Verein Leben mit Behinderung Ortenau wächst

Zwei Vereine der Behindertenhilfe in der Ortenau verschmelzen

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16. August 2022
Vertreter der beiden in der Behindertenhilfe aktiven Vereine stellten bei einem Pressegespräch die Verschmelzungspläne vor (von links): Joachim Haas und Wolfgang Dürr, beide hauptamtliche Vorstände des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau, sowie Heinz Kuhn, Achim Schwab und Margret Oelhoff vom Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Lahr.

Vertreter der beiden in der Behindertenhilfe aktiven Vereine stellten bei einem Pressegespräch die Verschmelzungspläne vor (von links): Joachim Haas und Wolfgang Dürr, beide hauptamtliche Vorstände des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau, sowie Heinz Kuhn, Achim Schwab und Margret Oelhoff vom Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Lahr. ©Peter Heck

Der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Lahr geht rückwirkend zum 1. Juli im größeren Verein Leben mit Behinderung Ortenau auf. Beide Seiten erhoffen sich dadurch Verbesserungen.

Der Verein Leben mit Behinderung Ortenau gewinnt deutlich an Größe: Bei einem Pressegespräch in der Geschäftsstelle der „Aktion Treffpunkt“ in Lahr wurde jetzt bekannt gegeben, dass der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Lahr rückwirkend zum 1. Juli in dem größeren Verein aufgehen wird. Schon seit Längerem hatte es Kooperationen gegeben, teils auch Doppelmitgliedschaften. Der Verein Leben mit Behinderung Ortenau wird damit künftig verstärkt auch in der südlichen Ortenau aktiv sein.

„Wir waren schon in der Vergangenheit im Raum Lahr mit einigen Angeboten präsent, haben etwa Kinder mit Behinderungen in Kitas und Schulen unterstützt, bis runter nach Kappel-Grafenhausen“, sagte Joachim Haas, einer der beiden hauptamtlichen Vorstände des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau. Die bisherigen Angebote des Lahrer Vereins durch Ehrenamtliche sollen fortgeführt werden. „Zusammen sind wir stärker“, betonte Haas. Gemeinsam könnten die Dienstleistungen erweitert und ausgebaut werden. „Wir wollen unsere Infrastruktur den Menschen im Raum Lahr besser nutzbar machen und dabei keine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten sein“, sagte Wolfgang Dürr, ebenfalls hauptamtlicher Vorstand des Vereins.

Erste Überlegungen zu der Verschmelzung gab es schon 2018, berichtete Haas. Die ersten Kontakte gingen dabei vom Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Lahr aus. Dieser wird überwiegend durch Ehrenamtliche getragen: Er wurde 1967 gegründet, hat aktuell 137 Mitglieder und 25 Mitarbeiter im Ehren- und Hauptamt. Zuletzt betreute der Verein laut Kuhn 35 Menschen.

Gute Atmosphäre

Zwar drei Jahre später gegründet, aber deutlich größer ist der Verein Leben mit Behinderung Ortenau (287 Mitglieder, 332 Mitarbeiter im Ehren- und Hauptamt und etwa 330 Betreute in der gesamten Ortenau). Aber: „Die Verschmelzungs-Gespräche fanden immer in einer guten Atmosphäre statt. Es gab nie den Eindruck, dass von der einen Seite ein professioneller Verein kommt, und von der anderen Seite die Ehrenamtlichen“, sagte Heinz Kuhn, Vorsitzender des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte Lahr.

„Ich freue mich auf die Verschmelzung und denke, dass wir gemeinsam unsere Interessen besser vertreten können. Künftig muss in der Ortenau nicht mehr zwischen den beiden Vereinen unterschieden werden“, sagte Kuhn, der 19 Jahre lang Vorstand des Lahrer Vereins war.

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Er erhofft sich dadurch auch besser genutzte Aktionen. Der Lahrer Verein habe seit vielen Jahren für Ausflüge immer einen Reisebus geordert. „In den letzten Jahren war es so, dass der nicht mehr voll besetzt war. Mit den zusätzlichen Mitgliedern des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau tragen sich solche Aktionen sicherlich wieder besser“, sagte Kuhn.

Die gleichen Ziele

Bei den Gesprächen habe sich schnell herausgestellt, dass beide Seiten die gleichen Ziele verfolgen, so Kuhn. Neben Corona führte auch eine Umstrukturierung beim Verein Leben mit Behinderung Ortenau dazu, dass die Verschmelzung erst jetzt durchgeführt wird. 

Das rasante Wachstum in den vergangenen Jahrzehnten führte 2020 zu einer Neuaufstellung: „Dabei haben wir uns bewusst dagegen entschieden, eine gemeinnützige GmbH zu werden. Wir sind ein Verein geblieben, wollen die Bodenhaftung nicht verlieren. Im Fokus sollen immer die Bedürfnisse der Familien stehen“, berichtete Dürr. Seit 2020 operiert der Verein mit einem hauptamtlichen Vorstand und einem Aufsichtsrat.

Und im Aufsichtsrat seien vier Plätze freigehalten worden, die künftig durch Mitglieder des jetzigen Vorstands des Lahrer Vereins besetzt werden, sagte Dürr. Der Lahrer Verein bietet etwa Mitgliederausflüge, Infoveranstaltungen und Weihnachtsfeiern an, beim Verein Leben mit Behinderung Ortenau gibt es dagegen unter anderem das Haus Damasina in Schutterwald, ein Wohnheim in Renchen oder etwa das Servicehaus in Achern-Gamshurst mit Betreutem Wohnen. 

Die Verschmelzung wird rückwirkend zum 1. Juli erfolgen – aus organisatorischen Gründen. „Es müssen rechtliche Vorgaben eingehalten werden, etwa dass beide Vereine eine Vermögensaufstellung vorlegen müssen, die nicht älter als acht Monate sein darf“, berichtete Dürr.

Jetzt müssen noch jeweils die Mitglieder auf den Jahreshauptversammlungen der Vereine, die im Oktober stattfinden, der Verschmelzung zustimmen – das sei aber nur noch eine Formalie, betonten Kuhn und Dürr. Die Abstimmungen seien lange vorbereitet worden, und die Mitglieder selbst hätten die Vorstände mit den Verschmelzungs-Plänen beauftragt.

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