Ortenau

Zwischenfall am »Panzergraben«

Autor: 
Josef Budai
Lesezeit 3 Minuten
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17. November 2008
Foto: Christoph Breithaupt - Das Rheinauer Bündnis "Bunt statt Braun" hatte zu einer Kundgebung auf dem Freistetter Marktplatz geladen.

Foto: Christoph Breithaupt - Das Rheinauer Bündnis "Bunt statt Braun" hatte zu einer Kundgebung auf dem Freistetter Marktplatz geladen.

Während NPD-Anhänger am gestrigen Volkstrauertag wieder zum Ehrenmal »Panzergraben« bei Rheinau-Memprechtshofen kamen, lud das Bündnis »Bunt statt braun« zu einer Kundgebung auf den Freistetter Marktplatz ein.

Rheinau. »Schöner leben ohne Nazis«, lautete das Motto einer Kundgebung des Rheinauer Bündnisses »Bunt statt Braun«, die gestern Nachmittag auf dem Marktplatz in Freistett stattfand. Anlass der Veranstaltung war das alljährlich stattfindende »Heldengedenken« am Ehrenmal »Panzergraben« bei Rheinau-Memprechtshofen, zu dem die NPD auch jetzt wieder aufgerufen hatte.
Mehrere Festnahmen
Nachdem es im vergangenen Jahr beim »Panzergraben« – dank entsprechender Polizeipräsenz – friedlich zugegangen war, kam es diesmal zu einem Zwischenfall. Ein Info-Stand des Rheinauer Bündnisses, aufgestellt direkt an der Zufahrt – etwa 300 Meter vom Ehrenmal entfernt, wurde von Angehörigen der rechtsextremen Szene attackiert. Dabei wurden Spruchbänder, die sich gegen Nationalsozialismus und Krieg richteten, herunter gerissen sowie aufgestellte Plakate und Infotafeln beschädigt. Drei Täter wurden nach Polizeiangaben sofort nach der Aktion festgenommen, nach Abschluss der Veranstaltung aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Offenburg gestern der Mittelbadischen Presse erklärte, habe es auch noch weitere kleinere Auseinandersetzungen gegeben. So habe man kurzfristig zwei Personen festgenommen, die versucht hätten, Polizisten zu filmen. Dabei wurde niemand verletzt.
Der anschließende Aufmarsch einzelner Gruppen von NPD-Anhängern, deren Gesamtzahl von der Polizei auf etwa 110 Personen geschätzt wurde, verlief dann ohne besondere Vorkommnisse. 50 Gegendemonstranten seien vor Ort gewesen. Dazwischen war eine Delegation der Stadt Rheinau am Ehrenmal eingetroffen, um, wie jedes Jahr am Volkstrauertag, einen Kranz niederzulegen.
Am Nachmittag fand dann auf dem Marktplatz in Freistett die Kundgebung des Bündnisses »Bunt statt Braun« statt. Nach der Begrüßung durch den Bündnissprecher Andreas Kirchgeßner sprach Zeitzeugin Dorothea Siegler-Wiegand (Offenburg) zu den knapp 100 Zuhörern auf dem Marktplatz. In ihrer Ansprache forderte sie zum Widerstand gegen nationalsozialistisches Gedankengut auf und mahnte, sich für ein friedliches Miteinander – ohne Krieg und Rassismus – einzusetzen.
Ähnliche Worte fanden auch Roland Saurer, Leiter des Obdachlosenheims St. Ursula in Offenburg, sowie Gerd Hirschberg, Mitglied von »Bunt statt Braun«. Dabei unterstrich Hirschberg erneut die Forderung des Bündnisses, das »Ehrenmal Panzergraben« in »Mahnmahl« umzubenennen. Außerdem erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über ein Projekt des Bühler Jugendgemeinderates, der sich mit dem Thema »Nationalsozialismus« befasst hatte.
Um Toleranz, ein friedliches Miteinander und um Zivilcourage warb in seiner Ansprache Klaus Melder, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Ortenau. An einem Info-Stand gab es zudem Broschüren und weitere Publikationen zur Auseinandersetzung mit rechtsextremem Gedankengut sowie zur Arbeit und Zielsetzung verschiedenster Friedensorganisationen. Am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung bedankte sich Andreas Kirchgeßner bei allen die im Bündnis mitarbeiten und die Aktion unterstützt haben.
Die Polizei, die gestern 95 Beamte im Einsatz hatte, war den gesamten Sonntag über in Bereitschaft, fuhr vermehrt Streife und sorgte so dafür, dass die Veranstaltungen dann ohne weitere Zwischenfälle abliefen.

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Viele Auflagen

Der zuständige Kreisdezernent Michael Loritz hatte im Vorfeld der Veranstaltung am Panzergraben dem Veranstalter, dem NPD-Regionalverband Karlsruhe/Mittelbaden, zahlreiche Auflagen diktiert. So waren Bomberjacken und Springerstiefel verboten. Da das Ehrenmal in die Friedhofsordnung aufgenommen wurde, sind direkt am Panzergraben Kundgebungen nicht erlaubt.

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