Las Vegas

CES: Die 5G-Revolution lässt noch auf sich warten

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. Januar 2019
In Las Vegas müssen 5G-Enthusiasten geduldig sein.

In Las Vegas müssen 5G-Enthusiasten geduldig sein. ©dpa - Christoph Dernbach

Clayton Harris aus Houston in Texas hatte von seinem Internet-Anbieter die Nase voll. Der Dienst des Kabel-Providers Comcast lieferte nicht die gewünschte Geschwindigkeit, die er für seinen Heimarbeitsplatz als Ingenieur und sein vernetztes Zuhause ständig benötigt.

Durch einen Zufall bot sich Harris eine Alternative: Der US-Mobilfunker Verizon suchte für einen Feldversuch nach Kunden, die die fünfte Mobilfunkgeneration 5G ausprobieren wollen. Vor drei Monaten wurde der 5G-Router im Haus von Harris in den Houston Heights in Betrieb genommen, Harris wurde damit der erste kommerzielle 5G-Kunde in den USA.

Auf der Elektronikmesse CES berichtete Harris nun beim Keynote-Vortrag von Verizon-Chef Hans Vestberg von seinen ersten 5G-Erfahrungen. «Mir ist vor allen die Zuverlässigkeit des Dienstes wichtig, weil ich von zu Hause aus arbeite», sagte er über eine knackig scharfe Videokonferenz-Schaltung. «Und es ist ziemlich schnell.» Um das Publikum auf der CES zu überzeugen, startete Harris einen Geschwindigkeitstest. «690 Megabit pro Sekunde», stand schließlich auf dem Monitor. «Ich erreiche manchmal auch Werte bis zu 1,3 Gigabit/s». Das ist zwar deutlich weniger als die theoretisch möglich zehn Gigabit/s (10 000 Megabit/s), aber viel schneller als die bisherige Kabelverbindung. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Internet-Anschluss in Deutschland kommt auf knapp 12 Megabit/s.

Die höhere Datengeschwindigkeit ist aber auch nur ein Aspekt von 5G: «Es geht um viel mehr als die Fähigkeit, einen neunzigminütigen Film künftig innerhalb von zehn Sekunden auf seinem Handy herunterladen zu können», sagte Vestberg. 5G sei bei Massenevents wie großen Sportveranstaltungen nicht mehr an die bisherigen Restriktionen von 3G und 4G gebunden, sondern biete einen Datendurchsatz von bis zu 10 Terabit pro Sekunde und Quadratkilometer, rund tausend mal mehr als bislang möglich. Außerdem könne 5G auf so einer Fläche die Verbindung für rund eine Millionen Geräte herstellen. Das ist wichtig, wenn beispielsweise in einem großen Hafenterminal unzählig viele Gegenstände im «Internet der Dinge» vernetzt sind. Vestberg verwies auch auf die ökologischen Vorteile von 5G, das nur zehn Prozent des Strombedarfs von 4G benötige.

Schließlich verwies Vestberg auf die deutlichen geringeren Laufzeiten der Daten. In den besten 4G-Netzwerken erzielt man eine Latenz zwischen 50 und 100 Millisekunden. In 5G reduziert sich diese Zeitverzögerung auf 10 Millisekunden. «Jede Anwendung mit Virtual Reality oder Augmented Reality benötigt Latenzzeiten unter 20 Millisekunden.» Das betreffe nicht nur Gamer, die über die Mobilfunknetze spielen wollen, sondern auch Bereiche wie die Telemedizin.

- Anzeige -

Wer auf der CES allerdings eine Welle von 5G-tauglichen Geräten erwartet hatte, wurde enttäuscht. Zwar wurde auf dem Stand von Samsung ein erster Prototyp eines 5G-Smartphones gezeigt. Der südkoreanische Konzern schwieg sich aber darüber aus, wann ein solches Gerät auf den Markt kommen soll. Der kalifornische Chiphersteller Qualcomm pries auf seinem Stand seine 5G-Datenmodem-Chips als das Fundament für das «wahre 5G» an, konnte aber auch keine marktreifen Endgeräte zeigen. Immerhin konnte Qualcomm auf Vorbestellungen verweisen: Seine 5G-Technologie - der Mikroprozessor Snapdragon 855 und das 5G-Modem X50 - werde in diesem Jahr in rund 30 Geräten auftauchen, darunter Smartphones von quasi allen führenden Herstellern von Geräten mit dem Google-System Android.

Deutlich zurückhaltender agierte der 5G-Spezialist Huawei auf der CES. Der chinesische Konzern, der unter anderen der Deutschen Telekom beim Aufbau der 5G-Infrastruktur unter die Arme greift, wollte wohl im schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China kein weiteres Öl ins Feuer gießen. Ein Huawei-Sprecher sagte dem Nikkei Asian Review, dass sei Unternehmen «bei der CES keine große Aufmerksamkeit erregen» wolle und dass «diesmal keine chinesische Führungskraft» an der Show teilnehmen werde.

In die Lücke von Huawei versuchen unterdessen neue Player zu füllen. Der Chipriese Intel, der einem breiten Publikum vor allem mit seinen PC-Chips bekannt ist, kündigte auf der CES an. Mit seinen Prozessoren für Mobilfunk-Anlagen bis zum Jahr 2022 rund 40 Prozent des Marktes erobern zu wollen. Vor drei Jahren war Intel in diesem Segment noch gar nicht aktiv. Und auch beim Huawei-Konkurrenten Samsung wittert man die Chance, mit technischen Anlagen für die 5G-Infrastruktur punkten zu können. Aber auch hier blieben Details im Vagen.

