München

Dauerschneefälle sorgen zunehmend für Probleme in Bayern

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. Januar 2019
Feuerwehleute räumen den Schnee von einem Dach im österreichischen Annaberg.

Feuerwehleute räumen den Schnee von einem Dach im österreichischen Annaberg. ©dpa - Matthias Fischer

Das heftige Winterwetter macht vielen Menschen in Bayern, Österreich und der Schweiz weiterhin schwer zu schaffen. Auf eine kleine Verschnaufpause im Winterchaos folgt die nächste Unwetterlage in Bayern.

In der Nacht zum Sonntag komme eine sehr komplexe Wetterlage auf den Freistaat zu, sagte der Leiter der Regionalen Wetterberatung München des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Guido Wolz, am Freitag. Große Tiefausläufer bringen der Prognose zufolge kräftigen Schneefall in den Alpenraum und den Bayerischen Wald. Im Tagesverlauf könne die Schneefallgrenze auf 1200 Meter steigen, darunter wird es also regnen.

Am Freitag entspannte sich die Lage vielerorts zunächst leicht. Nach Einschätzung von Experten sank die Lawinengefahr in weiten Teilen der bayerischen Alpen. Für Freitag stufte der Lawinenwarndienst Bayern in München die Gefahr nur noch für die Berchtesgadener Alpen als groß (Stufe 4) ein, das ist die zweithöchste von fünf Gefahrenstufen. Für den übrigen Alpenraum gelte erhebliche Gefahr, also Warnstufe 3.

Auch in weiten Teilen Österreichs ging die Lawinengefahr leicht zurück. In den am stärksten vom enormen Schneefall der vergangenen Tage betroffenen Gebieten galt am Freitag zumeist die zweithöchste Warnstufe 4, wie die Warndienste mitteilten. Am Donnerstag war vielerorts noch die höchste Lawinenwarnstufe 5 in Kraft gewesen.

Im freien Gelände bleibt es aber dennoch äußerst gefährlich, wie unter anderem das Land Salzburg deutlich machte. «Der Schneedeckenaufbau ist extrem labil, und Lawinen können ganz leicht ausgelöst werden», sagte Michael Butschek vom Lawinenwarndienst Salzburg laut Mitteilung. «Wir raten dringend von Fahrten im freien Gelände ab.»

Trotz der leichten Entspannung mit Blick auf das winterliche Wetter wurden an den Flughäfen München und Frankfurt jeweils rund hundert Flüge für Freitag gestrichen. Weil es stärker schneien und glatt werden sollte, sei in Frankfurt etwa jede zehnte Flugverbindung annulliert worden, sagte ein Sprecher am Freitagmorgen. Insgesamt seien rund 120 Flüge betroffen.

In München wurden wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Freitag rund 90 Flüge gestrichen. Im Moment sei der Himmel zwar blau, weiterer Schneefall sei zunächst nicht in Sicht, «aber die Entscheidung, Flüge zu streichen, liegt in der Hand der jeweiligen Airline», sagte ein Sprecher des Flughafens.

- Anzeige -

In der Nacht zu Freitag mussten auf der Autobahn 8 im bayerischen Kreis Rosenheim zahlreiche Menschen mehrere Stunden bei starkem Schneefall in ihren Autos und Lastwagen ausharren. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Bernau am Chiemsee und Frasdorf in Richtung München war der Verkehr wegen Schneeglätte und querstehender Lastwagen am Donnerstagabend komplett zum Erliegen gekommen. Erst in den frühen Morgenstunden konnten Pkw und Lkw nach und nach wieder anfahren, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Helfer versorgten die Menschen in den Autos unter anderem mit warmen Getränken.

In Österreich wollen die Einsatzkräfte die kurze Erholungsphase für Erkundungsflüge mit Hubschraubern nutzen, um unter anderem kontrollierte Lawinensprengungen vorzubereiten. Dafür stellten nicht zuletzt das österreichische Bundesheer und das Innenministerium in Wien Helikopter zur Verfügung.

Viel Zeit bleibt nicht, wenn schon am Sonntag der nächste Schnee auf die Menschen im Alpenraum zukommt. In Summe könnte in höheren Lagen stellenweise mehr als ein Meter Neuschnee hinzukommen. «Das mag man sich nicht ausmalen, was da noch alles passieren kann», sagte DWD-Experte Wolz.

Vor allem die Schneebruchgefahr werde in Höhenlagen extrem zunehmen. Zur Einordnung: Derzeit liegen auf 1500 Metern zwischen anderthalb bis zweieinhalb Metern Schnee. Im Fichtelgebirge seien es 30 Zentimeter, im Bayerischen Wald 70, sagte Wolz. Im Alpenvorland auf Höhe München bis zum Inn seien es 10 bis 30 Zentimeter, im Süden der Landeshauptstadt schon doppelt so viel.

