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Digitales

Keine Macht dem Programm

Freie Software OG will nicht von einem kommerziellen Programmm abhängig sein / Tüfteln für andere
15. September 2016
&copy Ulrich Marx

Die meisten Nutzer haben sich damit abgefunden, dass Programme alles kontrollieren und ein regelmäßiges Update brauchen. Aber eine Gruppe hält dagegen: Freie Software OG. Jeden ersten Mittwoch im Monat treffen sich in Offenburg Leute, die ihre Daten schützen und ihre Programme frei wählen wollen – auch im Sinne der Nachhaltigkeit.
 

»Ich stelle das ins Internet, jeder kann es dann herunterladen«, sagt Edgar Hoffmann am Ende seines Vortrages. Während es Skripte ansonsten oft nur für diejenigen gibt, die Eintritt oder Seminargebühr bezahlt haben, tickt Freie Software OG anders: Hier ist das Teilen der Gewinn.

»Fast Edi« – also »schneller Edi«, wie Hoffmann auch genannt wird – und das Dutzend Teilnehmer, das jeden Monat zu den Treffen kommt, steht für die Freiheit im Umgang mit Programmen. Ganz gleich, ob Daten verarbeitet oder Flyer erstellt werden sollen. Erwünscht ist dabei der Blick hinter die Kulissen: Statt auf Insiderwissen einer Firma setzt Freie Software OG auf Betriebssysteme, deren Hintergründe jeder studieren darf. Linux ist dafür das Paradebeispiel – deshalb thront »Hub« auch auf dem Tisch. Der Pinguin ist das Markenzeichen von Linux.

Zudem geht es darum, dass mit dem quelloffenen System gearbeitet werden darf. »Man kann es um genau die Funktion ergänzen, die gewünscht ist«, sagt Hoffmann. Das ist allen am Tisch wichtig, denn nur so ist gewährleistet, dass man das Programm kontrolliert. »Oft ist das umgekehrt«, gibt Hoffmann zu bedenken.

Vor allem die gängigen Softwareprodukte treiben den Nutzer vor sich her. Ein neues Update, eine veränderte Version – als User ist man fast chancenlos, da nicht mitzumachen. »Ansonsten ist das Programm nicht mehr kompatibel zu anderen Versionen«, erläutert Hoffmann.

Übrigens: Frei heißt nicht unbedingt kostenlos. Die Branche kann damit Geld verdienen, indem sie Kurse geben oder für Firmen Auftragsprogramme zur Ergänzung programmiert. Denn bei Letzterer wird Linux gerne genutzt, als Desktopversion hat es noch ein paar Anlaufschwierigkeiten. Dabei sieht »Fast Edi« auch hier nur Vorteile. Solche Programme sind langlebig, weil immer an ihnen herumgetüftelt wird. Trotzdem bleiben auch die vorherigen Varianten kompatibel, sämtliche bisherigen Dokumente können weiterhin eingesehen werden. »Auch seinen alten Rechner kann man im Sinne der Nachhaltigkeit weiter verwenden«, sagt Hoffmann. Deshalb ist Helmut Moßmann mit seinem älteren Rechner erschienen. Nach dem Vortrag kümmert sich die Gemeinschaft darum, ihn wieder flottzubekommen. Ein anderer Besucher beschäftigt sich erst seit geraumer Zeit mit Linux: »Am Anfang war es kompliziert, jetzt ist es einfach geworden.« Sodass er das kleine Netzwerk, das er zuhause betreut, fast allein warten kann.

»Uns ist es wichtig, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben«, sagt »Fast Edi«. Wer nicht als Entwickler mitprogrammiert, übersetzt fremdsprachige Dokumente und Handbücher oder bringt sich anderweitig ein.

Autor:
Bettina Kühne