Prostituierte in der Corona-Krise

Berufsverband bittet um Spenden für Sexarbeiter

Autor: 
Markus Brauer/dpa
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19. November 2020
Demo gegen Arbeitsverbot: Eine Sexarbeiterin hält während einer Demonstration in Köln ein Schild mit der Aufschrift „Sex ist systemrelevant“. Wegen des Lockdowns bleiben Prostitutionsstätten deutschlandweit geschlossen.

Demo gegen Arbeitsverbot: Eine Sexarbeiterin hält während einer Demonstration in Köln ein Schild mit der Aufschrift „Sex ist systemrelevant“. Wegen des Lockdowns bleiben Prostitutionsstätten deutschlandweit geschlossen. ©Foto: Marius Becker/dpa

Wer in der Branche für erotische und sexuelle Dienstleistungen arbeitet, ist vom zweiten Lockdown besonders hart betroffen. Der Berufsverband ruft zu Spenden auf, weil der Hilfsgelder-Topf „leer“ sei und viele „plötzlich vor dem Nichts“ ständen.

Berlin - Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen bittet um Spenden und staatliche Hilfen für Sexarbeiter. „Der erneute Lockdown trifft gerade die am härtesten, die auch zuvor schon täglich um ihre Existenz gebangt haben“, heißt es seitens des Verbandes.

Zwar könnten Sexarbeitende, die eine Steuernummer haben und in Deutschland gemeldet sind, als Soloselbstständige Corona-Hilfen beantragen. Das sei aber bei vielen Kolleginnen und Kollegen nicht der Fall. Der Verband hoffe auf staatliche Hilfsgelder.

 

 

„Der Topf ist leer“

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Der in der Corona-Zeit eingerichtete Nothilfe-Fonds des Verbandes in Höhe von 150 000 Euro sei bereits ausgeschöpft. „Der Topf ist nun leer, und so sind die betroffenen Personen gezwungen, illegal weiter zu arbeiten.“

Der Verband wirbt auch online für Spenden. „Viele der nicht in Deutschland ansässigen Sexarbeiterinnen haben in Bordellen übernachtet – seit deren Schließung sitzen sie von einem Tag auf den anderen auf der Straße“, erklärt der Verband. „Sie können aktuell auch nicht in ihre Heimatländer zurück, es bestehen Einreisestopps und in den meisten Fällen fehlt ohnehin das Geld für eine ungeplante Reise.“

„Plötzlich vor dem Nichts“

Auch der Sozialdienst katholischer Frauen hatte vor kurzem darauf hingewiesen, dass viele Prostituierte „plötzlich vor dem Nichts“ stünden und etwa auf Lebensmittelpakete angewiesen seien.

Bund und Länder hatten sich Ende Oktober geeinigt, dass auch Bordelle im November geschlossen sein müssen. Schon zuvor waren sie in den meisten Bundesländern seit dem Frühjahr zu. Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen in der Sex-Branche arbeiten. Im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes hatten sich bis Ende 2018 rund 32 800 Menschen offiziell angemeldet.

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