Istanbul

Can Dündar kritisiert nach Haftbefehl «neue Hexenjagd»

Autor: 
dpa
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. Dezember 2018
Der türkische Journalist Can Dündar, Ex-Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» auf der Frankfurter Buchmesse.

Der türkische Journalist Can Dündar, Ex-Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» auf der Frankfurter Buchmesse. ©dpa - Arne Dedert/Archiv

Der in Deutschland lebende Ex-Chef der türkischen regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» kritisiert nach einem weiteren Haftbefehl gegen ihn eine «neue Hexenjagd» der Regierung.

Ein Istanbuler Gericht hat das Dokument in der Nacht auf Donnerstag ausgestellt. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte gemeldet, die Maßnahme stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zu den großen regierungskritischen Gezi-Protesten von 2013.

In einer im Internet verbreiteten Stellungnahme schrieb Dündar am Donnerstag: «Jeder, der im Vordergrund der Gezi-Bewegung stand, muss damit rechnen, aus immer schwachsinnigeren Gründen festgenommen zu werden.» Er bestritt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, wonach er die Proteste mitorganisiert, «Chaos gestiftet» und «Terroristen ermutigt» hätte. Er habe sich Gezi als friedlichen Protesten von Millionen «mit seinem Stift angeschlossen». Darauf sei er stolz. Gegen Dündar läuft in der Türkei bereits ein Prozess zu Terrorvorwürfen wegen regierungskritischer Artikel in «Cumhuriyet».

- Anzeige -

Die Gezi-Proteste begannen im Mai 2013 - zunächst allein gegen ein umstrittenes Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park. Sie weiteten sich dann zu landesweiten Demonstrationen gegen die regierende islamisch-konservative AKP aus. Der damalige Ministerpräsident und heutige Staatschef Recep Tayyip Erdogan ließ sie brutal niederschlagen. Mindestens sieben Menschen wurden getötet. Laut Amnesty International starben mindestens vier an den Folgen von Polizeigewalt.

Mehr als fünf Jahre nach den Protesten geht die türkische Regierung seit etwa drei Wochen erneut massiv gegen angebliche Organisatoren vor. Staatlichen Angaben zufolge haben sich die Proteste nicht spontan entwickelt, sondern waren von türkischen und ausländischen Verschwörern geplant und organisiert worden. Es gibt Razzien und Festnahmen, die vor allem Aktivisten aus der Zivilgesellschaft treffen.

In dem Zusammenhang gerieten neben von Deutschland unterstützten NGOs auch deutsche politische Einrichtungen wie die Friedrich-Naumann-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung in die Kritik.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
20.12.2018
Was braucht es für einen gesunden Körper? Den Willen natürlich! Und außerdem das richtige Training und Ernährung. Im Fitnessstudio Sportpark in Schutterwald gibt es die passende Beratung mit gezielten Übungen zur "Gute-Laune-Figur".

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 40 Minuten
Andreas Richter gegen Markus Fix
Nach dem Brexit-Aus im britischen Unterhaus kommt - ja, was eigentlich? Wir erörtern die Frage, ob Theresa May dieChose noch retten kann. 
vor 8 Stunden
Kommentar des Tages
Der Bundestag hat mit großer Mehrheit einem Gesetzentwurf zur Einstufung von Georgien, Algerien, Tunesien und Marokko als sichere Herkunftsstaaten zugestimmt. Einzig Vertreter der Fraktionen der Grünen und der Linkspartei sprachen sich am Freitag im Plenum gegen den Entwurf der Bundesregierung aus...
vor 12 Stunden
München
Zeitenwende in Bayern: Horst Seehofers Ära an der Spitze der CSU geht offiziell zu Ende. Auf dem Sonderparteitag in München soll heute Ministerpräsident Markus Söder zu seinem Nachfolger gewählt werden.
vor 14 Stunden
Interview mit Andreas Jung
Am kommenden Dienstag werden der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)  den »Aachener Vertrag« unterzeichnen. Die Vereinbarung knüpft an den 1963 von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichneten Élysée-Vertrag an und soll die deutsch-...
Michael Cohen, einst Anwalt und Vertrauter des US-Präsidenten, sagt jetzt gegen ihn aus.
18.01.2019
Washington
Die US-Demokraten verlangen Aufklärung über einen Bericht, wonach Präsident Donald Trump seinen langjährigen Anwalt Michael Cohen zur Lüge vor dem Kongress aufgefordert haben soll.
Im Sommer 2017 gab es in Berlin einen Schlag gegen die organisierte Kriminalität: 77 Immobilien wurden beschlagnahmt.
18.01.2019
Wiesbaden/Berlin
Das Bundeskriminalamt (BKA) will die Verbrechen von türkisch- und arabischstämmigen Clans in Deutschland genauer ins Visier nehmen.
Tempo-130-Schild auf der Autobahn A 10 am nördlichen Berliner Ring.
18.01.2019
Berlin
Für mehr Klimaschutz im Verkehr spricht eine Regierungskommission über Vorschläge wie Tempolimits auf Autobahnen, höhere Dieselsteuern und eine Quote für Elektroautos.
Lastwagen verlassen eine Fähre im Hafen von Dover. Die britische Regierung hat Verträge mit Reedereien abgeschlossen, um mögliche Engpässe nach dem Brexit abzufedern.
18.01.2019
Brüssel/London
Die «Barnier-Treppe» hat in Brüssel einige Berühmtheit. Das ist nicht etwa der Aufgang zum Büro von Brexit-Unterhändler Michel Barnier. Es geht um die von dem Franzosen in kühler Präzision grafisch aufgearbeiteten Optionen Großbritanniens für den EU-Austritt.
Sehuencas-Wasserfrosch Romeo in seinem Aquarium.
18.01.2019
Cochabamba
Zehn Jahre lang lebte der Sehuencas-Wasserfrosch Romeo alleine in einem Aquarium in einem Naturkundemuseum in Bolivien. Er galt als einer der letzten seiner Art.
Sohn Madschd (5) und Lydia Rimawi (42) in ihrem Wohnzimmer in Rima. 
18.01.2019
Beit Rima
Der fünfjährige Madschd sitzt im geräumigen Haus seiner Mutter auf einem Sofa und hält seine weiße Katze ganz fest im Arm. «Survivor», steht in hellen Lettern auf seinem blauen Pullover - Überlebender.
Asylanträge aus Georgien, Tunesien, Marokko und Algerien wurden schon bisher großteils abgelehnt.
18.01.2019
Berlin
Schon heute scheitern fast alle Asylanträge aus den vier Staaten, die die Bundesregierung zu sicheren Herkunftsländern erklären will.
Von Mitte 2019 an sollen Studenten und Schüler deutlich mehr Bafög bekommen können.
18.01.2019
Berlin
Studenten und Schüler sollen ab Mitte 2019 deutlich mehr Bafög bekommen können. Der Bund will für eine entsprechende Reform bis 2022 mehr als 1,8 Milliarden Euro ausgeben.