Ortenau. Aber das graue Wetter hält nicht lange – schon Mitte kommender Woche ist die Sonne wieder da.
vor 21 Stunden
Ortenau
Spargel- und Erdbeerbauer im Ortenaukreis machen sich zunehmend Sorgen um ihre Betriebe. Grund dafür sind fehlende Erntehelfer, der steigende Mindestlohn und die Konkurrenz aus dem Ausland.
vor 22 Stunden
Achern
Ausbildungsbotschafter werben und informieren in Schulen für einen bestimmten Beruf. Im Acherner Bildungszentrum für Gesundheits- und Pflegeberufe wurden kürzlich 20 Auszubildende zu solchen Botschaftern weitergebildet – darunter auch zwei vom Ortenau-Klinikum.
24.03.2019
Kehl
Bei einer mehrstündigen Großkontrolle an der B28 bei Kehl sind der Polizei am Freitag diverse Verstöße aufgefallen. Es gab auch drei Festnahmen.
Unproblematisch kann der Jahrgang 2018 abgefüllt werden: Die Ortenauer Weinerzeuger scheinen nicht unter den knapper werdenden Flaschen zu leiden. Weil Glashütten die Wannen warten, kommt es andernorts zu Engpässen.
24.03.2019
Wein-Jahrgang 2018
Vorgesorgt haben die Winzergenossenschaften und Weingüter der Ortenau in Sachen Glasflaschen. Während die Branche über Lieferengpässe klagt, können sich die Betriebe in der Region auf ihre Großhändler verlassen. Nur Sonderformen sind nicht spontan erhältlich. 
Zum Verband des Bunds Heimat und Volksleben gehören rund 200 Vereine, die das Brauchtum durch das Tragen der etwa 500 verschiedenen Trachten auch heute noch lebendig halten.
24.03.2019
Renaissance des Brauchtums
Der badische Bund Heimat und Volksleben hat sich in der Friesenheimer Sternenberghalle zur Mitgliederversammlung getroffen. Neben einem Ausblick und zwei angekündigten Abschieden gab es zahlreiche Ehrungen für einzelne Vereine des Verbands.