Cupertino

Apple sucht neues Geschäft als Anbieter von Abo-Diensten

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
26. März 2019
Tim Cook, Vorstandsvorsitzender von Apple, und Oprah Winfrey, Moderatorin aus den USA, begrüßen sich bei der Vorstellung neuer Apple-Produkte auf der Bühne. Apple hat einen eigenen Video-Streamingdienst mit dem Namen «Apple TV Plus» vorgestellt. Foto

Tim Cook, Vorstandsvorsitzender von Apple, und Oprah Winfrey, Moderatorin aus den USA, begrüßen sich bei der Vorstellung neuer Apple-Produkte auf der Bühne. Apple hat einen eigenen Video-Streamingdienst mit dem Namen «Apple TV Plus» vorgestellt. Foto ©dpa

Licht aus, Licht an - und plötzlich steht für ein paar Minuten Steven Spielberg auf der Bühne beim Apple-Event in der Firmenzentrale in Cupertino.

Nochmal Licht aus, Licht an - jetzt tauchen die Hollywood-Stars Jennifer Aniston und Reese Witherspoon auf. Der Grund: Apple kündigt ein Abo-Angebot mit Serien und Filmen aus eigener Produktion an.

Die großen Namen sollen ein Zeichen für Qualität setzen. Davor wurden bei dem Event am Montag bereits Abos für Medieninhalte und Spiele vorgestellt - sowie zunächst nur für den US-Markt eine Apple-Kreditkarte. Die gibt es ab Sommer nicht nur virtuell im iPhone, sondern auch als echte Karte aus Titan statt Plastik. Die herausgebende Bank Goldman Sachs erwägt, sie mit der Zeit auch international anzubieten.

Apple verdient sein Geld bisher vor allem mit dem Verkauf von Geräten. Doch es ist klar, dass die Zeiten des schnellen Wachstums bei Hardware vorbei sind. Jetzt will der Konzern also auch mehr Geschäft mit den rund 1,4 Milliarden Geräten machen, die schon im Umlauf sind.

Und darüber hinaus ebenfalls: Apples neue TV-App kommt auch auf Fernseher von Samsung, Sony und LG sowie Streaming-Boxen wie Roku und Amazons Fire TV. Damit weicht Apple noch weiter die einstige Strategie auf, mit den Diensten vor allem seine eigenen Geräte attraktiver zu machen, weil sie nur auf ihnen verfügbar sind. Wie bisher verspricht Apple aber strikten Datenschutz für seine Kunden.

Viele Fragen blieben nach der Präsentation am Montag noch offen. So wurden keine Abo-Preise für «Apple TV Plus» (bzw. Apple TV+ in der Schreibweise des Konzerns) und das Games-Angebot «Apple Arcade» genannt. Beide sollen erst im Herbst verfügbar sein - Apple hat also noch Zeit, an einem Geschäftsmodell zu feilen. In Medienberichten wurde zuvor schon über die Möglichkeit eines Bündel-Abos für verschiedene Apple-Dienste spekuliert. Vielleicht möchte Apple aber auch nur Rivalen wie Netflix nicht zu früh einen Einblick geben.

- Anzeige -

Auf den ersten Blick ist Apples erstes eigenes Streaming-Angebot noch keine Gefahr für die heutigen Platzhirsche Netflix und Amazon. Vor allem weil Apples handverlesene Auswahl aus einigen Dutzenden Projekten mehr an die TV-Boutique HBO als an das «Für alle etwas dabei»-Prinzip von Netflix erinnert. Aber zugleich soll «Apple TV Plus» in mehr als 100 Ländern verfügbar sein. Und Apples TV-Pläne gehen weit über das Angebot exklusiver Streaming-Inhalte hinaus.
Denn der Konzern will seine TV-App zu dem Ort machen, an dem ferngesehen wird. Dazu wird man dort auch kostenpflichtige Sender wie HBO oder Showtime abonnieren und nutzen können. Für andere Länder verspricht Apple lokale Angebote. Die Rolle der Programmzeitschrift sollen personalisierte Vorschläge auf Basis bisher angesehener Sendungen übernehmen.

