Washington

Demokratin unterstellt Brett Kavanaugh sexuellen Übergriff

Autor: 
Friedemann Diederichs
Lesezeit 4 Minuten
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17. September 2018
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Brett Kavanaugh, Kandidat für ein Richteramt am Obersten Gerichtshof der USA: Die heute 51-jährige Christine Ford behauptet, von ihm im Teenager-Alter sexuell belästigt worden zu sein. ©dpa

Mit der Psychologin Christine Ford und ihrem späten Vorwurf einer sexuellen Belästigung scheint den Demokraten ein Gottesgeschenk in den Schoß gefallen zu sein. Brett Kavanaugh, Donald Trumps konservativer Kandidat für den Obersten Gerichtshof, steht im Kreuzfeuer der Kritik.

Der Vorgang, der nun plötzlich höchste politische Brisanz in Washington erreicht hat, liegt mehr als 35 Jahre zurück. Brett Kavanaugh, Donald Trumps konservativer Kandidat für den Obersten Gerichtshof (»Supreme Court«), soll – so der kurz vor der geplanten Bestätigung Kavanaughs aufgetauchte Vorwurf – während seiner Schulzeit als 17-Jähriger bei einer feuchtfröhlichen Party eine 15-jährige Teenagerin sexuell bedrängt und versucht haben, ihre Kleidung zu entfernen. Das Mädchen von damals ist die heute 51-jährige Christine Ford, eine Uni-Psychologin in Stanford (Kalifornien), regis­trierte Demokratin und Parteispenderin für ihre Partei.

Ihr Motiv erscheint gut erkennbar: die Berufung Kavanaughs zu verhindern

Warum sie bisher geschwiegen hat und den Vorwurf nach Jahrzehnten nun ausgerechnet vor der für Donnerstag geplanten Senatsabstimmung über Kavanaugh erhebt, das hat die Frau nicht schlüssig erklärt. Ihr Motiv erscheint aber dennoch gut erkennbar: die Berufung Kavanaughs zu verhindern – eines Kandidaten, der für Amerikas Linke ein rotes Tuch ist und der, so fürchten die Demokraten, auch in der Abtreibungsfrage neue Rechtsgrundlagen schaffen könnte.

Mit der Psychologin aus Kalifornien und ihrem späten Vorwurf scheint der Trump-Opposition nun ein Gottesgeschenk in den Schoß gefallen zu sein. Obwohl ein von der Frau namentlich benannter, damals bei dem angeblichen Vorfall ebenfalls anwesender Junge jetzt gegenüber der Zeitung »Weekly Standard« die Vorwürfe Fords für »verrückt« erklärte und feststellte, er habe ein solches Verhalten Kavanaughs in dem Zimmer überhaupt nicht gesehen, scheint die Aussage – gefördert auch vom gesellschaftlichen Klima der »metoo«-Bewegung – dennoch bei einem Teil der Senatoren Wirkung zu zeigen, die Kavanaugh bestätigen müssen.

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Nachdem zunächst erwartungsgemäss unter Demokraten der Ruf nach einer Verschiebung der Abstimmung laut geworden war, schlossen sich am Wochenende auch erste Republikaner dieser Forderung an. Jeff Flake, einer der konservativen Trump-Kritiker im Senat, will nun ebenso eine Vertagung wie sein Parteifreund Bob Corker, der sich ebenfalls mit Distanz zum Präsidenten zu profilieren versucht hat. Beide sagen, Ford müsse vor einer Abstimmung angehört werden.

Da die Republikaner im Senat lediglich einen Zweistimmen-Vorsprung haben und Kavanaugh mit einfacher Mehrheit bestätigt werden muss, könnte es am Ende für den Trump-Kandidaten eng werden. Mit der Behauptung eines bisher durch Zeugen nicht bewiesenen und von Kavanaugh erbost zurückgewiesenen sexuellen Übergriffs haben Gegner des Präsidenten nun ein öffentlichkeitswirksames Argument bekommen, die Nominierung entgleisen zu lassen. Ausgerechnet die von Trump häufig kritisierte »Washington Post« hat der angeblich sexuell Bedrängten nun ein Sprachrohr gegeben. Die Frau will den vermeintlichen Vorfall im Sommer zunächst einer Abgeordneten der Demokraten vertraulich mitgeteilt haben. Die Parlamentarierin informierte dann ihre Parteifreundin Dianne Feinstein, die im Senat über Kavanaugh mitentscheiden muss.

Schnell wurde dann der Name des angeblichen Opfers von Demokraten an Medien weitergereicht, obwohl sich die Frau Berichten zufolge Anonymität erbeten hatte. Auf Anraten einer Frauenrechts-Anwältin will sie sogar einen Lügendetektor-Test bei einem pensionierten FBI-Beamten absolviert haben, den sie bestanden habe. Doch mit entsprechender Vorbereitung können solche Testergebnisse manipuliert werden.

Bei diesen Wahlen könnten die Demokraten die Mehrheit im Senat zurückgewinnen

Die Zeit drängt jedenfalls für Trump, seinen Kandidaten bestätigen zu lassen. Zieht sich Kavanaugh zurück – eine Forderung, die das Weiße Haus gestern zurückwies – würde ein neuer Bewerber nicht vor den Kongress-Zwischenwahlen im November vom Senat bestätigt werden können. Und bei diesen Wahlen könnten die Demokraten auch die Mehrheit im Senat zurückgewinnen – und jedem Kandidaten des Präsidenten die Rote Karte zeigen.

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