Ölanlagen-Krise

Eskaliert die Lage? Trump vermutet Iran hinter Angriffen

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. September 2019
Mehr zum Thema
Donald Trump am Montag auf dem Südrasen des Weißen Hauses im Gespräch mit Journalisten.

Donald Trump am Montag auf dem Südrasen des Weißen Hauses im Gespräch mit Journalisten. ©dpa - Manuel Balce Ceneta/AP

Nach den Drohnenangriffen in Saudi-Arabien stehen viele Drohungen im Raum. Ob die Lage im Nahen Osten eskaliert, hängt auch davon ab, wer als Verantwortlicher ausgemacht wird. US-Präsident Trump will sich noch nicht festlegen – hat aber einen Verdacht.

US-Präsident Donald Trump hat nach den Angriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien den Iran als möglichen Verantwortlichen ins Visier genommen. «Es sieht danach aus», dass der Iran hinter den Angriffen stecke, sagte Trump am Montag im Weißen Haus in Washington. Trump betonte zugleich, dass die USA keinen Krieg mit Teheran wollten.

Die Angriffe am Samstag hatten die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert und den Ölpreis in die Höhe getrieben. Deutschland, Russland und China riefen alle Beteiligten am Montag zu Besonnenheit auf. Die Lage ist ohnehin angespannt: Seit der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die US-Regierung vor gut einem Jahr hat sich der Konflikt zwischen Washington und Teheran immer weiter verschärft.

Die USA seien auf einen Konflikt vorbereitet

Einige Mitglieder der US-Regierung hatten den Iran für die Drohnenangriffe direkt verantwortlich gemacht - zum Beispiel Außenminister Mike Pompeo. So deutlich wurde Trump am Montag nicht. «Wir müssen definitiv herausfinden, wer es getan hat», sagte er. Die Untersuchungen dauerten an. «Ich will mit niemandem Krieg.» Die Vereinigten Staaten seien aber auf einen Konflikt vorbereitet. «Das war ein sehr großer Angriff. Er könnte von unserem Land sehr leicht mit einem viel, viel größeren Angriff erwidert werden.»

Wie ernst die Lage war, zeigte am Montag auch ein Treffen im Weißen Haus: Dort wurde Trump von führenden Mitarbeitern aus dem Pentagon über die Situation unterrichtet, wie Verteidigungsminister Mark T. Esper auf Twitter erklärte. Esper warf dem Iran vor, die internationale auf Regeln basierende Ordnung zu «untergraben».

Der iranische Präsident Hassan Ruhani verteidigte die Angriffe aus dem Jemen gegen Ziele in Saudi-Arabien. Zu Vorwürfen der USA, dass der Iran an den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien beteiligt gewesen sei, äußerte sich Ruhani nicht. Schon zuvor hatte das Außenministerium in Teheran die Vorwürfe als absurd zurückgewiesen.

- Anzeige -

Huthi-Rebellen im Jemen bekennen sich zu Angriffen

«Weil die US-Politik des maximalen Drucks auf den Iran gescheitert ist, sind die Amerikaner nun auf die der maximalen Lügen umgestiegen», sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi. Was im Jemen passiere, sei einfach nur der Widerstand der Jemeniten «gegen die Kriegsverbrechen der von den Saudis angeführten Militärkoalition» - und die Jemeniten hätten ein Recht darauf, «sich gegen die Vernichtung ihres Landes zu wehren».

Am Wochenende hatten sich die Huthi-Rebellen im Jemen zu den Angriffen bekannt. Saudi-Arabien führt ein Militärbündnis an, das die Huthis im Jemen unter anderem mit Luftangriffen bekämpft. Das sunnitische Königreich sieht in den Rebellen einen engen Verbündeten seines schiitischen Erzrivalen Iran. Die Huthis greifen Saudi-Arabien regelmäßig mit Drohnen und Raketen an. Vertreter der US-Regierung erklärten Medienberichten zufolge, die Angriffe vom Wochenende seien so komplex gewesen, dass die Huthis sie nicht alleine hätten ausführen können.

Saudi-Arabien will die Vereinten Nationen einladen

Saudi-Arabien kündigte an, die Vereinten Nationen und internationale Experten einladen zu wollen, sich an den Ermittlungen zu beteiligen. Das Außenministerium in Riad erklärte - wie auch zuvor ein saudischer Militärsprecher - bei den Bombardierungen am Samstag seien iranische Waffen benutzt worden. Ziel der Angriffe sei in erster Linie die internationale Energieversorgung gewesen. Der saudische Ölkonzern Aramco habe rund die Hälfte der Produktion stoppen müssen.

Seit den Angriffen am Samstag ist der Ölmarkt im Ausnahmezustand. Die Ölpreise stiegen am Montag so stark wie seit Jahrzehnten nicht. Sie schnellten zunächst um fast 20 Prozent nach oben. Später schwächte sich der Anstieg etwas ab.

