Rom

Etwa 170 tote Migranten bei Schiffsunglücken befürchtet

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
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20. Januar 2019
Migranten sitzen in einem Schlauchboot, nachdem sie im Mittelmeer entdeckt und gerettet wurden.

Migranten sitzen in einem Schlauchboot, nachdem sie im Mittelmeer entdeckt und gerettet wurden. ©dpa - Olmo Calvo/AP

Bei zwei Schiffsunglücken im Mittelmeer könnten bis zu 170 Migranten gestorben sein. Ein Unglück mit womöglich 117 Vermissten ereignete sich am Freitag vor der Küste Libyens. Ein weiteres soll auf der Spanien-Route 53 Todesopfer gefordert haben.


Die Internationale Organisation für Migration (IOM) berichtete von einem Schlauchboot, das vor Libyen in Seenot geraten war und auf dem nach Angaben von drei Überlebenden insgesamt 120 Menschen gewesen sein sollen. Unter den Vermissten seien auch zehn Frauen und zwei Kinder, eines davon erst zwei Monate alt, twitterte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo am Samstag. Die Überlebenden hatte die italienische Marine auf die Insel Lampedusa gebracht.
Die Marine hatte erklärt, dass das Schlauchboot rund 50 Seemeilen (knapp 93 Kilometer) nordöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis zu Kentern drohte und dass rund 20 Menschen an Bord waren.
Laut IOM-Sprecher könnte es aber weitaus schlimmer gewesen sein. «Sie haben uns gesagt, dass auf dem Schlauchboot, das in Libyen Donnerstagnacht abgelegt hat, 120 Personen waren. Nach zehn bis elf Stunden Fahrt begann dem Boot die Luft auszugehen, und es fing an zu sinken. Die Menschen sind ins Meer gefallen und ertrunken», sagte Di Giacomo der Nachrichtenagentur Adnkronos. An Bord seien demnach vor allem Westafrikaner und etwa 40 Sudanesen gewesen.
Dabei habe sich bereits ein Rettungsboot der libyschen Küstenwache auf dem Weg zur Unglücksstelle befunden, sagte deren Sprecher Ajub Kasim. Unterwegs habe das Boot der Küstenwache jedoch eine Panne gehabt. Nach Einschätzungen des Marine-Sprechers werden noch rund 50 Migranten vermisst.
Seit die populistische Regierung in Italien die Häfen des Landes für Migranten weitgehend geschlossen hat, kommen immer weniger Migranten an, die zumeist in Libyen ablegen. Italien und die EU unterstützen die libysche Küstenwache darin, die Menschen wieder in das Bürgerkriegsland zurück zu bringen. Allerdings sind die Schlepper nun über andere Routen ausgewichen, vor allem in Richtung Spanien.
Auf dieser Route soll es nun im Alborán-Meer 53 Tote geben, wie das UN-Flüchtlingswerk UNHCR unter Berufung auf eine Hilfsorganisation mitteilte. Ein Überlebender habe das angegeben, nachdem er nach 24 Stunden auf dem Meer getrieben war und von einem Fischerboot gerettet wurde. Die Angaben zu beiden Schiffsunglücken könnten jedoch unabhängig nicht geprüft werden, so UNHCR.
Europa streitet seit Jahren über eine gleichmäßigere Verteilung von Bootsflüchtlingen. Ein großer Teil reist bislang nach Deutschland. 2017 registrierte Deutschland laut Eurostat 198.000 Asylbewerber, was 31 Prozent aller Erstantragsteller in der EU ausmachte.
«Ohne sichere und legale Wege für Menschen, die Sicherheit in Europa suchen (...), bleibt das Mittelmeer ein Friedhof», twitterte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Seit Beginn des Jahres waren - die letzten Unglücke nicht eingerechnet - laut IOM im Mittelmeer 83 Menschen umgekommen. Im Vorjahreszeitraum waren es 199.
«Solange Europas Häfen offen bleiben, solange jemand den Schleppern hilft, machen die Schlepper leider weiter Geschäfte und töten weiter», erklärte Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini. In den letzten Monaten wurden mehrere Rettungsschiffe mit Migranten tagelang auf dem Meer blockiert. Darunter waren zuletzt zwei Schiffe der deutschen Hilfsorganisationen Sea-Watch und Sea-Eye, die erst nach wochenlangem Gezerre die Migranten an Malta abgeben durften, wo sie dann auf andere Länder verteilt werden sollten.
Sea-Watch nahm jetzt erneut an anderer Stelle im Mittelmeer Migranten auf. Die Berliner NGO erklärte, dass sie 47 Menschen aus Seenot gerettet hätten. Die Menschen von einem Schlauchboot seien nun sicher und versorgt. Wohin die «Sea-Watch 3» allerdings fahren kann, ist unklar. Salvini erklärte umgehend, nach Italien dürften sie nicht. Die nächste Hängepartie zeichnet sich somit ab.

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