Ähnlich funktioniert es mit Lesevorschlägen bei «Apple News Plus», dem Abo-Angebot mit Zugang zu 300 Magazinen und einigen Zeitungen, bei dem allerdings völlig unklar ist, wann und in welcher Form es nach Deutschland kommen könnte. Mit ihrer Teilnahme gehen diverse Medien die Wette ein, dass ein Anteil an Apples Abo-Preis von 9,99 Dollar im Monat für sie das Risiko wert ist, das Geschäft mit eigenen Abonnenten zu verlieren. Zumal laut Medienberichten die Hälfte vom Abo-Preis bei Apple bleiben soll.

Die «New York Times» und die «Washington Post» beschlossen, dass diese Rechnung für sie nicht aufgeht. Das «Wall Street Journal», bei dem das Abo rund 40 Dollar im Monat kostet, macht dagegen mit - und will extra dafür sogar zusätzliche Journalisten einstellen. Wie es heißt, soll in der Apple-App vor allem eine Auswahl aus Artikeln der Zeitung präsentiert werden, wenngleich man mit etwas Aufwand auch den Rest findet. Andererseits kann sich das «Wall Street Journal» so Hoffnungen machen, neue Leser unter Verbrauchern zu gewinnen, während viele Abonnements traditionell eh auf Firmenkosten laufen.

Eine weitere offene Frage ist, wie viel die ganzen Abos zu Apples Geschäft beitragen können. So schätzte Morgan Stanley, dass ein Bündel-Angebot aus Musik und Video bis 2025 einen jährlichen Betrag von mehr als 22 Milliarden Dollar einbringen könnte. Diese Zahl liegt in einer ganz anderen Liga als das iPhone-Geschäft. In dem Ende September abgeschlossenen vergangenen Geschäftsjahr brachte das iPhone einen Umsatz von 166,7 Milliarden Dollar ein. Die gesamte Service-Sparte kam auf 37,2 Milliarden Dollar, bei einem kräftigen Zuwachs von 24 Prozent.