So entsteht zumindest auf der CES der Eindruck, dass die 5G-Revolution nicht in dem Tempo kommen wird, wie von manchen Fachleuten erwartet. Selbst die 5G-Premiere von Verizon in Houston wird von manchen Experten in Frage gestellt. Schließlich sei das Haus von Clayton Harris über einen fest stationierten Router angeschlossen worden und nicht über ein Mobilgerät. Außerdem verwende Verizon in den Houston Height eine proprietäre 5G-Variante, auf die sich die Branche nicht geeinigt habe.

Viele Fragen zum Thema 5G, die auf der CES noch unbeantwortet blieben, werden schon in wenigen Monaten wieder auf der Agenda stehen. Vom 25. bis 28. Februar versammelt sich die Branche in Barcelona zur Mobilfunkmesse MWC. Dort dürften auch die ersten 5G-Geräte für die Verbraucher angekündigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
18.12.2018
Eine Mission im Team
Ein verschlossener Raum, ein kniffliges Rätsel und nur 60 Minuten Zeit, um es zu lösen und so wieder nach draußen zu gelangen: Willkommen bei Escape Rooms Exitpark in der Ortenau.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 2 Stunden
Interview mit Franz Wagner
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Grundsatzdebatte über »andere Finanzierungsmodelle« bei der Pflegeversicherung angeregt, um immer weiter steigende Beiträge zu verhindern. Der Präsident des Deutschen Pflege­rats, Franz Wagner, macht sich für eine Zusammenlegung der Pflege- und...
vor 3 Stunden
Nachrichten
Die rund 130.000 Euro aus der Schweiz hatten AfD-Fraktionschefin Alice Weidel in Bedrängnis gebracht. Inzwischen hat die Partei die Bundestagsverwaltung informiert, wo das Geld herkommen soll.
Glasfaserkabel vor einer sogenannten Speedpipe (Leerrohr) für den Bau eines Glasfasernetzwerks.
vor 4 Stunden
Wiesbaden
Deutschland liegt bei schnellen Internetanbindungen für Unternehmen nur im Mittelfeld der EU-Staaten. Gut die Hälfte aller Firmen hierzulande mit Netzzugang (51 Prozent) hatte 2018 eine schnelle Online-Verbindung, teilte das Statistische Bundesamt mit.
Außenminister Heiko Maas besucht innerhalb weniger Stunden Moskau und Kiew.
vor 4 Stunden
Berlin/Moskau
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ist am frühen Freitag nach Moskau geflogen, um mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über atomare Rüstung, die Ukrainekrise und den Syrienkrieg zu sprechen.
vor 5 Stunden
Kommentar von Werner Kolhoff
In den letzten zehn Jahren hat die CSU im Verkehrsministerium regiert, also auch über die Bahn. Davor war es zehn Jahre lang die SPD. Beide sind mehr oder weniger Autoparteien. Und beide haben es zu verantworten, dass die Ziele der Bahnreform von 1994 drastisch verfehlt wurden.
Sicherheitskräfte nach dem Bombenanschlag in der Polizeischule General Santander in Bogota.
vor 5 Stunden
Bogotá
Bei einem schweren Bombenanschlag auf eine Polizeiakademie in Kolumbien sind mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt, als auf dem Gelände der Polizeischule General Santander im Süden der Millionenmetropole eine Autobombe detonierte.
In langer Schlange warten Autofahrer im mexikanischen Guadalajara auf einen «Platz an der Tanksäule».
vor 5 Stunden
Mexiko-Stadt
Rodrigo Silva hält einen Benzinkanister in der Hand, am Boden des Behälters gluckert ein kleiner Rest Treibstoff. Um den Rasenmäher, der vor dem Gärtner steht, komplett zu befüllen, reicht der Inhalt des Kanisters nicht mehr - für einen vollen Kraftstoff-Behälter müsste Silva aber wahrscheinlich...
Annegret Kramp-Karrenbauer hatte im Dezember Angela Merkel als Vorsitzende der CDU abgelöst.
vor 5 Stunden
München/Berlin
Der Start ins neue Jahr ist für die lange notorisch zerstrittenen Unionsschwestern durchaus vielversprechend. Annegret Kramp-Karrenbauer wird Anfang Januar bei der CSU-Klausur derart demonstrativ als neue CDU-Chefin geherzt, dass es manchen fast wieder zu viel ist.
Annalena Baerbock hält das Instrument der Sicheren Herkunftsstaaten für ungeeignet.
vor 6 Stunden
Berlin
Die Grünen haben vor einer Bundestagsabstimmung zur Ausweitung der sogenannten sicheren Herkunftsstaaten ihre Ablehnung bekräftigt.
vor 6 Stunden
London
Während Theresa May Mehrheiten für neue Brexit-Verhandlungen sucht, stellt sich Labour-Chef Jeremy Corbyn quer. Kann das gutgehen? 
Die AfD-Alice Weidel Fraktionsvorsitzende Ende November bei einer Sitzung im Bundestag.
vor 6 Stunden
Berlin
Nach den dubiosen Spenden aus der Schweiz hat die AfD der Bundestagsverwaltung die Namen von 14 EU-Bürgern vorgelegt, die hinter den Zuwendungen stehen sollen.
Donald Trump während einer Rede am Donnerstag im Pentagon.
vor 6 Stunden
Washington
Im Haushaltsstreit in den USA wird es persönlich: Präsident Donald Trump hat eine Auslandsreise der Top-Demokratin Nancy Pelosi nach Brüssel, Ägypten und Afghanistan gestrichen.