In Deutschland fachten die Angriffe die Debatte über eine Wiederaufnahme von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien an. Die Grünen im Bundestag lehnen eine aus der Union geforderte Wiederaufnahme von Rüstungsexporten in das Königreich ab.
«Es ist aberwitzig, angesichts der Eskalation im Golf die Risiken dort mit weiteren Rüstungsexporten noch mehr zu erhöhen», sagte die Grünen-Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger der Deutschen Presse-Agentur. An der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien und dem blutigen Krieg im Jemen habe sich nichts geändert. Ein deutscher Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien läuft am 30. September aus.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 4 Stunden
Nachrichten
Felsstürze auf Autobahnen in Deutschland sind sehr selten. Wenn es passiert, können die Folgen wie nun in Baden-Württemberg tödlich sein.
Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschlands, spricht auf einer Veranstaltung.
vor 5 Stunden
Berlin/Saarbrücken
Der Chef der Jungen Union (JU), Tilman Kuban, hat einen neuen Anlauf zu einer Reform des europäischen Urheberrechts ohne sogenannte Upload-Filter gefordert.
Die katalanischen Separatistenführer auf der Anklagebank im Obersten Gericht in Madrid.
vor 6 Stunden
Madrid
Im ebenso historischen wie umstrittenen Prozess gegen die katalanischen Separatistenführer sind neun Angeklagte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.
Gergely Karacsony, der siegreiche Kandidat der Opposition, nach der Bürgermeisterwahl in Budapest.
vor 6 Stunden
Budapest
Die Opposition in Ungarn hat bei den landesweiten Kommunalwahlen einen unerwarteten Sieg erzielt. Ihr Kandidat, der Soziologe Gergely Karacsony, wurde Oberbürgermeister von Budapest und löst den bisherigen Amtsinhaber Istvan Tarlos von der rechts-nationalen Regierungspartei Fidesz ab.
Warnt vor Pauschalurteilen gegen die Gamerszene gewarnt: CSU-Chef Markus Söder.
vor 9 Stunden
München
CSU-Chef Markus Söder hat bei der Aufarbeitung des Terroranschlags von Halle vor Pauschalurteilen gegen die Gamerszene gewarnt.
Der goldfarbene SUV wird nahe der Düsseldorfer Königsallee abgeschleppt.
vor 9 Stunden
Düsseldorf
Mit einer ungewöhnlichen Begründung hat die Düsseldorfer Polizei ein goldfarbenes Autos aus dem Verkehr gezogen. Der mit goldener Folie überzogene Wagen sei eventuell zu grell für den Straßenverkehr, sagte ein Polizeisprecher am Montag.
Suchaktion am Elbdeich in Brunsbüttel: Eine Frau und ihr achtjähriger Sohn werden weiter vermisst.
vor 10 Stunden
Brunsbüttel
Einsatzkräfte haben in der Nacht zum Montag vergeblich nach einer im Watt vor Brunsbüttel vermissten Frau und ihrem achtjährigen Sohn gesucht.
vor 10 Stunden
Bühl
Der neue Oberbürgermeister in Bühl ist auch der alte: Amtsinhaber Hubert Schnurr ist mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. Der 64-Jährige hatte aber auch keinen Gegenkandidaten.
Die katalanischen Separatistenführer auf der Anklagebank im Obersten Gericht in Madrid.
vor 11 Stunden
Madrid
Im historischen Prozess gegen die katalanischen Separatistenführer hat das Oberste Gericht in Madrid neun der Angeklagten am Montag des Aufruhrs für schuldig gesprochen.
Andrea Nahles war mit einer Unterbrechung seit 1998 im Bundestag.
vor 11 Stunden
Berlin
Die frühere Partei- und Fraktionschefin der SPD, Andrea Nahles, legt jetzt auch ihr Bundestagsmandat nieder. Das schrieb sie am Montag an Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), wie Nahles der Deutschen Presse-Agentur mitteilen ließ. 
PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal in Gnesen.
vor 12 Stunden
Warschau
Bei der Parlamentswahl in Polen hat sich die nationalkonservative Regierungspartei PiS mit großem Vorsprung vor der politischen Konkurrenz durchgesetzt.
SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil: «Die Parteibasis wünscht sich mehr Miteinander in der SPD.».
vor 12 Stunden
Berlin
Zum Beginn der Mitgliederbefragung plädiert SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil noch einmal für mehr Geschlossenheit in der Partei.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 11.10.2019
    Offenburg
    Sorgenfrei zur Traumküche, von der Planung bis zur Montage, begleitet von erfahrenen Profis – das bietet die Streb-Küchenwelt in Offenburg. Der verkaufsoffene Sonntag am 13. Oktober ist die ideale Gelegenheit für eine entspannte Beratung vor Ort.
  • 08.10.2019
    Entspannung ist im hektischen Alltag immer wichtiger. Die volle Entspannung finden Sie im Nationalpark-Hotel Schliffkopf auf den Höhen der Schwarzwaldhochstraße. Mit der Kombination aus hochwertigen Pflegeprodukten und einer einzigartigen Landschaft, können Kunden voll vom Alltag abschalten.
  • 04.10.2019
    Im Oktober in Südbaden
    Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 10. bis zum 12. bzw. 13. Oktober findet in neun Märkten in der Region die große Hausmesse statt.
  • 04.10.2019
    Ausgezeichnete Experten seit 30 Jahren
    Wenn es nicht nur gut werden soll, sondern perfekt, ist die erste Adresse für die besondere Küche: Küchen-Schindler in Achern. Leidenschaft, Präzision, Liebe und Akribie - mit diesen Merkmalen plant und gestaltet Küchen Schindler aus Achern seit 30 Jahren Küchen.