TV-Talkerin Oprah Winfrey brachte ohne Umschweife auf den Punkt, was Apple für Hollywood, Games-Entwickler und Medien attraktiv macht: «Weil sie in einer Milliarde Taschen sind.» Allerdings zeigte sich beim Streaming-Dienst Apple Music, dass auch der direkte Zugang zu hunderten Millionen Nutzern ein Angebot nicht zu einem Selbstläufer macht. Nach dem Start im Sommer 2015 hat Apple Music nach jüngsten Angaben mehr als 50 Millionen zahlende Abo-Kunden. Beim Marktführer Spotify waren es Ende vergangenen Jahres 96 Millionen - plus 116 Millionen Nutzer einer Gratis-Version, auf die Apple verzichtet.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • vor 9 Stunden
    Ab Samstag
    In Kehl startet am Samstag wieder der beliebte Ostermarkt. Bis zum 28. April warten auf Besucher dort zahlreiche Attraktionen und ein vielfältiges Programm.
  • 17.04.2019
    500 Quadratmeter Fläche
    Der Obi Markt in Offenburg hat seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« eröffnet – und ist damit die Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. In den kommenden Wochen gibt es dazu ein sehenswertes Showprogramm.
  • 08.04.2019
    Was ist wichtig bei der Planung der perfekten Traumküche? Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten!
  • 01.04.2019
    Lahr
    Wer auf der Suche nach einem Suzuki-Neuwagen oder einem Gebrauchten ist und gleichzeitig eine vertrauensvolle, persönliche Beratung möchte, dem kann geholfen werden: Das Suzuki-Autohaus Baral in Lahr ist genau die richtige Adresse für jegliches Anliegen rund um Suzuki. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 4 Stunden
Berlin
Dass die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer auch die Kanzlerschaft anstrebt, steht außer Frage. Nur wann und vor allem wie könnte der Saarländerin das gelingen? In der Praxis ist das extrem schwierig.
vor 4 Stunden
Über Bundesschnitt
In Baden-Württemberg ist ein Fünftel (20 Prozent) der Bundesstraßen marode. Im bundesweiten Vergleich ist das überdurchschnittlich viel. Bundesweit sind 17,7 Prozent der Bundesstraßen so stark in ihrer Substanz angegriffen, dass Baumaßnahmen zeitnah geprüft werden müssen.
Die Skulptur eines gebrochenen Herzens vor dem Schulzentrum im sauerländischen Wenden: In der Nähe hatte ein 14-Jähriger seinen zwei Jahre älteren Mitschüler erwürgt.
vor 9 Stunden
Siegen
Während die Schulkinder der Kleinstadt Wenden in der zweiten Stunde dem Unterricht folgen, spielt sich ganz in ihrer Nähe ein grausiges Drama ab. In dem Waldstück direkt neben der Schule soll ein 14-Jähriger seinen zwei Jahre älteren Mitschüler mit bloßen Händen erwürgt haben.
Bucht im Fischerort Camara de Lobos: Die Atlantikinsel Madeira zieht jedes Jahr etwa 1,3 Millionen Urlauber an.
vor 10 Stunden
Funchal
Die «Blumeninsel» Madeira liegt etwa 950 Kilometer südwestlich von Lissabon im Atlantik und ist vor allem auch bei Deutschen sehr beliebt. Wanderer, Taucher und Golfer schätzen die atemberaubende Natur und das milde subtropische Klima. Madeira hat etwa 260.000 Einwohner, die Insel gehört zu...
Meinungsumfragen sehen die christdemokratische EVP mit dem deutschen CSU-Politiker Manfred Weber als Spitzenkandidaten bei der Europawahl vorn.
vor 11 Stunden
Brüssel
Fünf Wochen vor der Europawahl sehen aktuelle Meinungsumfragen die christdemokratische EVP mit dem deutschen CSU-Politiker Manfred Weber als Spitzenkandidaten trotz deutlicher Verluste vorn.
Apple hat inzwischen zwei Roboter-Linien zum iPhone-Recycling im Einsatz, die bis zu 2,4 Millionen Geräte pro Jahr zerlegen können.
vor 11 Stunden
Cupertino
Apple hat inzwischen zwei Roboter-Linien zum iPhone-Recycling im Einsatz, die bis zu 2,4 Millionen Geräte pro Jahr zerlegen können.
Bundesweit gibt es über 600 noch nicht vollstreckte Haftbefehle gegen Verdächtige oder Verurteilte aus der rechten Szene.
vor 11 Stunden
Wiesbaden
Bundesweit gibt es über 600 noch nicht vollstreckte Haftbefehle gegen Verdächtige oder Verurteilte von Straftaten aus der rechten Szene. Konkret gehe es dabei um 467 Personen, die bis Ende September vergangenen Jahres mit Haftbefehl gesucht wurden, teilte das Bundeskriminalamt mit.
Mindestens 34 Menschen starben im Jahr 2012 in diesem vietnamesischen Reisebus.
vor 11 Stunden
Salta
Der Busunfall in Madeira reiht sich in eine ganze Serie schwerer Busunglücke ein. Eine Auswahl:
Julia Wöllenstein ist Lehrerin und Autorin des Buches «Von Kartoffeln und Kanaken».
vor 11 Stunden
Kassel
Sie befürwortet ein Kopftuchverbot an Schulen, kritisiert einen «Söhnchenkult» muslimischer Familien und spricht von «falscher Toleranz»: Die Kasseler Lehrerin Julia Wöllenstein hat schon vor Erscheinen ihres Buches «Von Kartoffeln und Kanaken» für Schlagzeilen gesorgt.
Angela Merkel erweist ihrer verstorbenen Mutter die letzte Ehre.
vor 12 Stunden
Templin
Bei einem Trauergottesdienst im brandenburgischen Templin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag Abschied von ihrer verstorbenen Mutter genommen.
Was passiert, wenn selbstständige Maschinen tödliche Fehler machen?
vor 13 Stunden
München
Wer einen anderen Menschen verletzt oder tötet, wird bestraft und haftet dafür. Ein uraltes Rechtsprinzip, das zumindest dem Grundsatz nach in allen menschlichen Gesellschaften gilt.
Rettungskräfte sind nach dem schweren Busunglück auf Madeira im Einsatz.
vor 13 Stunden
Köln/München
Touristen sollten nach Einschätzung des Internationalen Bustouristikverbands RDA vor dem Einsteigen in Reisebusse deren Zustand prüfen.