Nachrichten

Freude in Teheran über Trumps Rausschmiss von John Bolton

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. September 2019
US-Präsident Donald Trump hat seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton entlassen.

US-Präsident Donald Trump hat seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton entlassen. ©dpa - Evan Vucci/AP

Teheran (dpa) Der Iran hofft nach der Entlassung von US-Sicherheitsberater John Bolton auf Entspannung im Konflikt mit der Regierung in Washington.

«Mit dem Rausschmiss Boltons als dem wichtigsten Unterstützer von Krieg und wirtschaftlichem Terrorismus (Anm. d. Red.: gemeint sind die Sanktionen) gegen den Iran gibt es nun weniger Hindernisse für das Weiße Haus, die Realitäten in Teheran zu verstehen», twitterte Regierungssprecher Ali Rabiei am Mittwoch.

Von den Iran-Gegnern würde nach den Worten des Sprechers «einer nach dem anderen» die politische Szene verlassen. Bolton habe noch vor Kurzem versprochen, dass das iranische Establishment innerhalb von drei Monaten stürzen würde. «Wir sind aber noch da ... und er ist weg», sagte Rabiei.

Völlig überraschende Entlassung

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag völlig überraschend seinen Nationalen Sicherheitsberater entlassen. Trump begründete die Entscheidung mit inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten.

«Ich war mit vielen seiner Vorschläge nicht einverstanden, wie auch andere in der Administration, und deshalb habe ich ihn gebeten, zurückzutreten», twitterte Trump. Er kündigte an, in der kommenden Woche einen Nachfolger zu benennen.
In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Unstimmigkeiten zwischen Trump und Bolton gegeben, zum Beispiel mit Blick auf den US-amerikanischen Kurs gegenüber Afghanistan, dem Iran und Nordkorea.

Die Amtszeit von Bolton endete im Disput: Trump und Bolton widersprachen sich in ihren Darstellungen. Trump schrieb auf Twitter, er habe den 70-Jährigen am Montagabend zum Rücktritt aufgefordert. Dieser habe daraufhin am Dienstagmorgen seinen Rückzug erklärt. Bolton meldete sich daraufhin auf Twitter selbst zu Wort und widersprach Trump offen. «Ich habe gestern Abend meinen Rücktritt angeboten und Präsident Trump sagte: «Lass uns morgen darüber sprechen».» In einer SMS an die «Washington Post» fügte Bolton hinzu, er werde sich zu gegebener Zeit zu dem Vorgang äußern.

Außenpolitischer Hardliner

- Anzeige -

Bolton war der dritte Nationale Sicherheitsberater in der Trump-Regierung. Er war seit April 2018 im Amt und folgte auf General Herbert Raymond McMaster. Bolton war schon vor seinem Antritt als außenpolitischer Hardliner bekannt, der hartnäckig für einen amerikanischen Nationalismus eintritt. Er war einer der glühendsten Verfechter des US-Einmarsches in den Irak.

Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der sich zuletzt immer weiter zugespitzt hatte, galt Bolton als Befürworter eines Regimewechsels in der Islamischen Republik. US-Medienberichten zufolge waren Bolton Trumps Annäherungsversuche an Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ein Dorn im Auge. Zudem habe es Differenzen beim Thema Afghanistan gegeben.

Bolton soll gegen ein von Trump für vergangenen Sonntag geplantes Geheimtreffen mit Taliban-Vertretern in Camp David gewesen sein, dem Landsitz des US-Präsidenten. Trump hatte das Treffen am Samstagabend abgesagt. Als Grund hatte er einen Taliban-Anschlag am vergangenen Donnerstag in Kabul angeführt, bei dem zwölf Menschen getötet worden waren, darunter ein US-Soldat. Die USA verhandeln seit Monaten mit den Taliban über ein Abkommen, das den Weg zu einem Abzug der US-Truppen und zu Frieden in dem Land bereiten soll.

Ungewöhnlich lange Liste an Rauswürfen

Auch US-Außenminister Mike Pompeo räumte am Dienstag Differenzen mit Bolton ein. «Botschafter Bolton und ich waren oft anderer Meinung, das stimmt sicherlich», sagte Pompeo am Dienstag vor Journalisten im Weißen Haus. «Aber das trifft auf viele Menschen zu, mit denen ich zu tun habe.» Pompeo fügte hinzu, Trump habe das Recht, sich seine Mitarbeiter auszusuchen. «Er sollte Menschen haben, denen er vertraut und die er schätzt und deren Bemühungen und Urteile ihm dabei nützen, amerikanische Außenpolitik zu liefern.»

In den vergangenen Monaten war Trump mehrfach mit Nachfragen konfrontiert gewesen, ob er mit Boltons Arbeit zufrieden sei. Er hatte Bolton bis dato stets verteidigt und etwa gesagt, er wisse um dessen Rolle als Hardliner, habe aber auch andere Berater, die gemäßigter seien.

