Skandal um Prinz Andrew

Epstein-Opfer über Tanz mit Prinzen: „Habe mich geekelt“

Autor: 
red/dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
02. Dezember 2019
Prinz Andrew steht in der Kritik.

Prinz Andrew steht in der Kritik. ©Foto: dpa/Swen Pförtner

Der Druck auf Prinz Andrew steigt. Er soll mit einem damals minderjährigen Missbrauchsopfer Sex gehabt haben - nun spricht die junge Frau im TV. Drahtzieher soll US-Multimillionär Epstein gewesen sein. Zu ihm hatte auch Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit Kontakt.

London/Oslo/New York - Eines der Opfer im Missbrauchsskandal um den US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein hat erneut schwere Vorwürfe gegen den britischen Prinzen Andrew erhoben. Virginia Giuffre schildert in einem in einem BBC-Interview, sie sei drei Mal zum Sex mit dem Royal gezwungen worden, zwei Mal davon als 17-Jährige. Die Übergriffe sollen 2001 und 2002 stattgefunden haben.

Der Prinz, der als Lieblingssohn von Königin Elizabeth II. gilt, streitet das ab. Den detailreichen Schilderungen der US-Amerikanerin hatte der 59-Jährige aber bereits bei einem BBC-Interview im vergangenen Monat wenig entgegenzusetzen gehabt. Die britische Rundfunkanstalt hatte das Giuffre-Interview damals bereits aufgezeichnet gehabt, aber bewusst zurückgehalten.

Giuffre gibt an, Andrew habe ihr in einem Londoner Nachtclub Wodka zu trinken gegeben. Dann habe er mit ihr tanzen wollen. „Er ist der abscheulichste Tänzer, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe“, sagte die Frau in dem Interview, das am Montagabend gesendet werden sollte. „Es war schrecklich.“

Andrew habe sehr stark geschwitzt - „es regnete praktisch überall hin“. Sie habe sich davor geekelt, sagte die US-Amerikanerin. „Aber ich wusste, ich musste ihn glücklich machen.“ Das hätten Jeffrey Epstein und dessen Freundin Ghislaine Maxwell von ihr erwartet. Später sei sie gedrängt worden, mit Andrew zu schlafen. Sie forderte die britische Öffentlichkeit auf, sie zu unterstützen. Sie sei ein Opfer von Menschenhandel geworden, so Giuffre.

Epstein nahm sich das Leben

Der Royal war jahrelang mit dem US-Multimillionär Epstein befreundet und war mehrfach in verschiedenen Epstein-Anwesen Übernachtungsgast. Der einschlägig vorbestrafte US-Amerikaner nahm sich im August 2019 in Untersuchungshaft das Leben. Ihm wurde vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Auch nach einem ersten Gefängnisaufenthalt Epsteins hatte Andrew den Kontakt zu ihm nicht aufgegeben, was er inzwischen öffentlich bedauert hat.

- Anzeige -

Lesen Sie auch: „Randy Andy“ spielt gerne mit dem Feuer

Auch Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit bereut den Kontakt zum Multimillionär Epstein, der viele prominente Freunde hatte. „Ich hätte niemals etwas mit Epstein zu tun gehabt, wenn mir die Schwere seiner Verbrechen bewusst gewesen wäre“, teilte die 46-Jährige der norwegischen Zeitung „Dagens Næringsliv“ mit. „Ich hätte Epsteins Vergangenheit näher untersuchen sollen, und ich bedauere, dass ich das nicht getan habe.“ Zudem sprach sie Epsteins Opfern ihre „Solidarität“ aus. Wie die Zeitung am Montag berichtete, traf Mette-Marit den Geschäftsmann mehrfach 2011 und 2013 in den USA und in Oslo. Zu der Zeit lag bereits ein Schuldspruch und eine abgesessene Haft wegen Missbrauchs hinter ihm.

Nach einem verunglückten TV-Interview, mit dem Prinz Andrew seinen Ruf wieder herstellen wollte, trat der Royal kürzlich von allen öffentlichen Aufgaben für das Königshaus zurück. Außerdem versprach er, den Ermittlungsbehörden zu helfen. US-Opferanwältinnen forderten den Prinzen auf, auch bei Zivilklagen unter Eid auszusagen.

Was droht Prinz Andrew?

Ein Foto, das Andrew mit der damals 17 Jahre alten Virginia Giuffre im Haus von Maxwell in London zeigt, will der Prinz nicht wiedererkennen. Behauptungen, das Foto könnte manipuliert sein, bezeichnete Giuffre im BBC-Interview als „lächerlich“. „Es gibt nur einen von uns, der die Wahrheit sagt, und ich weiß: Das bin ich.“ Sie flehe die Briten an, ihr zu glauben. „Dies ist keine schmutzige Sex-Geschichte. (...) Dies ist eine Geschichte über Missbrauch.“

Scotland Yard wollte eine Anzeige wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung gegen Epstein und Maxwell nicht weiter verfolgen. Die mutmaßlichen Straftaten hätten sich größtenteils außerhalb Großbritanniens ereignet. Daher fehle die Zuständigkeit. Der BBC zufolge hatte Giuffre die Anzeige erstattet.

