Offenburg/Lahr

Zwei Krankenhäuser konkurrieren um Herzinfarkt-Patienten

Autor: 
Redaktion
Lesezeit 3 Minuten
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09. Juli 2018
Rund 280 000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt. In Lahr haben sich gleich zwei Kliniken auf diese Patienten spezialisiert.

Rund 280 000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt. In Lahr haben sich gleich zwei Kliniken auf diese Patienten spezialisiert. ©Image Point FR / Shutterstock

Noch immer erleiden viele Menschen einen Herzinfarkt. In Lahr konkurrieren mit dem Ortenau-Klinikum und dem Mediclin-Herzzentrum gleich zwei Häuser um die Patienten. 

In den vergangenen rund 30 Jahren haben die Mediziner am Ortenau-Klinikum in Lahr rund 50.000 Herzkatheter-Eingriffe durchgeführt. Das geht aus einer Pressemitteilung des Klinikums hervor.  Die Klinik unterstreicht damit ihre Rolle als hoch qualifiziertes Zentrum für die Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen. Nach 30 Jahren zähle die spezialisierte Herzdiagnostik mit einem angegliederten Herzinfarktzentrum und einer Brustschmerz-Einheit (Chest Pain Unit) zu den größten Zentren der Herzinfarktbehandlung in Baden-Württemberg.

Die Zahlen des Ortenau-Klinikums relativieren sich allerdings etwas, wenn man sie mit denen des Mediclin-Herzzentrums vergleicht, das sich ebenfalls in Lahr befindet. »Uns gibt es dort seit 24 Jahren. Wir haben in dieser Zeit rund 40 000 normale Herzkatheter eingesetzt«, erläuterte Christoph Rieß, bis zum 1. Juli kaufmännscher Leiter der Klinik.  

»Die Möglichkeiten und Techniken der interventionellen Kardiologie haben sich in den vergangenen 30 Jahren enorm verbessert und erweitert«, sagt Manfred Mauser, der seit 2004 als Chefarzt der Medizinischen Klinik am Ortenau-Klinikum in Lahr für den Herzkathetermessplatz verantwortlich ist. 

Unverändertes Prinzip

Dabei sei das Prinzip einer Herzkatheter-Untersuchung seit den Anfängen unverändert, erläutert das Ortenau-Klinikum. Ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) werde über Blutgefäße in den Körper eingeführt. Den Katheter schiebe der spezialisierte Arzt dann unter Röntgenkontrolle bis zu den Herzkranzgefäßen oder den Herzkammern vor. Mit Hilfe eines Röntgen-Kontrastmittels könne der Arzt die Herzkranzgefäße auf dem Röntgenbildschirm sichtbar machen und sie eingehend überprüfen. Über 2200 dieser diagnostischen Eingriffe werden in Lahr am Ortenau-Klinikum nach eigenen Angaben pro Jahr vorgenommen.

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Der Herzkatheter kommt heutzutage nicht nur als Diagnoseverfahren zum Einsatz, sondern auch in der Therapie verschiedener Herzerkrankungen – beispielsweise bei einem Herzinfarkt, heißt es. Am häufigsten werde dabei die sogenannte Ballondilatation durchgeführt, um eine verengte oder verschlossene Stelle eines Herzkranzgefäßes zu öffnen. An der Spitze eines feinen Schlauches befinde sich dann ein zusammengefalteter Ballon, der an der Engstelle aufgebläht wird und diese dadurch weitet. 

In den meisten Fällen werde gleichzeitig ein auf dem Ballon aufgebrachter Stent (Gefäßstütze aus Edelstahl) entfaltet. Dieser solle verhindern, dass sich die aufgedehnte Engstelle nach Entfernen des Ballons wieder verschließt. Über 900 dieser therapeutischen Eingriffe nehmen die Herzspezialisten am Ortenau-Klinikum in Lahr jedes Jahr vor. 600 sind es laut Rieß bei Mediclin in Lahr

Über 600 dieser Eingriffe führt das Ortenau-Klinikum nach eigenen Angaben bei einem schweren akuten Herzinfarkt aus, der ein schnelles Eingreifen erfordert, um das Leben des Patienten zu retten. Vor zehn Jahren habe Manfred Mauser dafür das Herzinfarktzentrum gegründet. »Das sind etwa 90 Prozent aller Herzinfarktkatheter-Eingriffe bei Einwohnern des Ortenaukreises«, so Mauser. Der Mediclin-Mann Rieß zeigte sich angesichts dieser Zahlen skeptisch.  An seinem Haus würden rund 600 Herzinfarktkatheter-Eingriffe pro Jahr durchgeführt. 

Bei rund 97 Prozent der Patienten kann das verschlossene Herzkranzgefäß durch einen Notfallkathetereingriff wieder erfolgreich geöffnet werden, schreibt das Ortenau-Klinikum. Die Versorgungsqualität liege damit in der Ortenau auch im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch.

Ein Herzinfarkt äußert sich insbesondere durch einen akuten Brustschmerz. Er ist auch das häufigste Symptom, mit dem Patienten in die Notaufnahme oder Klinik-Ambulanz kommen. »Wichtig ist daher, diese Beschwerden möglichst rasch und zielgerichtet abzuklären und die Patienten so schnell wie möglich der richtigen, manchmal lebensrettenden Behandlung, zuzuführen«, so Mauser. 

Hintergrund

50.000 Tote durch Herzinfarkte

Rund 280 000 Menschen erleiden in Deutschland Jahr für Jahr einen Herzinfarkt, heißt es in der Pressemitteilung des Ortenau-Klinikums. Über 50 000 sterben an einem akuten Herzinfarkt, heißt es weiter. Zwar sei diese Zahl rückläufig, dennoch gehöre der Herzinfarkt nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrieländern. Zu einem akuten Herzinfarkt komme es, wenn sich ein Herzkranzgefäß verschließe und ein Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet sei. Gelingt es nicht, das verstopfte Herzkranzgefäß schnellstens wieder zu öffnen, sterben Teile des Herzmuskels ab. Im schlimmsten Fall versagt das Herz ganz. 

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