Im sächsischen Erzgebirge entspannte sich nach vielen wetterbedingten Verkehrsbehinderungen die Lage auf den Straßen etwas. Nach wie vor seien zwar viele Straßen gesperrt, sagte ein Sprecher der Polizei Chemnitz am Freitagmorgen. Es habe aber deutlich weniger Unfälle in der Region gegeben.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 21.03.2019
    In Friesenheim-Oberschopfheim
    Klasse statt Masse und Lebensmittel aus der Region – dieser Lebensstil ist nicht erst seit gestern immer mehr Menschen wichtig. Doch für viele ist es schwierig, diese Produkte vor Ort zu finden. Abhilfe schaffen hier kleinere Lebensmittelläden, wie „Xaver‘s Landmarkt“ in Oberschopfheim. Das Angebot...
  • 20.03.2019
    Eröffnung am 30. März
    Beim Grillen wird es jetzt richtig heiß: Der Obi Markt in Offenburg eröffnet am Samstag, 30. März, seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« – und macht sich zur Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. Zur...
  • 19.03.2019
    Kehl
    Zum 29. Mal können Gäste am Wochenende des 30. und 31. März in der Kehler Innenstadt den Kehler Autopark besuchen. Eingerahmt ist er in ein Frühlingsfest, der Sonntag ist außerdem verkaufsoffen.
  • 28.02.2019
    Kehl-Kork
    Traumhafte Bäder in den verschiedensten Varianten, zugeschnitten auf die individuellen Wünsche des Kunden - dafür stehen die Experten von Badtraum in Kehl-Kork seit 11 Jahren. Das Besondere dabei: Badtraum liefert alle Leistungen aus einer Hand und steht den Kunden von der Planung bis zum Einbau...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung über die Reform des Urheberrechts im EU-Parlament haben Tausende in Europa gegen das Vorhaben protestiert.
vor 2 Stunden
Berlin
Der CDU-Europaabgeordnete Axel Voss, einer der Väter der geplanten EU-Urheberrechtsreform, beklagt eine beispiellose Kampagne gegen sich.
Nach monatelangen Kämpfen haben Truppen unter kurdischer Führung die letzte Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien eingenommen.
vor 3 Stunden
Frankfurt/Main
Die Beweislage in Prozessen gegen IS-Rückkehrer ist laut einer Wissenschaftlerin oft schwierig.
Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, bei einer Pressekonferenz während des EU-Gipfels.
vor 4 Stunden
London
Die britische Premierministerin Theresa May kommt angesichts des Brexit-Chaos immer stärker unter Druck.
vor 5 Stunden
Baden-Württemberg
Auch wenn sich viele Menschen im Südwesten nicht mehr so sicher fühlen wie früher: Die Kriminalität im Land ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
vor 7 Stunden
Nachrichten
Trotz großer Anstrengungen sitzen noch lang nicht so viele Bürger im Fahrradsattel wie das Land das gerne hätte. Verkehrsminister Winfried Hermann gibt vor allem den Kommunen die Schuld.
vor 22 Stunden
Zwei Redakteure, zwei Meinungen
Noch immer ist das Brexit-Problem nicht gelost. Im Pro & Kontra der Mittelbadischen Presse geht es um die Frage, ob in Großbritannien ein zweites Referendum zum EU-Austritt stattfinden soll.
23.03.2019
Nachrichten
In Dutzenden Städten in ganz Europa soll am Samstag gegen die geplante europäische Urheberrechtsreform demonstriert werden. Am Dienstag will sich das Europaparlament damit beschäftigen. Jetzt meldet sich auch die Kirche zu Wort.
23.03.2019
Kommentar des Tages
Der Protest gegen die Reform des Urheberrechts hat dazu geführt, dass sich auch in Berlin verstärkt nach Lösungen gesucht wird - für unseren Korrespondenten Hagen Strauß ein positiver Effekt.
Antiterror-Übung eines Spezialeinsatzkommandos der Frankfurter Polizei. Den Verhafteten wird vorgeworfen, gemeinsam verabredet zu haben, einen islamistisch motivierten Anschlag zu verüben.
22.03.2019
Frankfurt/Main
Die Polizei hat im Rhein-Main-Gebiet mehrere Salafisten festgenommen, die einen Terroranschlag geplant haben sollen.
22.03.2019
Nachrichten
Da zwei zentrale Verkehrsachsen im Südwesten gesperrt werden, müssen sich Reisende am Wochenende auf größere Behinderungen einstellen. Sowohl die Autobahn 8 von Stuttgart Richtung Ulm und München als auch die Bahnlinie Stuttgart-Ulm werden für mehrere Tage gesperrt sein
22.03.2019
Brexit
Ein kollektives Aufatmen ging am Freitag durch die britische Brust. Der No Deal, der ungeregelte Austritt Großbritanniens aus der EU, der am 29. März gedroht hatte, ist erst einmal vom Tisch. 
Vor einer Woche waren bei «Gelbwesten»-Demonstrationen rund um den Prachtboulevard Champs-Élysées Läden geplündert, Restaurants demoliert und Autos angezündet worden.
22.03.2019
Paris
Frankreich will mit Demonstrationsverboten eine erneute Eskalation der Gewalt bei «Gelbwesten»-Protesten verhindern. Der neue Pariser Polizeipräsident Didier Lallement untersagte an bestimmten Orten in Paris Proteste am Samstag.