Noch ist unklar, was Prinz Andrew durch Ermittlungen in den USA drohen könnte. Momentan jedenfalls wirft ihm keine Behörde Fehlverhalten vor. Auch in der Anklageschrift gegen Epstein aus dem Sommer, die den Fall wieder in Rollen gebracht hatte, war der Name des Prinzen nicht aufgetaucht. Die New Yorker Staatsanwälte hatten nach Epsteins Suizid aber wiederholt angekündigt, dass die Ermittlungen gegen Verdächtige weitergingen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass daraus neue Anklagen entstehen. Ob auch direkt gegen Andrew ermittelt wird, ist unklar.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

06.12.2019
Nachrichten
Die SPD hat zwei neue Chefs: Der Parteitag in Berlin hat die Wahl der Basis bestätigt, Esken und Walter-Borjans rücken an die Spitze. Zuvor hatten die beiden klar gemacht, was sie ändern wollen.
06.12.2019
Klimaschutz
Die Landes-CDU liest den Kommunen in Baden-Württemberg die Leviten: Künftig soll kein Neubau mehr ohne Fotovoltaikanlage gebaut werden, und das ist erst der Anfang.
06.12.2019
Franzosen streiken
Ganz Frankreich streikt wegen der Politik von Präsident Macron. Und auch in Straßburg gehen die Menschen vor allem aus einem Grund auf die Straße. 
03.12.2019
Antisemitismus
Unbekannte haben im Elsass Gräber auf einem jüdischen Friedhof geschändet. Auf 107 Grabstätten des Friedhofs Westhoffen, rund 25 Kilometer von Straßburg entfernt, seien antisemitische Inschriften gefunden worden, teilte die Präfektur Bas-Rhin am Dienstag mit.
02.12.2019
Baden-Württemberg
Lust, Bürgermeister zu werden? Viele geeignete Kandidaten und Kandidatinnen winken da ab. Laut einer neuen Studie büßt das Amt in Baden-Württemberg an Attraktivität ein. Woran liegt das?
02.12.2019
Nachrichten
Möglicherweise wird schon bald ein neuer Bundestag gewählt. Die AfD will darauf vorbereitet sein. Sie hat vor allem nach ihren jüngsten Erfolgen bei den drei Landtagswahlen im Osten Oberwasser. Die neue Führung gibt ein ehrgeiziges Ziel aus.
Ausgelöst wurden die Impeachment-Ermittlungen durch die Ukraine-Affäre. Trump hatte in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Juli Ermittlungen gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden angeregt.
02.12.2019
Washington
Präsident Donald Trumps Anwälte wollen nicht an der für diese Woche geplanten Anhörung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen den Staatschef teilnehmen.
Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben den Mitgliederentscheid um den SPD-Vorsitz mit 53,06 Prozent der Stimmen gewonnen.
02.12.2019
Berlin
Nach dem Überraschungssieg von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans im Kampf um die SPD-Spitze werden bei den Sozialdemokraten Stimmen für einen Verbleib in der Koalition lauter.
Bauern demonstrieren vor dem Landwirtschaftsministerium in Bonn: «Stoppt den Bürokratiewahnsinn bei der Düngeverordnung».
02.12.2019
Berlin
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt heute in Berlin mit Vertretern von rund 40 landwirtschaftlichen Verbänden und Organisationen zusammen.
Hier hatte Sturmtief «Mortimer» zugeschlagen: Reisende in Hamburg, nachdem die Bahn Teile des Fernverkehrs im Norden eingestellt hatte.
02.12.2019
Brüssel
Die EU-Verkehrsminister beraten heute in Brüssel über Fahrgastrechte im europäischen Bahnverkehr. Im Gespräch ist unter anderem, Bahnunternehmen bei Fällen von höherer Gewalt - etwa bei Verspätungen - von der Haftung zu befreien.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat die schlimmsten Klimasünder der Erde zu stärkerem Einsatz aufgerufen.
02.12.2019
Madrid
Unter den kritischen Blicken der «Fridays for Future»-Bewegung startet am Montag die 25. UN-Klimakonferenz in Madrid. Zum Auftakt werden unter anderem UN-Generalsekretär António Guterres und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Spaniens Hauptstadt erwartet.
Eine Polizeistreife fährt durch den Ort Villa Unión.
02.12.2019
Villa Unión
Blutiges Wochenende in Mexiko: Bei Schießereien zwischen mutmaßlichen Mitgliedern eines Drogenkartells und Sicherheitskräften sind im Norden des Landes 20 Menschen ums Leben gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 06.12.2019
    Durbach
    Vorspeise, Hauptspeise, Dessert – das kann jeder. Das Hotel Ritter in Durbach geht dagegen andere Wege. Mit [maki:‘dan] haben die Hoteleigentümer Ilka und Dominic Müller nichts anderes als die Revolution im Ritter eingeleitet. Was dahintersteckt.
  • 02.12.2019
    Freistett
    Ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zu einem besonderen Anlass: Edle Spirituosen sind ein beliebtes Geschenk. Wer aber das besondere Etwas sucht, wird bei „Getränke Hetz“ in Rheinau-Freistett fündig – denn dort ist die Auswahl wahrlich gigantisch!
  • 02.12.2019
    Bergheimer Industrie- & Garagentore GmbH
    „Wir machen Ihr Tor“ ist die Devise des Unternehmens Bergheimer Industrie- & Garagentore GmbH mit dem Hauptsitz in Appenweier und bietet seinen Kunden eine breite Palette verschiedenster Toranlagen. Für jede noch so schwierige Einbausituation fertigt Bergheimer Toranlagen für den privaten und...
  • 29.11.2019
    Bei Leitermann Schlafkultur
    Leitermann Schlafkultur wird 60 Jahre alt und feiert das mit Experten-Vorträgen und tollen Jubiläumsangeboten. Seien Sie dabei!