Mutmaßlicher Täter von Hanau

24-seitiges Manifest zeigt das krude Weltbild des Tobias R.

Sascha Maier
Lesezeit 3 Minuten
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20. Februar 2020
In Hanau bei Frankfurt erschoss ein Deutscher am Mittwochabend zehn Menschen und sich selbst. In der Nähe des Tatorts wurden Blumen und Kerzen abgelegt.

(Bild 1/7) In Hanau bei Frankfurt erschoss ein Deutscher am Mittwochabend zehn Menschen und sich selbst. In der Nähe des Tatorts wurden Blumen und Kerzen abgelegt. ©Foto: AFP/THOMAS LOHNES

Die mittlerweile inaktive Webseite des mutmaßlichen Täters von Hanau, der einschließlich sich selbst elf Menschen getötet hat, offenbart verstörende Details aus dessen Leben und Gedankenwelt. Er äußert in einem Manifest Vernichtungsfantasien gesamter Volksgruppen.

Hanau - Der mutmaßliche Täter von Hanau, Tobias R., der einschließlich sich selbst am Donnerstag elf Menschen erschossen haben soll, hat im Netz offenbar Spuren hinterlassen, die weitere Informationen über sein Weltbild und Leben offenbaren. R. hatte ein Video auf Youtube gepostet, darunter hatte er wiederum eine Webseite verlinkt, die seinen Namen trägt. Auf dieser Webseite hat Tobias R. mehrere Dokumente verlinkt, darunter ein mehr als 20 Seiten starkes Manifest. Die Webseite ist mittlerweile nicht mehr verfügbar, die Seite und das Textdokument konnten aber von unserer Redaktion eingesehen werden.

Tobias R. gibt auf dieser Webseite an, 1977 im hessischen Hanau geboren zu sein. Demnach habe Tobias R. nach dem Abitur den Zivildienst abgeleistet und eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Frankfurt gemacht. Im Jahr 2000 will er ein BWL-Studium in Bayreuth begonnen und dieses 2007 erfolgreich abgeschlossen haben. Details über Arbeitgeber nennt er nicht.

„Dumme Anmachen“ in der Disko

Die Aufmachung der Homepage: Ein Weißkopfseeadler mit ausgespannten Flügeln. Neben Links zu Videos existierte auch ein 24-seitiges Schriftstück auf der Seite, das an das „gesamte deutsche Volk“ adressiert ist.

Das Manifest liefert einen Einblick in die wirre Gedankenwelt des Tatverdächtigen und rassistische Ressentiments, die in Vernichtungsfantasien zahlreicher Nationen gipfeln. Tobias R. schildert in dem Manifest seine Überzeugung, dass ein „Geheimdienst“, wie er ihn nennt, schon seitdem er ein Baby war seine Gedanken überwachte und sich in diese „einklinken“ konnte, wie R. schreibt.

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Zudem beschreibt R. negative Erfahrungen, die er mit Menschen mit Migrationshintergrund gemacht haben will – zum Beispiel „absichtlich provozierte Streitereien“ auf dem Heimweg von der Schule oder „dumme Anmachen in der Disko“. Nach einigen weiteren Argumentationsschritten kommt R. zu dem Schluss, dass deshalb eine Reihe von Nationen vernichtet werden müsse.

Wissenschaftler warnt vor vorschnellen Schlüssen

Alexander Häusler, Rechtsextremismusforscher an der Hochschule Düsseldorf, warnt vor vorschnellen Schlussfolgerungen über Motivation und Weltbild des Täters. „Die ersten Hinweise ergeben ein diffuses Bild, woraus nicht automatisch auf eine primär rechtsextremistische Tat zu schließen ist“, sagte Häusler unserer Zeitung.

Häusler betont: Bevor man seriöse Aussagen über den mutmaßlichen Täter machen könne, sei es wichtig, alle Dokumente und Videos, die er hinterlassen hat, detailliert auszuwerten.

Rassismus und Zeitreisen

Manche Passagen dürften nicht ganz leicht zu deuten sein. In einer weiteren abstrusen Passage in dem Textdokument wirft R. die Frage auf, ob eine Zeitreise und Zerstörung des ersten Lebens nicht die beste Chance für die Menschheit seien.

Schließlich, ganz am Ende, schreibt Tobias R. folgenden Satz: „Aus all den genannten Grünen blieb mir also nichts anderes übrig, so zu handeln, wie ich es getan habe, um die notwendige Aufmerksamkeit zu erlangen.“ Ob damit die Bluttat in Hanau gemeint war, lässt er offen.

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