Boltons Entlassung reiht sich ein in eine ungewöhnlich lange Liste an Rauswürfen, Personalwechseln und Rücktritten, die es seit dem Amtsantritt Trumps im Apparat der US-Regierung gegeben hat. Aus dem Weißen Haus hieß es am Dienstag, kommissarisch solle vorerst der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Charles Kupperman die Geschäfte Boltons übernehmen.

Die Sprecherin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte den Rauswurf Boltons am Dienstag auf Twitter «ein Symbol der Unordnung, die unsere Verbündeten seit dem ersten Tag der Trump-Regierung verunsichert hat». Der Schlüssel für Amerikas nationale Sicherheit seien eine stabile Führung und strategische Außenpolitik.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 5 Stunden
Nachrichten
Die E-Zigarette boomt. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland. Eigentlich gilt sie als gesündere Alternative zur klassischen Kippe. Mysteriöse Krankheitsfälle und neue Studien werfen Zweifel auf.
vor 18 Stunden
Nachrichten
Er ist wieder da….der geheimnisvolle „Grüne Strahl“ im Straßburger Münster. Im Frühjahr und im Herbst passiert genau das im Straßburger Münster.
vor 20 Stunden
Kommentar des Tages
Das von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen für mehr Klimaschutz reichen bei Weiten nicht aus.
20.09.2019
Berlin
Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin kritisiert das Klimapaket der Bundesregierung.
20.09.2019
Berlin
Stundenlang haben Union und SPD um einen großen Plan gerungen, damit Deutschand die Klimaziele einhält. Nun ist ein Paket geschnürt.
Trafen sich Anfang der Woche zu einem Gespräch: Boris Johnson (l.) und Jean-Claude Juncker.
20.09.2019
Brüssel
Im Brexit-Streit keimt zarte Hoffnung auf eine rechtzeitige Einigung zwischen Brüssel und London vor dem geplanten britischen EU-Austritt am 31. Oktober.
Nach Messungen des Deutschen Krebsforschungszentrums ist die Schadstoffkonzentration in verrauchten Autos fünf Mal so hoch wie in einer durchschnittlich verrauchten Bar.
20.09.2019
Berlin
Mit gesundheitsschädlichem Passivrauchen von Kindern in Autos soll nach dem Willen mehrerer Bundesländer Schluss sein.
Renate Künast ist vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, gegen Beschimpfungen wie «Geisteskranke» auf Facebook gegen sie vorzugehen.
20.09.2019
Berlin
Mehrere Politikerinnen haben Unverständnis geäußert über das Urteil des Berliner Landgerichts zu Beschimpfungen gegen die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast.
Das deutsche Forschungsschiff «Polarstern» vor Tromsø in Norwegen.
20.09.2019
Tromsø
Rund 350 Tage im Eis der Arktis, 150 davon ist es durchgehend dunkel: Heute (20.30 Uhr) startet das deutsche Forschungsschiff «Polarstern» vom norwegischen Tromsø zur Mammutexpedition «Mosaic».
Klima-Demonstration von Fridays for Future auf dem Hamburger Gänsemarkt.
20.09.2019
Berlin
Von Albanien bis Uruguay, von Aalen bis Zweibrücken: Zum globalen Streik für mehr Klimaschutz an diesem Freitag erwartet die Jugendbewegung Fridays for Future mehrere Hunderttausend Teilnehmer.
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman empfängt US-Außenminister Mike Pompeo in Jiddah.
20.09.2019
Riad
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat im Jemen rund um die umkämpfte Hafenstadt Hudaida mehrere Ziele der Huthi-Rebellen angegriffen.
Seit Monaten demonstrieren Schüler auch in Offenburg für besseren Klimaschutz. Am Freitag sind auch Berufstätige zur Teilnahme aufgerufen.
20.09.2019
Aktion am heutigen Freitag
Seit Monaten gehen vor allem Schüler freitags auf die Straße statt zur Schule, um für stärkere Klimaschutzmaßnahmen zu protestieren. Zum globalen «Klimastreik» sind nun auch Berufstätige aufgerufen, mitzumachen. In Baden-Württemberg dürften es viele werden – auch in Offenburg und Achern.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 10.09.2019
    Feiern in Dirndl und Lederhose
    Fürs Oktoberfest nach München fahren? Das muss nicht sein! Denn die »Wunderbar« in Neuried-Altenheim holt das Event am 2. und 5. Oktober stilecht in die Ortenau – im beheizten Zelt mit Maßbier, Haxn und Live-Band.
  • 06.09.2019
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. 
  • Auch eine neue Brennerei wird am 14. September eingeweiht und vorgestellt.
    30.08.2019
    Am 14. und 15. September
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. Dafür öffnet Inhaber Markus Wurth ein Wochenende lang seine Tore und bietet außerdem exklusive Editionen seiner Kreationen an. 
  • 28.08.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.