Feuer an Observatorium gebannt

Großbrände im US-Westen toben weiter

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dpa
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16. September 2020
Die verheerenden Waldbrände im Westen der USA haben in den vergangenen Wochen riesige Flächen zerstört. Foto: Andy Nelson/Pool The Register-Guard/Pool/AP/dpa

Die verheerenden Waldbrände im Westen der USA haben in den vergangenen Wochen riesige Flächen zerstört. Foto: Andy Nelson/Pool The Register-Guard/Pool/AP/dpa ©Foto: dpa

Dauereinsatz für Zehntausende Feuerwehrleute an der Westküste der USA: Mehr als 50 Großbrände bedrohen große Flächen in Oregon und im Norden Kaliforniens. Nun brennt es auch noch im Süden nahe Los Angeles. Dort bedrohten Flammen ein historisches Observatorium.

Los Angeles/Sacramento - Dutzende Waldbrände halten an der US-Westküste weiterhin Feuerwehr und Einwohner in Schach.

Im Süden Kaliforniens rückte ein Feuer nahe der Millionenmetropole Los Angeles am Dienstag (Ortszeit) gefährlich an das gut 1700 Meter hoch in den San Gabriel Mountains liegende historische Mount-Wilson-Observatorium heran. Doch die Flammen des sogenannten Bobcat-Feuers hätten bis zum Abend um die Anlage herum zurückgeschlagen werden können, sagte eine Sprecherin des Einsatzteams. Die Lage am Mount Wilson sehe jetzt "ziemlich gut" aus, ergänzte sie in einem Video, das vom Angeles-Nationalforst auf Twitter veröffentlicht wurde.

Die Anlage aus dem Jahr 1904, in der Astronom Edward Hubble Medienberichten zufolge historische Entdeckungen gemacht hatte, war zuvor geräumt worden. Zeitweise hatten sich die Flammen bis auf wenige Hundert Meter herangefressen.

Die verheerenden Feuer in Kalifornien sowie den nördlichen Nachbarstaaten Oregon und Washington haben bereits riesige Flächen Land zerstört. Ganze Ortschaften brannten ab, 35 Menschen starben. Die Behörden befürchten weitere Todesopfer. Die Nationale Brandschutzbehörde NIFC sprach am Dienstag landesweit von 87 Großfeuern, die bereits mehr als 4,7 Millionen Acres (mehr als 19.000 Quadratkilometer) niedergebrannt hätten. Die meisten der Brände wüteten demnach in Kalifornien, Oregon, Washington und Idaho.

Regenfälle erwartete die Behörde für den Nordwesten Oregons. Die höhere Luftfeuchtigkeit werde die Lage an der nordwestlichen Pazifikküste etwas entspannen, hieß es im Lagebericht vom Dienstag weiter. Doch im Osten Oregons sowie in Kalifornien und weiteren Regionen wie im Westen Montanas bleibe die Lage kritisch, nicht zuletzt wegen erwarteter Windböen. Dichter Rauch wird demnach weiter über dem Westen der USA liegen. US-Medien berichteten, erste Ausläufer des als gesundheitsschädlich eingestuften Rauchs der Waldbrände seien bereits an der Ostküste angekommen.

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Mehr als 16.600 Feuerwehrleute kämpften alleine am Dienstag in Kalifornien gegen 25 größere Feuer an, wie die Behörde CAL Fire mitteilte. Auch in Oregon tobten mehr als zwei Dutzend Brände. Nach Mitteilung des Weißen Hauses sagte US-Präsident Donald Trump dem schwer betroffenen Staat am Dienstag Katastrophenhilfe zu. Bürger, deren Häuser zerstört wurden, sollen damit über die Katastrophenschutzbehörde (Fema) Soforthilfe erhalten.

Trump hatte sich am Montag bei einem Besuch in Kalifornien mit Einsatzkräften und Vertretern der Regierung getroffen. Dabei gab der Republikaner erneut dem aus seiner Sicht schlechten Forstmanagement die Schuld an den heftigen Bränden. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom verwies auf die drastischen Folgen des Klimawandels, Trump spielte dies wie schon zuvor herunter.

Wissenschaftler sehen es als erwiesen an, dass die Klimakrise Wetterextreme wie Trockenheit und Hitze verschärft. "Größer, heißer und zerstörerischer" werden laut California State University die Waldbrände an der Westküste der USA. Ein Grund: Der Klimawandel. Dieser gehe mit Dürre einher, erklärt Craig Clements, Klimawissenschaftler von der San José State University. Fehlende Niederschläge träfen auf eine Rekord-Hitzewelle. Die Vegetation sei dadurch noch leichter entflammbar, so der Experte.

Gewitter stellten bei Dürre ein zusätzliches Risiko dar, weil Blitze Brände verursachen können, ergänzt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Zudem fache starker Wind das Feuer immer wieder an. Aber auch forstwirtschaftliche Mängel tragen laut California State University zur Katastrophe bei. Es liege zu viel brennbares Material wie trockene Äste oder Gestrüpp auf dem Waldboden. Die jährliche Brandsaison an der Westküste steht erst am Anfang, sie wird laut Experten von Cal Fire mindestens bis Ende Oktober dauern.

Die Kandidatin der US-Demokraten für die Vizepräsidentschaft, Kamala Harris, machte sich zusammen mit Newsom am Dienstag ein Bild von der Zerstörung durch das Creek-Feuer in der Sierra Nevada. Die politische Führung müsse den Klimawandel ernst nehmen und alles tun, um derartige Schäden abzuschwächen, betonte die Senatorin aus Kalifornien. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hatte Trump am Montag als "Klima-Brandstifter" bezeichnet. Obwohl der "Westen im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen steht", verleugne Trump weiter den Klimawandel, erklärte Biden.

© dpa-infocom, dpa:200916-99-580305/3

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