Wetter

Die Stürme stehen Schlange

Autor: 
Klaus Zintz
Lesezeit 3 Minuten
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14. Februar 2020
Riesige Wellen schlagen über die Uferpromenade im britischen Blackpool.

Riesige Wellen schlagen über die Uferpromenade im britischen Blackpool. ©Foto: dpa/Peter Byrne

Am vergangenen Wochenende brauste Orkan Sabine über uns hinweg, nun streift mit Victoria ein weiterer heftiger Sturm Nordeuropa. Warum Stürme derzeit an der Tagesordnung sind.

Stuttgart/Offenbach - Stürmisch soll es am Sonntag werden, zumindest im Norden Deutschlands. Dort sind im Flachland Sturmböen bis Windstärke acht oder neun vorhergesagt – und in höheren Lagen sogar orkanartige Böen bis Windstärke elf. Dem Süden steht dagegen wegen der warmen Luftströmung aus Südwesteuropa ein eher sonniges und vor allem ungewöhnlich mildes Wochenende bevor: Bis zu 18 oder gar 20 Grad am Oberrhein soll es warm werden – wobei der Wind vor allem in höheren Lagen auch stürmisch blasen kann. Auf den Schwarzwaldgipfeln können sogar wieder orkanartige Böen dabei sein.

Der Grund für die anhaltend unruhige Lage in der Atmosphäre liegt weit draußen im Nordatlantik. Dort prallen nach wie vor eiskalte Luftmassen aus der Arktis auf Warmluft aus dem Süden. Man kann auch sagen: Den Tiefdruckgebieten im Norden steht ein anhaltendes Hochdruckgebiet im Süden gegenüber.

Orkane mit Windgeschwindigkeiten bis Stärke zwölf sind an der Tagesordnung

Die starken Druck- und Temperaturunterschiede sorgen für heftige Winde – Stürme oder Orkane mit Windgeschwindigkeiten bis Stärke zwölf sind derzeit an der Tagesordnung. So wurden bei Orkan Sabine auf dem Feldberg im Schwarzwald beeindruckende 177 Kilometer pro Stunde registriert – ein bundesdeutscher Rekord, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) jetzt in seinem Bericht über Sabine mitteilte. In einigen Ländern lagen die Spitzengeschwindigkeiten sogar noch darüber, etwa in Großbritannien, der Schweiz, Polen oder Frankreich, wo mit 219 Kilometern pro Stunde der Europarekord gemessen wurde.

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Sabine ist von den Meteorologen übrigens schon Tage zuvor sehr genau vorhergesagt worden, in der Stärke wie auch im räumlichen Ausmaß. Aus Sicht von Peter Knippertz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) war dies ein Segen: „Nach meiner Einschätzung konnten dadurch Schäden und sogar Todesfälle verhindert werden. Während es in den Nachbarländern mehrere Tote gab, blieb Deutschland verschont.“

Sabine verursacht Schäden in Höhe von 500 bis 700 Millionen Euro

Doch auch so war Sabine immer noch sehr teuer: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schätzt die versicherte Schadenssumme auf 500 bis 700 Millionen Euro. Zum Vergleich: Orkan Lothar hatte 1999 rund 800 Millionen Schaden verursacht.

Und nun rückt Victoria an, „ein für die Jahreszeit normaler, handelsüblicher“ Sturm, so der DWD. Seine Auswirkungen solle man weder übertreiben noch verharmlosen. Entstanden ist er wie seine Vorgänger im Nordatlantik: Am Freitag befand sich das Tiefdruckgebiet östlich von Neufundland. „Es wird unter starker Intensivierung nordostwärts rasen und ab Samstag zu einem steuernden Orkantief bei Island werden“, lautete die Prognose des DWD. Und wie bei Sabine beeindruckt die „große räumliche Dimension des Tiefdrucksystems mit mehreren Kernen“. Laut aktuellen Prognosen zieht der Orkan wie Sabine an Großbritannien vorbei Richtung Norwegen.

Forscher sehen keinen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung

Dass sich derzeit am laufenden Band Stürme entwickeln, liegt vor allem an der sogenannten Nordatlantischen Oszillation (NAO). Wenn wie jetzt der Westwind durch ein sehr kräftiges Islandtief im Norden und ein ausgeprägtes Azorenhoch im Süden verstärkt wird, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit für Stürme in Europa. Der NAO-Index, der die Intensität der Oszillation beschreibt, schwankt aber zwischen einzelnen Jahren und Jahrzehnten erheblich. Einen Langzeittrend haben die Meteorologen bisher noch nicht erkennen können – also auch keinen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung.

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