Pro & Kontra der Mittelbadischen Presse

Französisch ab der ersten Klasse ist unsinnig

Autor: 
Christoph Rigling und Sandra Barth
Lesezeit 3 Minuten
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21. April 2018
Die Flaggen von Europa, Frankreich und Deutschland stehen auf einem Tisch.

Die Flaggen von Europa, Frankreich und Deutschland stehen auf einem Tisch. ©dpa

In Baden-Württemberg wird der Französischunterricht an Grundschulen zugunsten von Deutsch und Mathe abgeschafft. Zwei Redakteure, zwei Meinungen: Jeden Samstag stellt die Mittelbadische Presse in der Reihe "Pro & Kontra" zu einem kontroversen Thema zwei Positionen gegenüber. An diesem Samstag lesen Sie: Christoph Rigling und Sandra Barth über den Sinn des Französischunterrichts ab der ersten Klasse.

 

PRO von Christoph Rigling:

Laissez-les tranquilles!

Erstens: Kinder sollten erst mal vernünftig Lesen und Schreiben lernen, bevor es an das Erlernen von Fremdsprachen geht. Das klingt spießig, aber in Zeiten, in denen Teenager und Jugendliche vor allem mittels Emojis über Whatsapp kommunizieren, ist es wichtiger denn je, dass die Grundlagen von Deutsch und Mathe in so vielen Schulstunden wie möglich erlernt werden. Selbst der Versuch, eine Sprache spielerisch zu lernen, nimmt da nur Zeit in Anspruch, die beim Start der Schulkarriere an wichtigerer Stelle fehlt.

Zweitens: Wenn man schon so früh mit dem Erlernen einer Sprache beginnen soll, warum denn dann bitteschön eine – mit Verlaub – eher unwichtige wie Französisch? Warum nicht Englisch, ja, warum nicht Chinesisch? Weil wir an der Grenze wohnen? In Zeiten der weit fortgeschrittenen Globalisierung ist das kein Argument, in späteren Jahren werden andere Sprachen im Berufs- und wahrscheinlich auch im Privatleben sehr viel wichtiger sein.

Drittens: Forschungen zeigen, dass auch Kinder mehrere Stunden am Tag eine fremde Sprache hören müssen, damit allein dadurch wirklich etwas hängen bleibt. Mit dem Singen von »Sur le pont d’Avignon« ist es nicht getan. Es müssen Vokabeln und Grammatik gepaukt werden. Und das muss man Kindern in der ersten Klasse wirklich noch nicht antun. Also, lasst sie damit in Ruhe, oder für die Frankophilen unter den Lesern: Laissez-les tranquilles! 

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KONTRA von Sandra Barth:

Sprache verbindet!

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, den Deutschunterricht an französischen Schulen wieder ausbauen zu wollen. Und wir, die in direkter Nachbarschaft zu Frankreich wohnen, wollen den Französischunterricht nun kürzen, um Defizite in Mathematik und Deutsch zu kompensieren.

Dabei profitieren Schüler doch auch in den übrigen Fächern vom Französischunterricht. Sprachwissenschaftler haben herausgefunden, dass Fremdsprachen-Schüler etwa im Deutschunterricht beginnen, ihre eigene Sprache besser zu verstehen. Wie Johann Wolfgang von Goethe schon sagte: »Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.« Der Französischunterricht bremst die Schüler also nicht aus, er hilft ihnen weiter.

Kindern, die bereits früh eine Fremdsprache erlernen, fällt es einfacher, später eine weitere Sprache zu beherrschen. Für kompliziertere Sprache wie Französisch gilt das doppelt. Denn, wenn sie diese beherrschen, lassen sich andere Sprachen, wie Englisch, erwiesenermaßen noch einfacher erlernen. Da ist es doch nur von Vorteil, so früh wie möglich mit dem Unterricht zu beginnen und es den Schülern so später zu erleichtern. 

Außerdem: Nicht nur in Frankreich wird die Weltsprache Französisch gesprochen. Rund 270 Millionen Menschen auf allen Kontinenten in mehr als 50 Ländern verwenden sie. Und wie heißt es doch so schön: Sprache verbindet!

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  • Debatte: Französisch ab der ersten Klasse

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