Muster aufgezeigt

Stück über Radikalismus in Gewerbeschule aufgeführt

Autor: 
Michael Haß
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2018

©Michael Haß

Es gibt viele Gründe, warum sich junge Menschen radikalisieren. Egal ob rechter, linker oder religiöser Fanatismus – die Muster ähneln sich. Das Theaterstück »Achtung?!« der Theatergruppe »Q-rage« sensibilisierte Berufsschüler der Gewerblich-Technischen Schule Offenburg für die Art der Anwerbung extremistischer Gruppen und zeigte die Mechanismen einer Radikalisierung auf.
 

Was bringt junge Menschen dazu, Freunde und Familie zu verlassen und sich dem bewaffneten Kampf in einem fernen Land anzuschließen, bewaffnet in europäischen Metropolen Attentate zu begehen, die Unterkunft wehrloser Kriegs- und Elendsflüchtlinge in Brand zu setzen oder Migranten töten zu wollen? Und wie lässt sich erkennen, ob Jugendliche bereits den Weg der Radikalisierung und des Extremismus beschritten haben? 

Rund 150 Berufsschüler sahen ein beeindruckendes Zwei-Personen-Theaterstück, das, so Sonja Hofmann vom Polizeipräsidium Offenburg, »die Achtung vor Andersdenkenden vermittelt«. In Zusammenarbeit mit Lehrerin Sandra Kraft leistet die Polizei Offenburg wichtige Präventionsarbeit an Badens größter Berufsschule. 

Lina und Tarek, eindrucksvoll gespielt von Laura Pletzer und Daniel Neumann, sind gute Freunde. Sie kennen sich seit dem Sandkasten. Beide verbindet eine tiefe Sehnsucht nach Gemeinschaft, Abenteuer und Gerechtigkeit. Gemeinsam teilen sie ihre Probleme mit ihren Eltern und sind auf der Suche nach Orientierung, Halt und Antworten auf einige Lebensfragen. 

Nicht zugehörig

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Tarek ist Moslem, in Deutschland geboren. Er fühlt sich nicht immer ganz zugehörig als Deutscher mit türkischer Abstammung. Die Freundschaft von Lina und Tarek wird auf die Probe gestellt, als Lina mit ihren Eltern umzieht. Sie ist frustriert, fühlt sich alleine und findet zunächst keinen Anschluss, bis sie Tom kennenlernt, der sie in ihrem Frust auffängt und in eine neue Clique einführt. Auch Tareks Leben verändert sich als ihm bei einem Stand auf der Straße ein Koran in die Hände gedrückt wird und er im Austausch mit anderen Gläubigen den Koran mit neuen Augen liest. Im Theaterstück werden exemplarisch Radikalisierungsverläufe gezeigt und dabei zwei extremistische Bereiche beleuchtet: Rechtsextremismus und Salafismus. Dabei wird dargestellt, warum man in bestimmten Lebensphasen anfällig für extremistische Organisationen sein kann und wie die Bedürfnisse von Jugendlichen durch so genannte »Mentoren« ausgenützt werden können. 

Das Prinzip ist immer das Gleiche: Jugendliche würden häufig von Fragen getrieben, wie »Wer hört mir zu?« oder »Wer erklärt mir die Welt?« und »Wo gehöre ich hin?«. Bestimmte Gruppierungen und Organisationen holen die jungen Leute an diesem Punkt ab, liefern einfache, leicht verständliche Antworten und ködern sie mit ihren Heilsversprechen.

Publikum im Boot

Das Theaterteam »Q-rage« hat das Theaterstück in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Ludwigsburg entwickelt. An zentralen Stellen wurde das Bühnengeschehen durch Moderationsphasen unterbrochen, um mit dem Publikum die Inhalte zu reflektieren. Es ist pointiert, mitunter komisch – und doch aufrüttelnd.

Für Lehrerin Sandra Kraft verstärkt das Theater die Wirkung der Präventionsarbeit in Zusammenarbeit mit der Polizei nachhaltig. »Es erzeugt eine Betroffenheit, die wir in den Klassen nicht schaffen können.«

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