Gefechte in Idlib

Aktivisten: Mehr als 100 Tote bei Kämpfen in Nordsyrien

Autor: 
dpa
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02. Dezember 2019
Ein Markt in Idlib ist bei einem Luftangriff komplett verwüstet worden. Foto: Mustafa Dahnon/dpa

Ein Markt in Idlib ist bei einem Luftangriff komplett verwüstet worden. Foto: Mustafa Dahnon/dpa ©Foto: dpa

Die Truppen von Syriens Machthaber Assad greifen wieder verstärkt Rebellen in der Provinz Idlib an. Auch Zivilisten werden zu Opfern, als Kampfjets dort einen Markt bombardieren.

Damaskus - Bei schweren Kämpfen in der Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten Syriens sind seit Samstag nach Angaben von Aktivisten und Rettern mehr als 100 Menschen getötet worden, darunter auch 15 Zivilisten.

Truppen der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad hätten sich - unterstützt durch Luftangriffe auch des Verbündeten Russland - in Idlib über das Wochenende schwere Gefechte mit Rebellen geliefert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Syrische und russische Jets hätten einen Markt in Marat al-Numan, einen Markt in Sarakib sowie einen weiteren Ort bombardiert. Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens 15 Zivilisten getötet und 18 weitere verletzt. Die Rettungsorganisation Weißhelme veröffentlichte Fotos und Videos, die einen Markt in Trümmern und Todesopfer sowie Schwerverletzte zeigen.

Die Provinz Idlib ist eines der letzten Gebiete Syriens, das noch von islamistischen Aufständischen kontrolliert wird. Beherrscht wird das Rebellengebiet von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Zudem sind dort Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) und die pro-türkische oppositionelle Nationalarmee aktiv. Deren Einheiten hatten sich Anfang Oktober unter einer gemeinsamen militärischen Führung vereint.

Die Assad-Regierung versucht mit Unterstützung Russlands seit Monaten, die letzte große Rebellenhochburg im Land nach mittlerweile acht Jahren Krieg unter ihre Kontrolle zu bringen. Ende April hatten die Regierungstruppen eine Offensive gegen Idlib und die benachbarte Provinz Hama begonnen und dabei wichtige Gebiete erobert. Syrien und Russland argumentieren, mit den Angriffen Terroristen zu bekämpfen.

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Bei den Angriffen kommen immer wieder Zivilisten ums Leben. Märkte und zivile Einrichtungen wie Kliniken wurden schon mehrfach Ziel von Luftangriffen. Bei einem der schwersten Bombardements auf einen Markt in Idlib hatten Dutzende Flugzeuge im Herbst 2016 durch Luftangriffe mehr als 60 Menschen getötet. Tausende Menschen ergriffen im Zuge der Kämpfe die Flucht.

Die Zahl der Todesopfer über das Wochenende sei die höchste seit Inkrafttreten einer Waffenruhe im August, teilten die Aktivisten der Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Beobachtungsstelle sprach von Hunderten Luftangriffen seit Freitag.

Seit Beginn der Offensive im April seien mehr als 4600 Menschen getötet worden, darunter mehr als 1200 Zivilisten. Erneut seien durch die Gefechte und Luftangriffe nun Anwohner vertrieben worden, die in Richtung der syrisch-türkischen Grenze geflüchtet seien.

Auch in der von Kurdenmilizen kontrollierten Grenzregion zur Türkei im Norden Syriens wurden Zivilisten Opfer von Kampfhandlungen. Bei einem Beschuss durch türkische Truppen und deren Verbündete wurden nach Angaben von Aktivisten acht Kinder und ein Mann getötet. Die Granaten seien in der Nähe einer Schule in Tall Rifat eingeschlagen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. 21 Menschen seien dabei verletzt worden. Eine Quelle bei den der Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) bestätigte den Beschuss.

In Syrien gibt es nach Einschätzung der Bundesregierung aktuell keine Region, in die Flüchtlinge ohne Risiko zurückkehren können. Das geht aus einem vom Auswärtigen Amt verfassten internen Bericht hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Vor allem als oppositionell oder regimekritisch bekannt Rückkehrer seien erneuter Vertreibung, Sanktionen oder unmittelbarer Lebensgefahr ausgesetzt, heißt es darin. "Das Regime kann grundsätzlich weiter Luftangriffe im ganzen Land durchführen", heißt es in dem Bericht weiter.

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